OIZ: Vorweg: Zahlt sich der Einsatz von KI für ein EPU überhaupt aus?

ANNA KOFLER: Ja, gerade für Einzelunternehmerinnen und -unternehmer, die alle Aufgaben allein erledigen und nur begrenzt Ressourcen haben, kann künstliche Intelligenz, richtig eingesetzt, eine große Erleichterung bringen. Während mithilfe von KI für wenig Geld pro Monat repetitive Aufgabe verschiedenster Komplexitätsgrade schnell und effizient erledigt werden können, können Unternehmer ihre Leistungen verkaufen.

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Wobei kann die KI unterstützen?

Ob Administration, Marketing oder Projektmanagement – KI-Mitarbeitende, Assistenten oder Agenten übernehmen heute Arbeiten aus unterschiedlichsten Bereichen. Sie verfassen Exposés oder Posts und erstellen Bilder, übernehmen Anrufe und vereinbaren Termine, sofern die technologischen Rahmenbedingungen hierfür geschaffen werden. Sie können aber auch Häuser stagen. Ein Makler spart sich damit die Kosten für ein professionelles Home-Staging samt Fotografen. Er übermittelt dem KI-Assistenten oder -Agenten die Bilder der leeren Räume und gibt ihm den Auftrag, diese zu dekorieren. Außerdem können mithilfe von KI Marktrecherchen durchgeführt werden. Dafür füttert man sie mit dem gewünschten Ort, Immobiliendaten und -merkmalen und lässt sie dann eine Benchmark-Analyse erstellen. Die KI liefert innerhalb weniger Minuten ein übersicht­liches Analyse-Dashboard mit Kennzahlen inklusive Quellenangaben. Wichtig hierbei ist jedoch, sämtliche Ergebnisse fachlich zu prüfen, da KI halluzinieren und damit bei fehlender Prüfung auch Falschinformationen ausgeben kann. Statt wie früher alles Operative selbst zu machen, orches­triert der Einzelunternehmer heute die KI-Mitarbeitenden, die für ihn arbeiten.

Ganz ohne eigene Mitarbeit geht es aber nicht …

Auf keinen Fall. Das ist mir ganz wichtig zu betonen. Einerseits müssen die Aufgaben erteilt werden, andererseits muss jede von KI erledigte Aufgabe – insbesondere ermittelte Daten und generierte Texte – vom Menschen kontrolliert werden. Der Unternehmer schlüpft damit in eine neue Rolle. Er wird zum Manager seines digitalen Teams und braucht dafür auch entsprechende Führungskenntnisse. Tatsache ist, dass hybride Teams die Organisationsform der Zukunft sind, weshalb es empfehlenswert ist, sich mit dem Potenzial dieser neuen Technologie zu beschäftigen. Hinzu kommt, dass KI zum jetzigen Zeitpunkt einen Prozess nicht vollständig automatisieren kann. Aktuell liegt der Automatisierungsgrad bei siebzig bis achtzig Prozent. Der Mensch bleibt also aktiv im Arbeitsablauf eingebunden. Der Gedanke, durch KI sei alles nur einen Prompt entfernt, ist ein Trugschluss.

Die Fachexpertise wird also nach wie vor wichtig bleiben.

Sie wird in Zukunft sogar noch mehr zählen. Ich kann mich als Immobilientreuhänder dann auf das konzentrieren, was mich beziehungsweise meine Arbeit auszeichnet, und brauche mich nicht mit zeitfressenden Nebentätigkeiten aufhalten. Fachkenntnisse sind auch für die Auswertung der Inhalte, die die KI liefert, enorm wichtig. KI halluziniert oft dann, wenn sie nicht weiterweiß, das heißt, sie erfindet Informationen. Als Immobilientreuhänder muss ich die Ergebnisse daher auf ihre Richtigkeit prüfen und einordnen können. Nichts darf eins zu eins übernommen werden. Ein Qualitätscheck vom Profi ist essenziell, Erfahrungswissen ist und bleibt daher wichtig.

Was sind die ersten Schritte, wenn man sich für ein KI-Team entscheidet?

Als Erstes muss der Unternehmer seine Arbeitsprozesse unter die Lupe nehmen. Dabei gilt es zu erforschen, welche Tätigkeiten eigentlich täglich anfallen, wie viel Zeit sie kosten und welche Aufgaben rein repetitiv sind. Im zweiten Schritt ist zu überlegen, wie all diese Prozesse effizienter gestaltet werden können. Oftmals können KI-Mitarbeitende oder auch einfache Automatisierungen ohne künstliche Intelligenz Abhilfe schaffen – nicht jede Automatisierung muss mit KI funktionieren. Manchmal reicht auch bereits einfache Digitalisierung. Die ersten Schritte kann ein Unternehmer allein gehen. Sobald KI ins Spiel kommt, ist es ratsam, einen Experten hinzuziehen. Es gibt viele unterschiedliche Modelle, und jedes Modell hat seine Stärken und Schwächen. Diese muss der Unternehmer kennen, damit er am Ende die Ergebnisse erhält, die er haben möchte. Aufgrund der schnellen Weiterentwicklung des Marktes ist es fast unmöglich, sich als Laie einen Überblick zu verschaffen und diesen auch zu behalten.

Wie kommt man dann konkret zu einem KI-Mitarbeitenden?

Entweder man entwickelt sich selbst einen Agenten, der die gewünschten Aufgaben erledigt, oder man greift auf fertige Angebote zurück. Mit Thynk­AI bietet mein Unternehmen zum Beispiel den ersten Personalverleih für KI-Mitarbeitende. Diese wurden für bestimmte Arbeiten wie Rechnungsverarbeitung, Bildproduktion und Texterstellung bereits vorgebrieft und sind somit nach einem kurzen Onboarding sofort einsetzbar. Den Service gibt es auf Abo-Basis. Man kauft sich Credits, die für bestimmte Tätigkeiten der digitalen Teamkollegen eingelöst werden. Die Kosten starten bei fünfzig Euro pro Monat für 25 Credits. Die Zeitersparnis wiegt die Kosten um ein Vielfaches auf, und ich kann – wie bereits erwähnt – dadurch mehr von meiner Dienstleistung verkaufen. Einen KI-Assistenten oder -Agenten basierend auf seinen Anforderungen selbst zu schulen kostet viel Zeit. Außerdem ist es in diesem Fall wichtig zu wissen, wie man richtig und effizient promptet oder Prompts durch KI erstellen lässt. Nützlich für Personen, die sich ihre eigenen Assistenten bauen möchten, ist die Plattform Langdock. Sie bietet verschiedene KI-Modelle der gängigen Firmen, sodass sich der Nutzer nicht auf zig Accounts registrieren muss. Der Vorteil eines fertigen und fachspezifischen Agenten ist, dass er bereits auf gängige Anfragen hin gepromptet ist. Für klassische Anwender ist das ein enormer Nutzen. ■