Der Hitzesommer 2026 hat die Debatte um den Sanierungsrückstand im großvolumigen Wohnbau neu entfacht. Unsere Umfrage macht deutlich: Die Branche hält das Thema für dringend, kennt die Ursachen genau und hat klare Vorstellungen, was sich ändern muss. Die Botschaft an die Politik ist eindeutig.
79 Prozent der Teilnehmer*innen stufen die Sanierung des großvolumigen Wohnbaus als enorm oder eher relevant ein, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen. Nur 14 Prozent halten das Thema für wenig relevant, sieben Prozent für überhaupt nicht relevant. Die Grundstimmung in der Branche ist klar: Der Sanierungsstau ist kein Randproblem, sondern eine der zentralen Herausforderungen des österreichischen Immobilienmarkts.
Wirtschaftlichkeit als größte Hürde
Bei der Frage nach den Ursachen für den Stillstand konnten die Teilnehmer*innen mehrere Antworten wählen. Das Ergebnis ist auch hier eindeutig: Fehlende Wirtschaftlichkeit und schwierige Finanzierung werden am häufigsten genannt, dicht gefolgt von fehlenden Anreizen für Eigentümer und Investoren sowie unklaren oder unzureichenden rechtlichen Rahmenbedingungen. Zu geringe beziehungsweise schwer zugängliche Förderungen runden das Bild ab. Was sich aus diesen Nennungen ablesen lässt: Es ist kein einzelnes Versagen, das die Sanierung blockiert, sondern ein systemisches Zusammenspiel aus Wirtschaftlichkeitsproblemen, Rechtsunsicherheit und fehlenden Anreizstrukturen.
65 Prozent für Gleichstellung mit dem Neubau
Eine der zentralen rechtspolitischen Fragen unserer Umfrage lautete, ob Generalsanierungen im Mietrecht mit dem Neubau gleichgestellt werden sollen. 65 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, 20 Prozent können es nicht beurteilen, nur 13 Prozent lehnen dies ab. Das signalisiert, dass die Branche bereit ist, in den Bestand zu investieren, wenn die mietrechtlichen Rahmenbedingungen dies wirtschaftlich ermöglichen. Das aktuelle Regierungsprogramm sieht entsprechende Änderungen im Mietrechts- und Wohnungseigentumsgesetz ausdrücklich vor. Entscheidend wird sein, wie rasch diese Vorhaben in konkrete Regelungen übersetzt werden.
Was die Branche vorschlägt
Wir wollten von den Befragten wissen, welche Maßnahmen sie für am effektivsten halten, um den Sanierungsstau abzubauen und gleichzeitig den Hitzeschutz zu verbessern. Die Antworten sind vielfältig, aber in ihrer Kernbotschaft konsistent: Es braucht eine Kombination aus Mietrechtsreform, steuerlichen Anreizen und praxistauglichen Förderungen.
Die Forderung nach einer MRG-Novelle zieht sich wie ein roter Faden durch die offenen Antworten. Mehrere Teilnehmer*innen verlangen die Gleichstellung umfassend sanierter Gebäude mit Neubauten sowie eine Freigabe der Mietzinsobergrenzen im Altbau. Ein Leser bringt die Grundproblematik auf den Punkt: „Bei einer Sanierung liegen die Kosten beim Vermieter und der Nutzen beim Mieter. Das lässt sich so nicht finanzieren.“ Ein anderer Teilnehmer fordert: „Gleichstellung der Generalsanierung mit dem Neubau im MRG, das schafft endlich Anreize für Eigentümer und Investoren.“
Bei den steuerlichen Maßnahmen dominiert der Wunsch nach beschleunigter Abschreibung. Mehrere Teilnehmer*innen sprechen sich für Abschreibungszeiträume von zehn bis 20 Jahren mit degressiven Modellen aus. Ein Umfrageteilnehmer fasst den Vorteil zusammen: Das schaffe sichere Planbarkeit, ohne aufwendige Förderansuchen und Wartezeiten. Bei den Förderungen herrscht ein gewisses Spannungsfeld: Viele wünschen sich mehr und leichter zugängliche Mittel, andere plädieren dafür, große Investitionen lieber über steuerliche Instrumente anzureizen. Technisch werden vor allem Außenbeschattung, Fassaden- und Dachbegrünung sowie der Umstieg auf Wärmepumpen genannt.
Der Sanierungsstau im großvolumigen Wohnbau ist kein technisches, sondern ein regulatorisches und fiskalisches Problem. Die Branche ist bereit zu investieren, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Drei Hebel sind entscheidend: eine praxistaugliche Mietrechtsreform, steuerliche Anreize mit langen Planungshorizonten und Förderungen, die ohne überbordende Bürokratie abrufbar sind. Solange diese fehlen, wird auch der nächste Hitzesommer an einem weitgehend unsanierten Wohnungsbestand vorüberziehen.
