Derzeit übertrumpfen sich neue KI-Anwendungen am laufenden Band. Wichtig daher: ein generelles Verständnis dieser Technik zu erlangen und beständig mitzuwachsen – auch als Immobilienprofis. Die Grundlage für den Einsatz der KI in der Immobilienwirtschaft schuf die Digitalisierung der Branche, sagt Daniel Bednarzek, Leiter des Studiengangs Nachhaltiges Immobilienmanagement und Wissenschaftlicher Leiter MBA Programm Real Estate Management der FH Kärnten: „Erst durch digital verfügbare Daten etwa zu Gebäuden, Märkten, Grundstücken oder Energieverbräuchen entstehen jene Datenräume, in denen KI-Anwendungen überhaupt möglich werden. Auf dieser Basis entwickeln sich KI-Anwendungen derzeit exponentiell. Wir sehen darin enormes Potenzial für die Immobilienwirtschaft.“

Jetzt gilt es, den Anschluss nicht zu verpassen, denn: KI-Kompetenz ist nicht mehr bloß ein ­Nice-to-have. Um Kompetenz zu erwerben, bietet etwa das Wifi Wien den Spezialkurs „KI-Recht für Immobilientreuhänder“ als Ergänzung zu einer fachlichen Ausbildung. Anhand anschaulicher Beispiele, Fallstudien, Tools und aktueller Anwendungsfällen wird gezeigt, welche Chancen und Herausforderungen der Einsatz von KI mit sich bringt, etwa bei Bewertungen, automatisierten Verträgen oder der Kommunikation mit den Kunden. Zudem gibt es einen Überblick über zentrale rechtliche Fragestellungen rund um Datenschutz, Urheberrecht, Haftung sowie die neue EU-KI-Verordnung, kurz AI Act.

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Diverse Seminare

Auch der Österreichische Verband der Immobilienwirtschaft (ÖVI) analysierte letztes Jahr in einer ersten Reihe von Spezialseminaren und bei Kongressen für alle Berufsgruppen den Einsatz von ChatGPT und Co. KI-Experte Lothar Lackner zeigte beispielsweise Verwaltern und Sachverständigen in Workshops, wie sie generative künstliche Intelligenz optimal für ihre persönlichen Arbeitsabläufe nutzen können. „Derzeit arbeiten wir am nächsten Step. Die Grundlagen sind für viele bekannt. Jetzt geht es darum, zuverlässige Tools zu entwickeln“, sagt ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel und gibt einen Ausblick auf den Herbst: „Am 23. Oktober wird es ein ganztägiges Immobilienbewertungs-Symposium in Wien geben, das sich nur dem Thema KI und Immobilienbewertung widmet.“

Die IREBS Immobilienakademie bietet mit dem Fachseminar „KI in der Immobilienwirtschaft“ ebenso ein maßgeschneidertes Weiterbildungsprogramm an. Das heuer zwei Mal stattfindende Seminar bricht die oft abstrakte Thematik auf eine praxisnahe Ebene herunter. Es geht um das Verständnis der technologischen Grundlagen sowie die konkrete Anwendung im Arbeitsalltag. So lernen die Teilnehmer, wie sie aus vorhandenen Datenquellen wertvolle Marktanalysen und Strategien ableiten können. Zentraler Bestandteil ist das „KI-Toolkit“, das speziell auf die Bedürfnisse der Immobilienbranche zugeschnitten ist.

Mann in schwarzem Pullover
Daniel Bednarzek, Studiengangsleitung Nachhaltiges Immobilienmanagement und Wissenschaftliche Leitung MBA Programm Real Estate Management der FH Kärnten: „Unser Ziel ist es, Studierende darauf vorzubereiten, KI als strategisches Werkzeug der Immobilienwirtschaft zu verstehen und verantwortungsvoll einzusetzen, ohne dabei die grundlegenden Kompetenzen der Branche – Marktverständnis, Finanzierung, Planung und Recht – aus den Augen zu verlieren.“ © FH Kärnten

Dabei setzt die IREBS auf ein hybrides Format. Online werden die theoretischen Fundamente gelegt – von der Auswahl der passenden Tools für spezifische Prozesse bis hin zur professionellen Erstellung von Prompts, im Live-Workshop werden Case Studies und Gruppenarbeiten absolviert, um den Transfer in die eigene Geschäftspraxis sicherzustellen. Das Ziel ist es, die Absolventen zu befähigen, KI als integralen Bestandteil einer nachhaltigen Prozessoptimierung zu nutzen. „Mitarbeiter müssen Angebote generativer KI bei der Arbeit nutzen können. Dies betrifft zum Beispiel das Erstellen von Exposés oder eigenen Cashflow-Modellen“, betont Tobias Just, Geschäftsführer und Wissenschaftlicher Leiter der IREBS Immobilienakademie. In dem in Wien angebotenen Real-­Estate-Asset-Management-Studium lernen die Teilnehmer ebenso KI-Fertigkeiten, wobei es dabei mehr um das Nutzen bestehender Systeme als um den Aufbau einer eigenen Lösung geht.

KI als Thema von Masterarbeiten

„Wir beobachten, dass immer mehr Studierende bereits Kompetenzen im Umgang mit KI-Anwendungen mitbringen und diese aktiv im Studium nutzen, etwa für Themenfindungen, Lektorat, empirische Auswertungen, für die Visualisierung von Umfragen oder zur Erstellung relevanter Analysen“, berichtet Sebastian Nessel, Leiter des MBA-Lehrgangs Immobilienmanagement der Hochschule Burgenland Weiterbildung. KI ist mittlerweile ein beliebtes Thema von Masterarbeiten. Ebenso kommt sie als Hilfsmittel bei der Erstellung und Auswertung von Markt-, Portfolio- oder Standortanalysen zum Einsatz.

An der FH Kärnten fließen KI-Inhalte in den Vortragsstoff von Lehrveranstaltungen zum Thema Facility-Management oder Building Information Modeling ein. Studierende lernen unter anderem, wie die KI bei Marktanalysen, Immobilienbewertungen, Projektentwicklungen oder ESG- und CO₂-Analysen von Gebäuden eingesetzt werden kann. Ein wichtiger Bestandteil ist dabei die interdisziplinäre Zusammenarbeit innerhalb der Hochschule. So werden Masterarbeiten aus der Fakultät Bau, die sich mit der Verbindung von Immobilienwirtschaft und KI-Anwendungen beschäftigen, gemeinsam mit dem Studiengangsleiter für Applied Data Science und Experten für KI betreut.

Bednarzek: „Wir sehen darin nicht nur ein wichtiges Zukunftsthema für die Ausbildung, sondern auch ein großes Innovationspotenzial für Forschung und Unternehmensgründungen. Gerade an der Schnittstelle von Immobilienwirtschaft, Digitalisierung und Nachhaltigkeit entstehen derzeit viele neue Ideen, die langfristig auch zu Proptech-Start-ups führen können.“ ■