In einer dichtbebauten Metropole gehört professionelles Taubenmanagement längst zum modernen Gebäudebetrieb. Denn speziell die stuck- und gesimsereichen Fassaden von Gründerzeithäusern ersetzen jene Felswände, auf denen die Vögel ursprünglich nisteten. Sie bieten den standorttreuen Stadtvögeln heute ideale Aufenthaltsorte. Problematisch wird es, wenn sich Kolonien dauerhaft auf oder an Gebäuden einnisten. Im Facility-Management sollte daher ein großes Augenmerk auf der Taubenabwehr – im besten Fall auf einer dauerhaften Variante – liegen. „Taubenabwehr schützt Gebäude und Bewohner vor Verschmutzung, Schäden an der Bausubstanz und hygienischen Risiken“, bringt es Wolfgang Erdhart, Bereichsleitung Hausbetreuung bei Attensam, auf den Punkt. Eine frühe Prävention ist wichtig, da Tauben nur tiergerecht vergrämt werden dürfen, betont er. Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet grundsätzlich das ungerechtfertigte Töten oder Quälen von Tieren.
Daraus ergibt sich auch im Taubenmanagement ein wichtiger Grundsatz: Die Maßnahmen müssen möglichst schonend erfolgen. In der Praxis bedeutet dies, dass nur ein Verhindern des Niederlassens oder Brütens erfolgen darf. Um den Taubenbestand selbst unter Kontrolle zu halten, verfolgt die Stadt Wien seit Jahren die Betreuung von gezielt aufgestellten Taubenschlägen. Dort werden Eier gegen Attrappen ausgetauscht, wodurch sich die Population langfristig tierschutzkonform reduzieren lässt. Diese Methode gilt international als deutlich nachhaltiger als kurzfristige Vergrämungsaktionen.
Unbelehrbare Fütterer
Stadttauben können nämlich schnell zur Invasion werden. Sie brüten mehrmals jährlich und vermehren sich dadurch rasch, sofern ausreichend Nahrung vorhanden ist. Und – zum Unglück von Hausbesitzern – gibt es immer noch Unbelehrbare, die ihre Freude im Füttern der Tiere finden. Doch das künstlich erweiterte Nahrungsangebot lässt nicht nur die Population weiter anwachsen, sondern macht auch langfristige und tierschutzgerechte Lösungen auf urbaner Ebene zunichte. Zwar gibt es kein generelles Taubenfütterungsverbot, doch untersagt das Wiener Reinhaltegesetz das Ausbringen von Futter auf Straßen mit öffentlichem Verkehr sowie öffentlich zugänglichen Grün- und Wasserflächen. In Wohnhausanlagen obliegt es den Hausverwaltungen oder Eigentümergemeinschaften, das Füttern von Tauben über die Hausordnung zu unterbinden.
Für Eigentümer und Facility-Manager verursachen die Tiere vielfältige Herausforderungen: „Taubenkot ist stark ätzend und greift Stein, Metall sowie Fassaden an. Tauben und ihre Parasiten wie Taubenzecken oder Vogelmilben können Krankheitserreger übertragen“, sagt Erdhart zusammenfassend. Der Kot ist also keineswegs nur ein optisches Problem. Die denkmalgeschützten Fassaden leiden massiv unter dauerhaften Ablagerungen und der in ihnen befindlichen Harnsäure. Außerdem verstopfen Nester, Federn und auch Kot Dachrinnen sowie Abläufe. Die Folge können Rückstau, Feuchtigkeitsschäden oder im Winter gefährliche Eisbildung sein. Fassaden, Eingangsbereiche und Innenhöfe müssen folglich häufiger gereinigt werden.
Spikes, Spiralen, Spanndrähte
Ein Gebäude kann vom Taubenkot zwar gereinigt werden, aber dies ist mühsam. Hinzu kommen etwaige Gerüstkosten oder Spezialreinigungen, insbesondere bei historischen Gebäuden. Erdhart: „Der Kot sollte angefeuchtet, staubarm entfernt und sicher entsorgt werden. Bei starker Verunreinigung müssen Schutzkleidung und Atemschutz getragen werden. Taubenkot gilt – da er Krankheitserreger und Schadstoffe enthalten kann – als gefährlicher Abfall. Er muss als Sondermüll entsorgt werden, dadurch steigen natürlich Aufwand und Kosten.“ Prävention statt Dauerreinigung lautet daher die Devise. Taubenmanagement ist schließlich keine kosmetische Maßnahme, sondern wesentlicher Bestandteil einer wirtschaftlichen Gebäudeerhaltung. Wer frühzeitig in geeignete Schutzsysteme investiert, spart langfristig erhebliche Kosten für Reinigung, Sanierung und Instandsetzung.
Professionelles Taubenmanagement verfolgt heute einen integrierten Ansatz. Einzelmaßnahmen reichen meist nicht aus. „Als besonders wirkungsvoll erweisen sich fachgerecht montierte Spikes, Spiralen und Spanndrähte. Wo es baulich möglich ist, gelten gespannte Netze in Innenhöfen und auf Balkonen als optimale Lösung“, berichtet Erdhart. Hochwertige Systeme verletzen die Tiere nicht, sondern verhindern lediglich das Landen. Spanndrähte beispielsweise eignen sich ideal für schmale Vorsprünge und denkmalgeschützte Fassaden, da sie optisch kaum auffallen. Elektrische Niedervoltsysteme erzeugen einen kurzen, ungefährlichen Impuls. Sie werden vor allem bei besonders sensiblen Gebäuden eingesetzt. Wichtig ist es, dass Maßnahmen Gewöhnungseffekte der Tauben reduzieren oder ganz verhindern. Die Tiere lernen schnell, zwischen echter und künstlicher Bedrohung zu unterscheiden. Einige Varianten erwiesen sich diesbezüglich als nicht wirkungsvoll, weiß Erdhart: „Akustische Systeme wirken nicht nachhaltig, denn Tauben gewöhnen sich mit der Zeit daran. Auch Rabenattrappen und Reflexspiralen werden rasch ignoriert.“ Abwehrsysteme müssen umfassend montiert werden. Bleiben alternative Sitzplätze offen, verlagert sich die Population lediglich innerhalb desselben Gebäudes.
Kein klimabedingtes Verschwinden
Dass sich durch den Klimawandel das Taubenproblem von selbst löst, damit ist wohl eher nicht zu rechnen. Tatsächlich profitieren Stadttauben in vielerlei Hinsicht sogar von den klimatischen Veränderungen. Mildere Winter führen dazu, dass mehr Tiere die kalte Jahreszeit überleben. „Tauben sind grundsätzlich sehr anpassungsfähig und profitieren teils von wärmeren Städten. Extreme Hitze kann jedoch negative Auswirkungen auf deren Fortpflanzung haben. Ein klimabedingtes Verschwinden ist dennoch nicht zu erwarten. Deshalb ist davon auszugehen, dass Tauben auch in Zukunft vor allem in den Städten präsent sein werden“, sagt Erdhart. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob man mit ihnen künftig noch umgehen muss, sondern wie. ■

Wolfgang Erdhart, Bereichsleitung Hausbetreuung bei Attensam
Taubenabwehr schützt Gebäude und Bewohner vor Verschmutzung, Schäden an der Bausubstanz und hygienischen Risiken. Frühe Prävention ist wichtig, da Tauben nur tiergerecht vergrämt werden dürfen.