In unserer Umfrage bewerten 57 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Relevanz gestrandeter Wohnbauprojekte für die aktuelle Krise am Wohnimmobilienmarkt mit den beiden höchsten Werten auf einer fünfstufigen Skala. Nur 13 Prozent stufen das Problem als wenig bedeutsam ein. Noch deutlicher fällt das Urteil zur Finanzierungsseite aus: 74 Prozent der Befragten sehen in den restriktiven Bauträgerfinanzierungen einen sehr starken oder starken Grund dafür, dass Projekte stranden. Nur zwölf Prozent messen diesem Faktor geringe Bedeutung bei. Die Botschaft an Banken und Regulatoren ist unmissverständlich: Die Kreditbedingungen gelten in der Branche als zentraler Hemmschuh.

Branche fordert politische Taskforce

Ein markantes Ergebnis liefert die Frage nach politischer Intervention: 78 Prozent der Umfrageteilnehmenden sprechen sich für eine politische Taskforce aus, um gestrandete Projekte wieder in den Nutzungskreislauf zu bringen. Nur 22 Prozent lehnen dies ab. Dieses Ergebnis ist bemerkenswert: In einer Branche, die traditionell eher auf Marktmechanismen setzt als auf staatliche Eingriffe, ist die Zustimmung zu politischem Handeln überwältigend. Es zeigt, wie tief das Vertrauen in die Selbstheilungskräfte des Marktes erschüttert ist.

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Was die Branche fordert

Wir wollten von den Befragten wissen, welche Schritte sie für am wirksamsten halten. Die Antworten zeichnen ein klares Bild: Es geht vor allem um Finanzierung, Bürokratieabbau und Rechtssicherheit. Besonders häufig wurden Erleichterungen bei der Bauträgerfinanzierung sowie beim Zugang zu Krediten für Wohnungskäuferinnen und -käufer genannt. Ein Umfrageteilnehmer formuliert es so: „Es hängt alles an den Finanzierungen: Die Vorschriften und Zinsen sind in keiner Bauträgerkalkulation unterzubringen, und die Käuferfinanzierungen sind so überbordend, dass die 40 Prozent des Nettohaushaltseinkommens einfach nicht aufgehen.“ Dass diese Kreditklemme hausgemacht ist, betonen mehrere Stimmen. Ein Leser schreibt: „Wenn die Leute nichts mehr kaufen können aufgrund von Finanzierungsrichtlinien, dann kann der Bauträger auch nichts mehr verkaufen – und fertig ist die hausgemachte Krise.“

Ein weiterer Kritikpunkt ist die regulatorische Überfrachtung: Zu lange Behördenverfahren, inkonsistente Bauordnungen, mangelnde Planungssicherheit und ein als investorenfeindlich wahrgenommenes Mietrecht werden als Hindernisse genannt. Ein Teilnehmer warnt vor den Konsequenzen: „Mit einer künstlichen Verknappung des Angebots aufgrund wirtschaftlicher Unattraktivität der gesetzlichen Rahmenbedingungen wird man kein Angebot schaffen. In letzter Konsequenz wird der Staat wieder Plattenbauten errichten.“

Anhaltende Strukturkrise

Der Befund der Umfrage deckt sich mit dem, was Beobachterinnen und Beobachter der Branche seit Monaten beschreiben: Der österreichische Wohnbaumarkt steckt in einer Mehrfachkrise. Die drastischen Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank ab 2022 haben Projektkalkulationen pulverisiert, während die Kreditvergaberichtlinien der Finanzmarktaufsicht – insbesondere die sogenannte KIM-V – den Endkundenzugang zu Finanzierungen zusätzlich einschränkten. Gleichzeitig stiegen die Baukosten auf historische Höchstwerte. Das Ergebnis: Projekte, die vor drei oder vier Jahren begonnen wurden, sind heute wirtschaftlich vielfach nicht mehr darstellbar.

Der Ruf nach dem Staat

Gestrandete Wohnbauprojekte binden Kapital, blockieren Flächen und verschärfen den Wohnungsmangel. Dass eine klare Mehrheit der Branche trotz ihrer traditionellen Skepsis gegenüber staatlichen Eingriffen nun nach einer Taskforce ruft, ist ein Signal, das Politik und Regulatoren nicht ignorieren sollten. Die Kernforderungen sind konkret: Finanzierungszugang erleichtern, Bürokratie abbauen, Planungssicherheit schaffen. ■