Der Winterdienst gehört zu jenen Facility-Management-Dienstleistungen, die für Immobilienbesitzer meist stante pede zu erfüllen sind. Vereiste oder beschneite Gehsteige, Stiegen und Zufahrten rufen schnell einzelne Hausbewohner auf den Plan. Verständlich, wenngleich eine Herausforderung für Schneeräumer. „Sobald die erste Schneeflocke fällt, wird eine sofortige Räumung erwartet“, schildert Katharina Rauschmeier, Geschäftsführerin der DVB Gebäudereinigung, und ergänzt: „Leider können sich meine Winterdienstteams nicht von Liegenschaft zu Liegenschaft beamen. Sie stehen im selben Verkehr wie alle anderen und starten ihre Einsätze bei beginnender Belagsbildung. Bis alle von uns betreuten Flächen geräumt und gestreut sind, braucht es daher Zeit.“

Die zunehmende Milde, aber auch Unberechenbarkeit des Winters sorgen hier keinesfalls für Erleichterung für die Dienstleister, sondern bringen mehr Herausforderungen mit sich. Weniger Schnee bedeutet nicht weniger Winterdienst. Für Facility-Management-Unternehmen heißt es: weniger klassische Räumung nach Plan, dafür mehr wetterabhängige Bereitschaft, Kontrolle und punktgenaues Eingreifen. Auch wenn es laut Georg Kaser, Klima- und Kyrosphärenforscher an der Universität Innsbruck, generell eindeutig eine Erwärmung gebe und diese sich auch durch wärmer und kürzer werdende Winter bemerkbar mache, seien Frost-, Eis- und Schneetage auch künftig nicht ausgeschlossen. Fakt ist, der Winter verschwindet nicht, er verändert sich nur. Genau darin liegt die zentrale Veränderung des Winterdienstes. Denn die Aufgabe wird stärker zu einem Risikomanagement in Echtzeit. „Ein milder Winter ist nicht automatisch auch ungefährlich. Neben Schneefall gibt es gefrierenden Regen. Überfrierende Nässe und schnelle Temperaturstürze können innerhalb kurzer Zeit spiegelglatte Flächen verursachen. Die letzte Saison zeigte uns das deutlich. Winterdienst ist daher nicht nur Schneeräumung, sondern vor allem ein Sicherheits- und Bereitschaftsdienst“, sagt Rauschmeier und ergänzt: „Langfristige Wettermodelle weisen bilden lediglich Tendenzen ab, eine verlässliche Vorhersage wird es kaum geben. Für unsere Planung sind kurzfristige Wetterwarnungen und laufende Kontrollen entscheidend.“

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Zu betreuende Flächen klar vereinbaren

Wetterwarnsysteme, digitale Routenplanung, Einsatzdokumentation sowie manchmal auch Fotodokumentationen würden zwar die Organisation erleichtern, doch der Winterdienst bleibe personalintensiv, betont Rauschmeier: „Geeignete Mitarbeiter sind nicht unbegrenzt verfügbar. Für einen funktionierenden Winterdienst braucht es geschulte, eingespielte Teams, klare Bereitschaftspläne und Reserven für außergewöhnliche Wetterlagen.“

Folglich ändert ein milderer Winter auch nichts am Honorar der Schneeräumer. „Der wesentliche Kostenfaktor ist die ständige Einsatzbereitschaft. Personal und Fahrzeuge müssen auch in einem schneearmen Winter zur Verfügung stehen“, verdeutlicht Rauschmeier, die neben klassischen Saisonpauschalen auch Kombinationsmodelle etwa eine Saisonpauschale für die Bereitschaft und zusätzliche Preise für Sonderleistungen bietet. Zusatzleistungen etwa für den Abtransport außergewöhnlicher Schneemengen oder zusätzliche Kontrollfahrten sollten klar geregelt werden, betont die Geschäftsführerin der DVB Gebäudereinigung: „Für mich sind transparente Verträge und eindeutig definierte Leistungen wichtig.“ Dazu gehört, die betreuten Flächen und Leistungen eindeutig zu vereinbaren. Rauschmeier: „Im Schadensfall sind genaue Einsatzaufzeichnungen wichtig. Ein Warnschild ersetzt keine ordnungsgemäße Betreuung.“ Die Dokumentation wird damit zu einem wesentlichen Bestandteil des Risikomanagements.

Stichwort Streumittel

Eine Klarstellung liefert diesbezüglich auch die WKO: Der Eigentümer könne seine Verpflichtungen an einen Hausbesorger, eine Hausverwaltung oder eben in weiterer Folge an einen Winterdienst übertragen. Die bloße Einräumung einer Dienstbarkeit an dem Gehweg reiche jedoch nicht aus, um sich als Eigentümer seiner Pflichten zu entledigen. Die Vereinbarung müsse die Übertragung der Räum- und Streupflicht zum Gegenstand haben.

Was den Einsatz von Streumitteln betrifft, so gilt laut Rauschmeier „nur so viel wie notwendig“. In Wien müssen ohnehin zusätzlich die Umweltvorschriften für Salz in der Nähe von Grünflächen beachtet werden. Für nachhaltigen Winterdienst zählt für die DVB-Gebäudereinigung-Chefin übrigens auch die rechtzeitige Entfernung von Streusplitt. ■

Katharina Rauschmeier, Geschäftsführerin der DVB Gebäudereinigung: „Langfristige Wettermodelle zeigen lediglich Tendenzen, aber eine verlässliche Vorhersage wird es kaum geben. Für unsere Planung sind kurzfristige Wetterwarnungen und laufende Kontrollen entscheidend.“