Das Geschäft mit dem Wohnen“, die Titelgeschichte in der aktuellen Ausgabe von „AK für Dich“, einer Zeitung, die an jeden Arbeitnehmer österreichweit verschickt wird, hat alles andere als eine seriöse Interessenvertretung im Sinn. Sie schlägt in eine Kerbe, die Unternehmen aus untergriffigen politischen Debatten zwar in Grundzügen gewohnt sind, aber einer gesetzlichen Interessenvertretung alles andere als würdig ist. Von der ersten Zeile an setzt der Bericht auf Anklage, Zuspitzung und Feindbildaufbau gegen eine Branche, die mehr als zwei Drittel des österreichischen Wohnbaus abdeckt. Allein der Einstieg mit „schimmeligen Wänden, überhöhten Mieten und befristeten Verträgen“ erweckt den Eindruck einer Norm solcher Zustände auf dem privaten Wohnungsmarkt und rückt Immobilienunternehmen als moralisch verdächtige Gegner in ein düsteres Licht.
Keine Frage. Kritik an Missständen ist mehr als legitim. Und die Probleme am Wohnungsmarkt sind an allen Fronten und in allen Sektoren, kommunal, gemeinnützig und gewerblich, mehr als besorgniserregend.
Doch statt echter Problemerörterung wird hier kampagnisiert – ausschließlich gegen Unternehmen. In dem Artikel ist von „Immobilienhaien“ die Rede; rechtswidrig überhöhte Mieten werden sogar mit „anderen Diebstählen“ verglichen, und es wird eine ideologisch aufgeladene Sprache verwendet, dass es einem beim Lesen weh tut.
Das ist keine sachliche Analyse. Wer so schreibt, baut Gegnerschaft auf, statt Lösungen „im Interesse“ zu suchen. Es kann nicht Aufgabe der AK sein, Dienstgeber, Unternehmer und Vermieter in einem Mitgliedermagazin kampagnenhaft zu denunzieren. An Unternehmen hängen nicht nur Eigentümerinteressen, sondern auch Arbeitsplätze, Zulieferer, Investitionen sowie Existenzen. Viele Leser dieser Zeitschrift arbeiten gern und erfolgreich in genau jenen Unternehmen, die hier indirekt als „Diebe“ dargestellt werden. Die radikale Rhetorik kommt nicht von ungefähr. Die Verfasserin ist jahrzehntelang für die am linken Außenrand angesiedelte Plattform „Linkswende jetzt!“ publizistisch tätig, die sich als Ort für „revolutionäre Politik in Krisenzeiten“ und als „revolutionäre Organisation“ mit Rubriken wie „Klassenkampf“ online präsentiert. Das macht den AK-Artikel der Verfasserin natürlich nicht automatisch falsch, lässt aber den Schluss zu, warum der Text wie ein aktivistischer Beitrag wirkt, der gesellschaftliche Konflikte zuspitzt.
Gerade in einem – auch über die ausbezahlten Gehälter unserer Immobilientreuhänderunternehmen – mit Pflichtbeiträgen finanzierten Magazin über eines der wichtigsten Anliegen der österreichischen Bevölkerung und Wirtschaft – nämlich Wohnen – ist wohl Distanz, Fairness und Sachlichkeit wichtig.
So wird zum Beispiel die nicht vorhandene soziale Treffsicherheit des gemeinnützigen und kommunalen Wohnbaus deutlich offengelegt. Eine Protagonistin, die laut dem Text „gut verdiente“, erhält am Ende eine Gemeindewohnung (!) in ihrem „Wunschbezirk“. Auch gutverdienende AK-Referenten profitieren von günstigen gemeinnützigen Wohnungen, während mehr als die Hälfte der Ärmsten in Österreich privat und damit für sie zu teuer mieten müssen.
Sogar die OSZE kritisiert, dass achtzig Prozent der Österreicher Zugang zu sozialem Wohnraum haben, was es für wirklich Bedürftige natürlich schwer macht. Darüber müsste eine ehrliche Debatte geführt werden, wenn man leistbaren, zeitgemäßen Wohnraum, leistbaren Wohnbau und Sanierungen will. Der Konsumentenschützer Nummer eins hingegen konzentriert sich lieber auf Polarisierung. Dass in Wien gut 26.000 Gemeindewohnungen etwa immer noch ohne Heizung durchkommen müssen, wird genauso unter den Tisch gekehrt wie die wohlstandsgenährten Interessenvertreter-Referenten, die neben festen, gesicherten Jobs aus öffentlichen Geldern auch noch von billigsten Genossenschaftswohnungen in guten Lagen nutznießen.
Am Ende bleibt ein ernüchternder Befund: Die AK agiert nicht als Arbeitnehmer- und Konsumentenschutzorganisation, sondern als publizistischer Kampagnenapparat, der Feindbilder bedient und echte Missstände überdeckt. Österreich braucht aber eine faire, interessenausgleichende Diskussion und Vertreter, die den Arbeitnehmern und Konsumenten gerecht werden, statt sie für Eigenpolitpropaganda zu nutzen. Arbeitnehmer haben ein Recht auf faire statt politisch und populistisch eingefärbte und damit manipulative Information. Und wir auf einen sachlichen Diskurs. So kommen wir jedenfalls nicht zusammen und damit nicht voran.
Ihr Hans Jörg Ulreich