Das Bürogebäude Francis im neunten Wiener Gemeindebezirk hat die höchste Auszeichnungsstufe im Zertifizierungssystem der Österreichischen Gesellschaft für Nachhaltige Immobilienwirtschaft (ÖGNI) erhalten. Die Verleihung des Platin-Zertifikats fand im Oktober statt. Bewertet wurden ökologische, ökonomische und soziale Aspekte des Projekts.
Für das Gebäude über dem Franz-Josefs-Bahnhof wurde ein ehemaliger Bank-Austria-Bürokomplex aus den 1970er-Jahren saniert und aufgestockt. Der ursprüngliche Entwurf stammt von Karl Schwanzer. Die Planung der Revitalisierung übernahm die Arbeitsgemeinschaft AQ-Arch, bestehend aus Delugan Meissl Associated Architects und Josef Weichenberger Architects.
Erhalt der Bausubstanz senkt Ressourcenbedarf
Laut einer in der Aussendung angeführten Studie von Werner Sobek wären bei einem Abriss und anschließenden Neubau rund 27.595 Tonnen CO₂ entstanden. Für die Umnutzung des Bestands weist die Studie rund 8.970 Tonnen aus. Daraus ergibt sich eine rechnerische Einsparung von rund 18.625 Tonnen beziehungsweise 67 Prozent.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen mussten durch den Bestandserhalt rund 122.480 Tonnen Beton und 10.944 Tonnen Stahl nicht neu hergestellt werden. Zudem seien rund 10.000 Lkw-Fahrten für den Abtransport von Abbruchmaterial vermieden worden. Der Erhalt der vorhandenen Stahlbetonstruktur habe auch die Belastung der Nachbarschaft durch Lärm und Staub gegenüber einem vollständigen Abbruch reduziert.
„In Zeiten knapper werdender Rohstoffe betrachten wir Stahl und Beton als graues Gold. Ihr dauerhafter Wert ermöglicht ein zweites Leben und damit einen maximalen Erhalt von Ressourcen. Bei francis haben wir uns deshalb bewusst für Sanierung und Aufstockung statt Abriss und Neubau entschieden“, erklärt Architekt Josef Weichenberger von Josef Weichenberger Architects zum Wiener Projekt.
Neue Wege und öffentliche Aufenthaltsflächen
Neben der baulichen Erneuerung sollte der zuvor stark nach innen orientierte Bürokomplex besser mit seiner Umgebung verbunden werden. Dafür wurden der Sockelbereich geöffnet, neue Durchwegungen geschaffen und öffentliche Aufenthaltsflächen ergänzt. Eine Plaza im Innenhof, Gastronomie mit Freiflächen, Terrassen und barrierefreie Zugänge sind Teil dieses Konzepts.
Francis bildet einen zentralen Bestandteil des rund 2,4 Hektar großen Althan Quartiers. Das Gebäude verbindet Büro- und Gewerbeflächen mit Gastronomie sowie Aufenthalts- und Veranstaltungsbereichen. Die Revitalisierung wurde am 30. September 2024 abgeschlossen; seit Oktober 2024 werden die Büroflächen vermietet.
