OIZ: Herr Pisecky, Sie übernahmen die Funktion des Fachgruppenobmanns 2012. Wie war der Wiener Immobilienmarkt damals aufgestellt?

MICHAEL PISECKY: Zuversichtlich und hoffnungsfroh. Schließlich lag die Finanzkrise 2008/2009 hinter uns. Ab 2010 ging es kontinuierlich bergauf, die Immobilienwirtschaft etablierte sich als wesentliche Stütze der österreichischen Ökonomie. Alle drei Berufsgruppen, also Immobilienmakler, -verwalter und gewerbliche Bauträger, konnten sich 2012 in Wien über gute Geschäfte freuen. Die Eurokrise, die zu dieser Zeit vorherrschte, führte zu Geldmengenwachstum, und die Niedrigzinsphase begann. Immobilien wurden händeringend als Anlage gesucht, das Gebaute wurde rasch verkauft, und es wurde schnell wieder neu gebaut. Dieser Boom dauerte bis Mitte 2022, als dann Krieg in Europa, Energiekostensteigerung und Inflation und die EZB mit den Zinssteigerungen gegensteuernd den Markt in wenigen Monaten total umkrempelte. In Österreich wurde darüber hinaus die KIM-Verordnung schlagend, zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt, das heißt drei Jahre zu spät. Seither dümpelt der Markt dahin.

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Frau Fürntrath, Sie übernehmen die Funktion also in turbulenten Zeiten.

NICOLE FÜRNTRATH: Ja, durchaus. Aber man muss das positiv sehen. Wer in krisenhafter Zeit startet, hat viel Raum, etwas zu bewegen. Mir fällt positiv auf, dass die gesamte Branche wieder stärker zusammenrückt. Davor machten Makler, Verwalter und Bauträger jeweils ihr Ding. Jetzt arbeiten wir gemeinsam an Lösungen. Diesen Geist spiegelt auch der neue Vorstand der Fachgruppe Wien wider: Gemeinsam mit Philipp Sulek und Dieter Mackerle, der auf Christian Hrdliczka folgt, darf ich dieses Team nun anführen.

Welche Themen prägten Ihre Funktionsperiode, Herr Pisecky?

PISECKY: In der Fachgruppenarbeit gab es für mich drei Schwerpunkte: Interessenvertretung, Imagearbeit mit dem Fokus auf KMUs und Service für die Mitglieder. Punkto Interessenvertretung war die Kooperation mit der Plattform Pro Bauen & Sanieren essenziell. Bei der Imagearbeit ging es unter anderem um IMMY.at, Social Media, die laufende Pressearbeit, den IMMY-Award und den Ausbau der Immobilien Card. Bezüglich KMUs war es immer wesentlich, ihnen Information, Kommunikation und Service anzubieten. Ein Beispiel sind unsere Mietvertragsformulare. Gerade kleinere Verwaltungen bekommen mit ihnen ein Werkzeug in die Hand, dank dem sie nicht mit jedem Mietvertrag zu einem Rechtsanwalt müssen.

Welche Relevanz hatten die Funktionäre und die Geschäftsstelle?

PISECKY: Die Funktionäre sowie das Team in der Geschäftsstelle zogen voll mit. Mein besonderer Dank gilt den Geschäftsführern Rudi North und Marie-Sophie Lamezan-Salins und ihrem Team. Wir arbeiteten in der Interessenvertretung pragmatisch und lösungsorientiert und stimmten uns immer interfraktionell ab. Die Anliegen der Branche standen stets im Mittelpunkt. Ein wichtiger Teil meiner Tätigkeit war es zuletzt auch, meine Nachfolge zu finden und die Übergabe vorzubereiten. Nicole und ich traten gemeinsam zur Wahl an, und zwar mit der klaren Botschaft, dass die Übergabe in dieser Periode erfolgen soll.

FÜRNTRATH: Genau. Wir sind diesen Weg von der Wahlvorbereitung an gemeinsam gegangen, und ich konnte viel von Michael lernen. Durch den Wechsel bleiben uns jetzt noch zwei Drittel der Zeit, um Neues anzustoßen und Strukturen nachhaltig zu verankern.

Wie stießen Sie eigentlich zur Fachgruppe Wien, Frau Fürntrath?

FÜRNTRATH: Eher zufällig. Ich nahm im Juni 2023 an einer Studienreise der Fachgruppe nach Valencia teil. Dort dürfte ich auf mich aufmerksam gemacht haben. Denn im Anschluss daran suchten Michael und Rudi North sehr schnell das Gespräch mit mir und fragten mich schließlich, ob ich mitarbeiten möchte. Ich ließ mir mit meiner Antwort Zeit, weil ich die Kammerorganisation zunächst kennenlernen musste und auch mein familiäres und berufliches Umfeld so vorbereiten musste, dass ich über die notwendigen zeitlichen Ressourcen verfüge. Denn wenn ich etwas mache, dann will ich es ordentlich machen. Schließlich sagte ich zu. Kaum zu glauben, dass das erst drei Jahre zurückliegt (lacht).

Was bedeutet die Funktionsübergabe für die Fachgruppe?

FÜRNTRATH: Das Entscheidende ist, dass wir dieselben Ziele verfolgen. Michael machte 14 Jahre lang einen großartigen Job. Darauf kann man aufbauen. Jedoch wandelte sich mit der Zeit teilweise der Zugang zu Themen und zur Kommunikation mit den Mitgliedern. Als Immobilienverwalterin landen täglich viele rechtliche Themen auf meinem Schreibtisch – vom MieWeG bis zur Wiener Bauordnung. Das Berufsbild des Verwalters veränderte sich in den vergangenen 15 Jahren dramatisch. Deshalb ist es unerlässlich, dass diese Berufsgruppe in der Fachgruppenarbeit entsprechend vertreten ist.

PISECKY: Tatsächlich hatten und haben in den Fachgruppen der anderen Bundesländer überwiegend Verwalter die Obmannschaft inne. Insofern bildete ich als Makler eher eine Ausnahme. Dank Karl Wiesflecker und Nicole war das aber gut lösbar. Bei der Suche nach meiner Nachfolge war für mich klar, dass jemand aus der Verwaltung sinnvoll ist.

Welche Schwerpunkte werden Sie setzen, Frau Fürntrath?

FÜRNTRATH: Wie schon erwähnt, wird es kein „Alles über Bord werfen und alles neu machen“ geben. Es wird vielmehr ein Fortführen sein. Der Fokus liegt für mich auf dem Verbindenden und darauf, dieses nach außen sichtbar zu machen. Ein Beispiel ist der IMMY-Award, den wir 2027 wieder berufsgruppenübergreifend verleihen wollen. Daneben konzentrieren wir uns auf die inhaltliche Arbeit. Unsere Veranstaltungen sollen den Mitgliedern konkrete Möglichkeiten bieten, bei aktuellen Themen am Ball zu bleiben. Zu diesem Zweck riefen wir im vergangenen April das WKW Real Estate Breakfast ins Leben. Vor allem für Mitarbeiter kleiner Verwaltungskanzleien ist es ansonsten schwierig, teure externe Seminare zu belegen. Ein weiterer Schwerpunkt wird die Bildung sein, zum Beispiel unsere Kooperation mit der Vienna Business School. Auch den Bereich Social Media, in dem sich bereits einiges tut, wollen wir intensivieren.

PISECKY: Man sieht hier schon die Handschrift von Nicole und von Geschäftsführerin Marie-Sophie Lamezan-Salins. Es ist eine gut vorbereitete Übergabe. Alles Gute!