Die Wohnbauaktivität im Bundesland Kärnten steht weiterhin unter Druck. Das geht aus der Analyse „Wohnbauprojekte in der Pipeline Kärnten 2026“ hervor, die die Exploreal GmbH im Auftrag der Fachgruppe Immobilien- und Vermögenstreuhänder der Wirtschaftskammer Kärnten sowie des Verbandes gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV) Kärnten erstellte und kürzlich präsentierte.

Insgesamt nahm die Studie für die Jahre 2024 bis heuer 158 Projekte mit 3.837 Wohneinheiten unter die Lupe. „Die Daten zeigen, dass die Pipeline in Kärnten zwar weiterhin gut gefüllt ist, die tatsächliche Umsetzung jedoch hinter den Planungen hinterherhinkt. Zahlreiche Projekte werden verschoben oder in ihrer Dimension reduziert. Das wirkt sich unmittelbar auf das zukünftige Wohnungsangebot aus und wird sich in den kommenden Jahren bemerkbar machen“, so Paul Perkoing, Obmann der Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Kärnten.

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76 Prozent gewerblich, 24 Prozent gemeinnützig

Punkto Lagen konstatiert die Analyse eine Konzentration der Bautätigkeit auf Klagenfurt und Villach, jeweils Stadt- und Land-Bezirke. Gravierend geringer fallen die Aktivitäten in Bezirken wie Feldkirchen, Völkermarkt, Wolfsberg sowie St. Veit an der Glan aus. In Hermagor gibt es derzeit keine größeren Bauträgerprojekte in Vermarktung. Die Zahlen offenbaren, dass neuer Wohnraum wenig überraschend vor allem dort entsteht, wo Nachfrage, wirtschaftliche Entwicklung und Investitionsbereitschaft kumulieren. Perkonig: „Damit auch Regionen außerhalb der Ballungsräume ihre Chancen nutzen können, braucht es attraktive Rahmenbedingungen für Investitionen und Projektentwicklungen.“ Und wie gestaltet sich die Aufteilung zwischen gewerblichem und gemeinnützigem Wohnbau in Kärnten? 76 Prozent fallen in den Ersteren. Laut Adam Riese verbleiben 24 Prozent für Letzteren.

Mann in dunkelblauem Anzug
Paul Perkonig, Fachgruppen der Immobilien- und Vermögenstreuhände in Kärnten: „Zahlreiche Projekte werden verschoben oder in ihrer Dimension reduziert.“ © Perkonig Realitäten

Die Analyse geht auch auf die Marktpreise ein. So kostet eine Neubaueinheit in Kärnten derzeit durchschnittlich etwa 407.000 Euro und bietet mit rund 73 Quadratmetern Wohnfläche mehr Platz als vergleichbare Objekte in Wien. Dort liegt der Kaufpreis im Durchschnitt aktuell bei 431.650 Euro, die Wohnungsgröße jedoch nur bei rund 63 Quadratmetern. Dessen ungeachtet zogen die Preise für Neubaueinheiten in Kärnten innerhalb eines Jahres um 5,4 Prozent auf 5.728 Euro pro Quadratmeter an. Perkonig erklärt: „Kärnten bietet im Bundesländervergleich nach wie vor ein attraktives Preis-Leistungs-Verhältnis. Käufer erhalten mehr Wohnfläche als in Ballungsräumen wie Wien, bewegen sich preislich aber bereits auf einem vergleichbaren Niveau.“

Maßnahmen für mehr Wohnraum dringend notwendig

Während die Zahl der Wohnungsverkäufe weiterhin auf einem niedrigen Niveau liegt, ist seit Ende 2025 eine leichte Belebung des Marktes erkennbar. Doch das Angebot neuer Wohnungen bleibt begrenzt.

Die Branchenvertreter orteten bei der Präsentation der Studie daher dringenden Handlungsbedarf. Schnellere Genehmigungsverfahren, mehr Planungssicherheit, bessere Finanzierungsmöglichkeiten und die Aktivierung bereits geplanter Projekte seien zentrale Voraussetzungen, um den Wohnbau wieder anzukurbeln. „Kärnten braucht jetzt einen gemeinsamen Schulterschluss aller Beteiligten. Wir müssen Investitionen erleichtern, Verfahren beschleunigen und jene Projekte unterstützen, die bereits geplant sind. Nur so können ausreichend neue Wohnungen entstehen, die Bauwirtschaft als wichtiger Konjunkturmotor gestärkt und die Wohnversorgung für die Kärntner Bevölkerung langfristig gesichert werden“, resümierte Fachgruppenobmann Perkonig abschließend. ■