„Treffpunkt Baustelle!“, lautete es am 20. Mai 2026. Schließlich setzte die NOE Immobilien Development GmbH in Purkersdorf den offiziellen Spatenstich für das Projekt Walpurga mit 34 freifinanzierten Eigentumswohnungen. Ende nächsten Jahres soll die Fertigstellung gefeiert werden.
Walpurga war bei der Pressekonferenz mit dem Titel „Wohnbauprojekte in der Pipeline: Niederösterreich“ in St. Pölten auch eines der besprochenen Objekte. Die von der Fachgruppe Niederösterreich der Immobilien- und Vermögenstreuhänder gemeinsam mit der Landesgruppe Niederösterreich der Gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBV) und der Exploreal GmbH präsentierte Auswertung erfasste für die Jahre 2024 bis 2026 rund 460 Bauprojekte mit insgesamt 12.099 Wohneinheiten. Demnach ist heuer im Land unter der Enns die Fertigstellung von etwa 3.700 neuen Einheiten zu erwarten. Das entspricht einem Anstieg von einem Drittel gegenüber dem schwachen Vorjahr. Für 2027 sind circa 4.100 Wohnungen prognostiziert.
Gewerblicher Wohnbau bleibt unverzichtbare Säule
Johannes Wild, Obmann der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer Niederösterreich, präsentierte die Zahlen für das gewerbliche Segment. Demnach entfallen im Bundesland 27 Prozent des Gesamtmarktes auf gewerbliches Eigentum, 16 Prozent auf gewerbliche Miete und weitere sechs Prozent auf sonstige gewerbliche Segmente. Damit steht der gewerbliche Wohnbau insgesamt für 49 Prozent des niederösterreichischen Gesamtmarktes. „Diese Zahlen zeigen sehr klar, dass der gewerbliche Wohnbau in Niederösterreich eine tragende Säule des Neubaus bleibt. Wer den Wohnbau ankurbeln will, muss dafür sorgen, dass Projekte wieder wirtschaftlich darstellbar und Investitionen wieder kalkulierbar werden. Es braucht auf Bundesebene verlässliche Rahmenbedingungen, weniger kostentreibende Hürden und mehr Planungssicherheit“, erklärte Wild.
Gemeinnützige sichern leistbares Angebot
Christian Rädler, Obmann der GBV-Landesgruppe Niederösterreich, verwies auf die große Bedeutung des gemeinnützigen Sektors für das leistbare Wohnen. Laut den Daten entfallen fünf Prozent des Gesamtmarktes auf gemeinnütziges Eigentum, 43 Prozent auf gemeinnützige Mietwohnungen und drei Prozent auf sonstige gemeinnützige Segmente. Damit kommt der gemeinnützige Bereich insgesamt auf 51 Prozent des Marktes und stellt damit mehr als die Hälfte der Wohnbaupipeline im Bundesland.
Rädler betonte: „Der gemeinnützige Wohnbau ist ein zentraler Garant für leistbares Wohnen in Niederösterreich. Gerade in einem schwierigen Marktumfeld braucht es stabile und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen, damit ausreichend gebaut werden kann. Leistbarer Wohnraum entsteht nur dann, wenn gemeinnützige und gewerbliche Bauträger unter vernünftigen Voraussetzungen arbeiten können.“
Breitgefächerter Wohnungsmix
Die präsentierten Zahlen zeigen nicht nur das Volumen des Neubaus, sondern auch die Struktur des Angebots. Im Durchschnitt verfügen die Projekte über eine Wohnnutzfläche von 74,3 Quadratmetern je Einheit. Der Wohnungsmix ist breit aufgestellt: 36 Prozent der Einheiten entfallen auf Ein- bis Zwei-Zimmer-Wohnungen, 38 Prozent auf Drei-Zimmer-Wohnungen und 26 Prozent auf Einheiten mit vier oder mehr Zimmern. Das spricht für ein Angebot, das sowohl kleinere Haushalte als auch Familien adressiert.
Wirtschaftlich bleibt der Druck hoch: Der durchschnittliche Grundkostenanteil liegt laut der Auswertung bei 1.083 Euro pro Quadratmeter. Gerade dieser Kostenfaktor unterstreicht aus Sicht der Branchenvertreter, wie wichtig verlässliche wohnpolitische und finanzielle Rahmenbedingungen sind, damit neue Projekte tatsächlich umgesetzt werden können.
Ausstattung mit hohem Stellenwert
Ein zentrales Ergebnis der Auswertung betrifft die Qualität und Ausstattung der geplanten Projekte. Nahezu der gesamte Wohnneubau in Niederösterreich verfügt über Freiflächen, das sind rund 99 Prozent der Einheiten. Im Durchschnitt beträgt die Freifläche 11,2 Quadratmeter pro Einheit.
Auch die Detailausstattung zeigt ein klares Bild: 47 Prozent der Einheiten verfügen über Terrassen, 45 Prozent über Balkone, 37 Prozent über Gärten und 22 Prozent über Loggien. Damit ist erkennbar, dass Außenräume längst fixer Bestandteil moderner Projekte sind und einen wesentlichen Beitrag zur Wohnqualität leisten. Hinzu kommt eine durchschnittliche Zahl von 1,18 Pkw-Abstellplätzen pro Einheit.
Was es braucht
Vor diesem Hintergrund forderten Wild und Rädler Reformen in der Wohnpolitik auf Bundesebene, um den Wohnneubau wieder in Schwung zu bringen. Aus ihrer Sicht braucht es raschere und einfachere Verfahren, weniger bürokratische und kostentreibende Auflagen, verlässlichere Förder- und Finanzierungsbedingungen sowie insgesamt mehr Planbarkeit für Bauträger, Investoren sowie gemeinnützige Wohnbauunternehmen. Wollte man ausreichend neuen Wohnraum entstehen lassen, müssten die politischen Rahmenbedingungen wieder stärker auf Ermöglichung statt auf Verhinderung ausgerichtet werden, unterstrichen Wild und Rädler. Und weiter: „Österreich braucht auf Bundesebene Reformen, die den Neubau tatsächlich erleichtern. Nur so wird es gelingen, das Wohnungsangebot auszuweiten und gleichzeitig leistbares Wohnen zu sichern.“
Dass die Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Niederösterreich und die GBV-Landesgruppe Niederösterreich die Zahlen erstmals gemeinsam präsentierten, ist für beide Organisationen ein bewusstes Signal. Denn sowohl der gewerbliche als auch der gemeinnützige Wohnbau sind unverzichtbare Bestandteile eines funktionierenden Wohnungsmarktes. Die Daten zeigen, dass beide Segmente gemeinsam die Grundlage dafür schaffen, dass im Land unter der Enns Eigentum, Miete und leistbarer Wohnraum in ausreichender Vielfalt entstehen können. ■
