Im September 2025 galt es in Wien, ein Jubiläum zu feiern. Schließlich ging der Bundesimmobilientag zum fünfzigsten Mal über die Branchenbühne. Damals wurde das Staffelholz an Oberösterreich als das Bundesland, das die Großveranstaltung im nächsten Jahr ausrichtet, übergeben.
Am 2. und 3. Juni 2026 war es so weit: Der 51. Bundesimmobilientag machte Bad Ischl zum Branchentreffpunkt. Mehr als 300 Gäste aus der Immobilienwirtschaft, Politik, Wirtschaft sowie der Interessenvertretung erhielten unter dem Motto „The Next Normal – Die neue Realität der Immobilienwirtschaft“ einen umfassenden Blick auf aktuelle und künftig prägende Themen.
Naturgefahrenmanagement und Gegenwartsgesellschaft
Den Auftakt bildete am 1. Juni 2026 das Pre-Opening-Event im Hotel Grand Elisabeth. Am Folgetag startete das offizielle Programm, durch das die Journalistin Sabine Kronberger als Moderatorin führte, im Kongress- und Theaterhaus Bad Ischl. Stefan Fink, Chief Economist von KPMG Österreich, eröffnete den Reigen der Vorträge mit einem Referat über makroökonomische und finanzwirtschaftliche Perspektiven. Er ordnete zentrale Rahmenbedingungen für die Immobilienwirtschaft ein. Weitere Impulse widmeten sich unter anderem klimaresilientem Bauen, Naturgefahrenmanagement, ESG, gesellschaftlichen Trends, Kommunikation, Recht und Politik sowie der Frage, wie Veränderungen aktiv gestaltet werden können.
Mit Beiträgen von Michael Stur (Geschäftsführer der BVS Holding GmbH), dem Marktforscher Paul Eiselsberg, dem Universitätsprofessor für Genetik Markus Hengstschläger, Iris Einwaller-Probst (Geschäftsführerin von Epmedia), Christoph Kothbauer (Konsulent für Wohn- und Immobilienrecht) und Hans Starl (Geschäftsführer der Kawumms NGM GmbH) wurde die breite inhaltliche Ausrichtung des diesjährigen Bundesimmobilientags deutlich. Die Vorträge zeigten, dass die Immobilienwirtschaft vor vielfältigen Herausforderungen steht, zugleich aber zahlreiche Chancen hat, neue Entwicklungen aktiv aufzugreifen und zukunftsorientierte Lösungen zu entwickeln.
Zwei Podiumsdiskussionen
Darüber hinaus standen zwei Podiumsdiskussionen auf der Agenda. In „WKO. Stimmen. Standpunkte. Herausforderungen“ ging es analog zum Motto „The Next Normal“ um die neue Realität, mit der die Immobilientreuhänder konfrontiert sind. Denn was vor einer Dekade noch als Bonus in der Ausstattung galt, wie etwa alternative Heizsysteme, entwickelt sich zur Norm. Und was gestern noch Fortschritt war, ist heute fester Bestandteil im Arbeitsalltag, Softwarelösungen beispielsweise. Die heimischen Makler, Verwalter und Bauträger stehen vor tiefgreifenden Veränderungen rund um ihr Kernprodukt. Wohnraum wird neu definiert. Auch der Arbeitsbereich wird sich in den kommenden Jahren tiefgreifend wandeln. Die Digitalisierung nimmt nicht nur in der öffentlichen Verwaltung, sondern in der gesamten Branche zunehmend Fahrt auf und stellt die Immobilientreuhänder vor Herausforderungen und Umstellungen.

Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder trotzt diesem neuen Normal, dieser neuen Realität nicht. Im Gegenteil. Wie die Unternehmer selbst im täglichen Geschäftsleben tritt auch der Verband beständig und mit Bedacht konsequent für die Forderungen der Branche ein, um die wertvolle, vor allem aber werterhaltende Arbeit der rund 10.000 Unternehmen in Österreich auf dem Immobilienmarkt auch zukünftig zu stärken und damit zu ermöglichen.
Schlagkräftige Interessenvertretung
Fachverbandsobmann Roman Oberndorfer erklärte bei der Podiumsdiskussion: „Mit dem 51. Bundestag wollen wir thematisch dieses neue Zeitalter für die
Branche und für die Immobilie einläuten. Gleichzeitig wollen wir aufzeigen, was nicht aus der Mode kommen oder von der Technik überholt werden wird: nämlich eine schlagkräftige, wertebezogene und werterhaltende Interessenvertretung.“
Für die Hausverwaltungen wird die zunehmende Komplexität zu einer zentralen Herausforderung. Ellen Moll, Berufsgruppensprecherin der Verwalter, verwies auf Themen wie Digitalisierung, Sanierungsauflagen und den Förderdschungel. Besonders wichtig seien aus Sicht der Verwalterinnen und Verwalter mehr Rechts- und Fördersicherheit sowie klare Rahmenbedingungen – etwa bei Duldungspflichten. Um für die Zukunft gerüstet zu sein, seien laufende Aus- und Weiterbildungen sowie die Offenheit gegenüber neuen Technologien entscheidend.
