In unserer aktuellen Leserbefragung sprechen sich 56 Prozent der Teilnehmenden grundsätzlich gegen gesetzliche Eingriffe in die Honorargestaltung von Immobilientreuhänder*innen aus. Weitere 28 Prozent sehen darin Verzerrungen am Markt, die wirtschaftliches Arbeiten erschweren. Nur elf Prozent halten solche Eingriffe für sinnvoll, wenn sie mehr Transparenz bringen, und lediglich zwei Prozent erachten sie als notwendig zur Sicherstellung der Leistbarkeit für Konsument*innen. Das Ergebnis ist also eindeutig: Eine überwältigende Mehrheit betrachtet staatliche Eingriffe in die Preisgestaltung als grundsätzliches Problem.

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© OIZ

Das Bestellerprinzip ist gescheitert

Noch deutlicher fällt das Urteil zum Bestellerprinzip aus, das seit 1. Juli 2023 in Kraft ist. 81 Prozent der Befragten bewerten es als deutliche Verschlechterung der Rahmenbedingungen. Nur sechs Prozent sehen lediglich marginale Nachteile, und jeweils vier Prozent sehen entweder ein ausgewogenes Verhältnis oder gar keine negativen Folgen. Dieses Ergebnis steht im Einklang mit einer aktuellen Studie der University of Cambridge, auf die in der Befragung selbst hingewiesen wurde und die zu dem Befund kommt, dass das Bestellerprinzip die Mieten in Österreich verteuert hat. Das politische Eingreifen, um Wohnkosten zu senken, erzeugt in diesem Fall also das Gegenteil.

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Aufwand steigt, Ertrag stagniert

Bei der Frage, ob stagnierende Verwalterhonorare angesichts wachsender Anforderungen problematisch sind, antworten 87 Prozent mit Ja. Nur 13 Prozent verneinen dies. Die steigende regulatorische Komplexität, neue gesetzliche Pflichten wie das Bauwerksbuch sowie wachsende Haftungsrisiken treffen auf ein Honorarsystem, das an die Kategoriemieten gekoppelt ist und damit in Jahren mit Mietpreisbremsen faktisch eingefroren wird. Das klingt nach einer strukturellen Schieflage.

Wir haben die Teilnehmenden gefragt, welche Rahmenbedingungen es braucht, damit Immobilientreuhänder*innen auch künftig hochwertige Leistungen wirtschaftlich erbringen können. Die Antworten auf diese offene Frage zeichnen ein klares Bild: Die Branche will mehr Markt und weniger Staat, angemessene Honorare und vor allem Planungssicherheit.

Was die Branche fordert

Besonders häufig genannt werden die Entkoppelung der Verwalterhonorare von den Kategoriemieten sowie eine Valorisierung nach dem Verbraucherpreisindex. Ein Teilnehmer bringt es präzise auf den Punkt: „Es ist nicht einzusehen, dass die Gemeinden und sonstige Dienstleister Gebühren und Honorare entsprechend der Inflation angleichen dürfen und nur der Verwalter auf eine Inflationsabgeltung verzichten muss.“ Ein anderer ergänzt, was das in der Praxis bedeutet: „Das Standardhonorar deckt meistens nicht einmal die Fixkosten.“

Beim Bestellerprinzip dominiert der Ruf nach Abschaffung oder zumindest grundlegender Reform: „Es wird in Hinkunft keine kleinen Betriebe mit persönlichem Service und perfekt ausgebildeten Mitarbeitern mehr geben, weil niemand mehr bereit ist, ein so hohes Risiko für so wenig Geld zu tragen“, schreibt eine Teilnehmer*in. Mehrfach wird auch die Forderung nach sogenannten No-Show-Gebühren laut, nachdem manche Makler*innen berichten, dass bis zur Hälfte aller vereinbarten Besichtigungstermine ohne Absage nicht wahrgenommen wird.

Neben Honorarfragen zieht sich das Thema Rechtssicherheit wie ein roter Faden durch die Antworten. Viele Teilnehmende wünschen sich stabile, langfristig verlässliche gesetzliche Rahmenbedingungen statt kurzfristiger politischer Eingriffe. Ein Befragter fasst die Stimmung stellvertretend zusammen: „Rechtssicherheit! Kein Eingreifen in bestehende Mietverträge, keine kurzfristigen Änderungen.“

Die politische Debatte um leistbares Wohnen neigt dazu, Makler*innen und Verwalter*innen als Teil des Problems darzustellen. Unsere Leserbefragung zeigt, dass die Branche diese Sichtweise entschieden zurückweist und sich als Teil der Lösung versteht, wenn ihr die wirtschaftliche Grundlage dafür erhalten bleibt.

Der Ruf nach Stabilität

Die Botschaft der Teilnehmenden ist klar: Immobilientreuhänder*innen brauchen keine weiteren Eingriffe, sondern verlässliche, planbare Bedingungen. Das betrifft sowohl die Honorargestaltung als auch die gesetzlichen Grundlagen für Makler- und Verwaltungstätigkeit. Ob und wie die Politik diese Signale aufgreift, wird maßgeblich darüber entscheiden, ob kleine und mittelgroße Betriebe in der Branche wirtschaftlich bestehen können.