Burgenland

„Die Grundstimmung ist positiv“

09.12.2025

Der burgenländische Immobilienmarkt konsolidiert sich. Für Stirnrunzeln sorgt jedoch unter anderem die Baulandmobilisierungsabgabe, wie Fachgruppenobmann Walter Komarek berichtet.

OIZ: Wie verliefen Ihre ersten Monate als Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder im Burgenland?

WALTER KOMAREK: Bisher sehr gut. Weil ich davor bereits Fachgruppenobmann-Stellvertreter war, bin ich mit den Aktivitäten vertraut. Ich absolvierte bereits Betriebsbesuche und tauschte mich mit Kolleginnen und Kollegen hinsichtlich von Wünschen sowie Bedürfnissen telefonisch aus. Dabei ließ ich mich auch über das Marktgeschehen im Bundesland auf den letzten Stand setzen. Schließlich verfügen wir mit dem Nord-, dem Südburgenland, dem Seewinkel und der Landeshauptstadt Eisenstadt über extrem unterschiedliche Teilmärkte.

OIZ: Was ergab der Austausch? Sprich, wie gestaltet sich die Situation der gewerblichen Bauträger, der Makler und der Verwalter im Burgenland?

KOMAREK: Gewerbliche Bauträger haben wir bekanntlich recht wenige. Die Gemeinnützigen dominieren das Marktgeschehen. Generell ist die Grundstimmung der drei Immobilientreuhänder-Berufsgruppen im Bundesland eine positive. Ich orte Zuversicht bei ihnen. Selbstredend verschlechterte sich das Marktumfeld, wenn man von der Situation in den Vorkrisenjahren ausgeht. Wir durchlaufen eine Phase der Konsolidierung. Es gibt jedoch ein Thema, das die Bevölkerung und insbesondere die Grundeigentümer im Burgenland sehr umtreibt.

OIZ: Worum handelt es sich?

KOMAREK: Die Baulandmobilisierungsabgabe. Sie ist im burgenländischen Raumplanungsgesetz 2019 verankert. Der maßgebliche § 24a wurde in den letzten Jahren einige Male novelliert. Denn immer wieder schafften es Lobbyisten, ihre Interessen in die gesetzlichen Bestimmungen hineinzureklamieren. Im Endeffekt müssen „nur“ mehr Wenige, wie beispielsweise über 45-Jährige ohne Kinder, die recht hohe Baulandmobilisierungsabgabe abführen. Nämlich jährlich bis zu 2,5 Prozent des Grundstückswerts, wenn sie ihre Parzellen nicht verkaufen oder bebauen. Meiner Meinung nach ist das ein unverhältnismäßiger Eingriff in die Eigentumsrechte, der nicht zur Mobilisierung von Bauland führt, sondern vielmehr das Vertrauen in den burgenländischen Immobilienmarkt schädigt. 

OIZ: Worauf möchten Sie als Fachgruppenobmann besonders hinweisen?

KOMAREK: Das ist nicht Burgenland-spezifisch, aber mich irritiert das überhandnehmende Vermieter-Bashing seitens der Politik und mancher Interessengruppen. Dabei wird völlig ausgeblendet, dass die Einnahmen aus der Vermietung maßgeblich dazu dienen, die Gebäudesubstanz zu erhalten, zu erneuern und damit einen Beitrag zum Gesamtbild unserer Städte zu leisten. Davon profitiert nicht zuletzt der Tourismus. Es sollte wieder selbstverständlich sein dürfen, Kapital in Immobilien zu investieren und dafür eine angemessene Rendite zu erzielen. Und vor allem sollte seitens der Politik klar anerkannt werden, dass Vermieter mit ihrem privaten Kapital Wohnraum bereitstellen – für all jene, die aufgrund ihrer persönlichen oder wirtschaftlichen Situation kein Eigentum erwerben können oder wollen. Ohne diese privaten Investitionen würde ein wesentlicher Teil des Wohnungsangebots schlichtweg fehlen.

Zwei Streckhäuser
Das Burgenland verfügt über extrem unterschiedliche Teilmärkte.
Credit: Getty Images 950777684 c fotofritz16

OIZ: Am 16. Oktober 2025 beschloss der Burgenländische Landtag ein Klimaschutzgesetz. Wie wird es sich auf den Immobilienmarkt im Bundesland auswirken?

KOMAREK: Grundsätzlich begrüße ich Maßnahmen zum Schutz des Klimas, sofern sie sinnvoll und umsetzbar sind. Das beschlossene Klimaschutzgesetz besteht im Großen und Ganzen aus Absichtserklärungen und verweist auf die bereits seit 2023 bestehende Klimastrategie Burgenland 2030. Meiner Ansicht nach wirkt sich das Gesetz nicht auf den Immobilienmarkt aus. Gemäß § 7 sollen zukünftige Gesetze und Verordnungen einem Klimacheck unterzogen werden. Das betrifft auch den Bausektor. Was das in weiterer Folge für den Immobilienmarkt bedeutet, bleibt abzuwarten.

OIZ: Kommen wir zur Landeshauptstadt Eisenstadt. Wie ist die dortige Marktlage?

KOMAREK: Das Wohnsegment performt gut. Die Preise bewegen sich eher seitlich. Die Marktaktivität ist hoch. Besonders Bestandshäuser im unteren bis mittleren Preisniveau – also um bis zu 400.000 Euro – sind nachgefragt, ebenso Eigentumswohnungen um bis zu 250.000 Euro. Bei exklusiveren Liegenschaften kann sich die Verwertung jedoch in die Länge ziehen und Preisabschläge können erforderlich sein. Der Mietwohnungsmarkt ist stabil.

OIZ: Und die Geschäftsflächen in Eisenstadt?

KOMAREK: Die Fluktuation bei den Geschäftsflächen in der Fußgängerzone liegt im üblichen Bereich. Die Leerstandsrate beträgt rund zehn Prozent, was im Vergleich zu jenen in anderen Städten einen niedrigen Wert darstellt. Die Fußgängerzone ist also intakt, was auch auf die Maßnahmen und Aktivitäten des Stadtmanagement Eisenstadt zurückzuführen ist. Große Veranstaltungen wie die Wein- und Genusstage oder Musik in the City werden von der Bevölkerung gut angenommen. Darüber hinaus erhalten neue Einzelhändler in Form des Innenstadtbonus in den ersten drei Jahren eine Förderung. Die Verwertung von Geschäftsflächen in Einkaufs- und Fachmarktzentren ist eher herausfordernd. Der Bedarf der großen Filialisten ist Großteils gedeckt. Einzig Discounter wie Action, Woolworth oder NKD drängen nach. Bezüglich der Vermarktung von Büro- und Gewerbeimmobilien besteht in Eisenstadt seit jeher ein schwieriges Marktumfeld.

 

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