Auch die Maklerinnen und Makler erleben eine neue Realität, wie Mario Zoidl, Berufsgruppensprecher der Makler, bei der Podiumsdiskussion ausführte. Er ortete Veränderungen durch das am 1. Juli 2023 eingeführte Bestellerprinzip, eine stärkere Verlagerung auf den Mietwohnungsmarkt und steigende Anforderungen an Beratung und Aufbereitung von Unterlagen. Gleichzeitig würden digitale Tools und Künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten bieten. Trotz zunehmender Digitalisierung bleibe der persönliche Faktor in der Beratung wesentlich. Auch Themen wie Energieeffizienz und veränderte Nachfrage spielten eine immer größere Rolle.
Herausforderung Bauträgerfinanzierung
Für Bauträger ist der Wandel bereits seit längerem spürbar. Berufsgruppensprecher Hans Jörg Ulreich verwies auf die Hürden in Form von unterschiedlichen Bauordnungen und Flächenwidmungen in den Bundesländern sowie auf schwierige Rahmenbedingungen bei der Finanzierung gewerblicher Wohnbauprojekte. Parallel steigen laut dem Berufsgruppensprecher die Anforderungen an Wohnraum, insbesondere bei Energieeffizienz und Sanierung.
Die zweite Podiumsdiskussion drehte sich um „Politik versus Wirtschaft: Perspektiven für die Zukunft“. Dieses heiße Eisen griffen Norbert Sieber (Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Wohnen und Bauten, ÖVP-Klub), Manfred Haimbuchner (Landeshauptmann-Stellvertreter Oberösterreich, FPÖ), Gerald Hommer (Geschäftsführer von Arev Immobilien), Florian Kammerstätter (Geschäftsführer von Consulting Company Immobilien), Alexander Bosak (Geschäftsführer der Exploreal GmbH) und – last, but not least – Fachverbandsobmann Oberndorfer an.
Ein spezieller Höhepunkt war der Kaiserabend in den Stallungen der Kaiservilla, wo die Gäste den 2. Juni 2026 ausklingen ließen. In stilvollem Ambiente, mit Flying Dinner und Stimmungsmusik von der Gruppe Die Gasteiner stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt.
Zweiter Kongresstag: Wirtschaft, KI und Ausblick
Am Mittwoch, dem 3. Juni 2026, wurde der 51. Bundesimmobilientag mit weiteren zukunftsrelevanten Themen fortgesetzt. Christoph Badelt, seines Zeichens Professor für Wirtschafts- und Sozialpolitik an der WU Wien, beleuchtete die Zukunft der Wirtschaft und Staatsfinanzen in Österreich. Er zeigte auf, welche Entwicklungen für den Standort, die Wirtschaft und Immobilienbranche von Bedeutung sind. Anna Kofler widmete sich anschließend der Künstlichen Intelligenz. Die Geschäftsführerin von Dreicraft machte sichtbar, welche neuen Möglichkeiten digitale Technologien der Immobilienbranche eröffnen können. Den inhaltlichen Abschluss setzte der Neurobiologe Bernd Hufnagl mit seinem Vortrag „Vom Müssen zum Wollen“, über Motivation, Stress sowie gesunde Leistungsfähigkeit.
„Wir freuen uns sehr, dass der Bundesimmobilientag in Bad Ischl so großen Zuspruch gefunden hat. Mehr als 300 Gäste, ein starkes Programm und viele persönliche Begegnungen zeigten, welchen Stellenwert dieses Branchentreffen für die Immobilienwirtschaft hat. Bad Ischl war dafür der ideale Rahmen, und wir blicken auf sehr erfolgreiche Veranstaltungstage zurück“, sagte Mario Zoidl, Fachgruppenobmann der Immobilien und Vermögenstreuhänder der WKO Oberösterreich.
Übergabe des Staffelholzes an Salzburg
Zum Abschluss wurde der Blick auf das kommende Jahr gerichtet: Nach Bad Ischl führt der Bundesimmobilientag 2007 die Teilnehmenden nach Salzburg. Fachverbandsobmann Oberndorfer freute sich, als Salzburger Fachgruppenobmann Gastgeber des nächstens Branchentreffs zu sein: „Der Bundesimmobilientag zeigte, wie wertvoll der persönliche Austausch innerhalb unserer Branche ist. Ich danke den Gastgebern in Oberösterreich für diese gelungene Veranstaltung und freue mich, die rot-weiß-rote Immobilienwirtschaft am 10. und 11. Juni 2027 in Salzburg zu begrüßen.“ Man darf gespannt sein, welches Motto nach „The Next Normal“ die Branche dann umtreiben wird. ■

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Der 52. Bundesimmobilientag
findet am 10. und 11. Juni 2027
in Salzburg statt. Informationen folgen auf der Homepage
www.bundesimmobilientag.at.