Die BWS Gemeinnützige allgemeine Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft (BWSG) erprobt die digitale Optimierung bestehender Heizungsanlagen gemeinsam mit dem Wiener Unternehmen Wohnio. Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner besichtigte Ende September eine der damit ausgestatteten Anlagen in der Kundratstraße 8–14 in Wien.

Die Wohnanlage umfasst 307 Wohnungen mit insgesamt rund 29.800 Quadratmetern Wohnfläche. Nach Angaben der Projektpartner konnte der Heizverbrauch durch die Optimierung um 21,2 Prozent reduziert werden. Das jährliche Einsparpotenzial wird mit rund 56.600 Euro beziffert. Davon entfallen rund 39.900 Euro auf einen geringeren Heizenergieverbrauch. Weitere rund 16.700 Euro sollen durch eine reduzierte Fernwärme-Anschlussleistung eingespart werden können. Die angegebene Amortisationszeit liegt bei weniger als einem Jahr.

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Digitale Steuerung bestehender Anlagen

Wohnio bildet bestehende Heizungsanlagen digital ab und wertet deren Betriebsdaten in Echtzeit aus. Die Heizungssteuerung wird auf Basis von Nutzungs- und Wetterdaten angepasst. Eine auf künstlicher Intelligenz (KI) basierende Überwachung soll zudem Abweichungen im Betrieb frühzeitig erkennen.

Ziel ist es, bestehende Anlagen effizienter zu betreiben, ohne sie vollständig auszutauschen. Neben Energieverbrauch und Heizkosten sollen dadurch auch CO₂-Emissionen und die benötigte Anschlussleistung sinken.

„Wir sehen in unseren Gebäuden sehr deutlich, dass die Technologie von Wohnio funktioniert. Die Ergebnisse sprechen für sich: Wir reduzieren den Energieverbrauch und senken die laufenden Kosten. Die datenbasierte Steuerung schafft zudem mehr Transparenz für die Hausverwaltung und hilft, Fehlfunktionen frühzeitig zu erkennen“, sagt Kerstin Robausch-Löffelmann, Vorständin der BWSG in Wien.

Roll-out auf weitere Gebäude geplant

Nach Angaben der BWSG wurden bislang sechs Gebäude mit der Technologie ausgestattet. Weitere Objekte sollen folgen. Laut den vorliegenden Projektergebnissen wurde der Heizverbrauch dabei durchschnittlich um 15 bis 30 Prozent reduziert. Die Amortisationszeit liege unter drei Jahren. Bei ausgewählten Gebäuden könne außerdem die Fernwärme-Anschlussleistung um rund 25 Prozent verringert werden.

„Unser Ansatz ist bewusst pragmatisch: Wir müssen nicht jedes Gebäude aufwendig umbauen, um Energie einzusparen. Wir holen aus der bestehenden Infrastruktur mehr heraus, indem wir sie datenbasiert und intelligent steuern“, sagt Kevin Bauer-Hentschke, Gründer und Geschäftsführer von Wohnio in Wien.

In der Heizperiode 2025/26 wurden laut Wohnio insgesamt 4.000 Wohnungen mit dem System optimiert. Das Unternehmen beziffert die dadurch eingesparten Heizkosten auf mehr als 600.000 Euro und die vermiedenen CO₂-Emissionen auf 780 Tonnen. Der Energieverbrauch sei im Durchschnitt um 18,8 Prozent gesunken.

Staatssekretärin sieht Potenzial für breiteren Einsatz

Beim Vor-Ort-Termin verwies Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner auf die mögliche Rolle digitaler Lösungen bei der Senkung des Energieverbrauchs. „Wenn wir mit intelligenter Steuerung Energie sparen und gleichzeitig die laufenden Kosten für die Menschen senken können, dann ist das genau die Art von Innovation, die wir brauchen“, sagte Zehetner. Entscheidend sei, entsprechende Lösungen in eine breitere Anwendung zu bringen.

Für die BWSG spielen neben dem Energieverbrauch insbesondere die laufenden Kosten für die Bewohner*innen eine Rolle. „Leistbares Wohnen endet nicht bei der Miete. Auch die laufenden Energiekosten sind für unsere Bewohnerinnen und Bewohner entscheidend“, sagt Robausch-Löffelmann.