Wenn rund 65 junge Menschen aus allen Bundesländern mit Koffern, Neugier und teilweise noch recht unterschiedlichen Vorstellungen von der Immobilienbranche in Tamsweg ankommen, weiß man: Die nächsten vier Tage werden nicht langweilig.
Zum 14. Mal fand heuer die Bundeslehrlingstagung für Immobilienkaufleute an der Landesberufsschule Tamsweg statt. Gemeinsam mit Direktor Johann Grall und seinem Team versuchten wir wieder, den Lehrlingen ein Programm zu bieten, das mehr als zusätzlicher Unterricht ist. Denn Ausbildung bedeutet für mich nicht nur, Fachbegriffe und gesetzliche Bestimmungen zu lernen. Es geht auch darum, zu verstehen, wie vielfältig unsere Branche ist und welche Möglichkeiten sie jungen Menschen bietet.
Vortrag über Verhältnis zwischen Immobilientreuhändern und Justiz
Entsprechend abwechslungsreich war das Programm. Wir beschäftigten uns mit aktuellen Entwicklungen am österreichischen Immobilienmarkt, sprachen über die Aufgaben der Hausverwaltung und spürten der Frage nach, wie aus einer ersten Idee überhaupt ein konkretes Bauvorhaben entsteht. Besonders spannend war der Vortrag von Andrej Grieb, seines Zeichens Richter am Landesgericht für Zivilrechtssachen Wien, über das Verhältnis zwischen Immobilientreuhändern und Justiz. Themen also, mit denen die jungen Kolleginnen und Kollegen früher oder später auch in ihrem Berufsalltag konfrontiert sein werden.
Mir war es aber genauso wichtig, dass die Lehrlinge zwischendurch aus dem Vortragsraum hinauskommen. Immobilienwirtschaft findet schließlich nicht nur auf dem Papier statt. Deshalb führte uns eine Exkursion in den Unesco-Biosphärenpark Lungau. Dort konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erleben, wie Naturraum, regionale Entwicklung und wirtschaftliche Interessen in einer Region zusammenspielen. Gerade für junge Menschen aus anderen Teilen Österreichs ist es spannend zu sehen, wie unterschiedlich die Rahmenbedingungen für Wirtschaft und Immobilien sein können.
Am nächsten Tag ging es nach Obertauern. Wir besuchten das Hotel Steiner und anschließend das Sportzentrum Obertauern. Dabei wurde sehr anschaulich, wie vielfältig Immobilienwirtschaft sein kann; vom klassischen Wohnobjekt bis zum Hotel- und Tourismusbetrieb und zu komplexen Sport- und Freizeitanlagen.
langjährige Kontakte entstehen
Und natürlich darf bei einer solchen Veranstaltung eines nicht fehlen, nämlich das gemeinsame Miteinander. Bei Kamingesprächen und den Abendveranstaltungen wurde viel diskutiert, gelacht und erzählt. Und genau diese Momente sind für mich ein wesentlicher Teil der Bundeslehrlingstagung. Ein Lehrling aus Vorarlberg sitzt plötzlich neben einer Kollegin aus Wien, jemand aus Kärnten tauscht sich mit einem Teilnehmer aus Salzburg aus – und innerhalb weniger Tage entstehen Kontakte, die vielleicht noch viele Jahre bestehen bleiben. Das ist für mich einer der größten Werte dieser Veranstaltung.
Wir sprechen in der Immobilienwirtschaft oft über Fachkräftemangel und darüber, wie schwierig es ist, gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden. Gleichzeitig dürfen wir nicht vergessen, dass wir selbst etwas dafür tun können, junge Menschen für unsere Branche zu begeistern. Die Bundeslehrlingstagung ist genau dafür gedacht.
Wir wollen unseren Lehrlingen zeigen, dass Immobilienwirtschaft weit mehr als Verträge, Quadratmeter und Zahlen ist. Dahinter stehen Menschen, Unternehmen, Gebäude, Städte und Gemeinden und eine Branche, die unglaublich viele unterschiedliche berufliche Möglichkeiten bietet.
„Blick in die Zukunft“
Für mich persönlich sind diese vier Tage daher jedes Jahr auch eine Art „Blick in die Zukunft“. Wenn ich sehe, mit wie viel Interesse und Offenheit die jungen Menschen an die Themen herangehen, bin ich überzeugt, dass unsere Branche auf einen engagierten Nachwuchs bauen kann. Natürlich haben wir als Fachverband noch viel zu tun, um die Ausbildung weiterzuentwickeln und die Immobilienwirtschaft für junge Menschen attraktiv zu halten. Aber Veranstaltungen wie diese zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Und vielleicht ist das auch das schönste Kompliment für die Bundeslehrlingstagung: Wenn am letzten Tag die Koffer wieder gepackt werden und die Lehrlinge nach Hause fahren, ist die Stimmung nicht die einer zu Ende gegangenen Schulveranstaltung. Es ist eher das Gefühl: Wir sehen uns wieder.
Genau das wünsche ich mir für unsere Branche, sprich junge Menschen, die gern Teil der Immobilienwirtschaft sind, sich untereinander vernetzen und irgendwann selbst Verantwortung übernehmen. Denn eines ist sicher: Die Zukunft unserer Branche sitzt nicht irgendwo weit weg. Sie war in dieser Woche in Tamsweg. ■
