Wohnbaupaket ist ein erster wichtiger Impuls

16.11.2015

 
Der Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder fordert eine rasche Umsetzung der kürzlich von der Bundesregierung präsentierten Wohnbauoffensive und weitere Maßnahmen.
Ein neues Impulspaket der Bundesregierung soll 30.000 neue Wohnungen schaffen.
Ein neues Impulspaket der Bundesregierung soll 30.000 neue Wohnungen schaffen.

Die Schaffung von 30.000 leistbaren Wohnungen mit Unterstützung der Wohnbaubank ist ein wichtiger und dringend nötiger Impuls für die Bau- und Immobilienwirtschaft, freut sich Georg Edlauer, Obmann des Fachverbands Immobilien- und Vermögenstreuhänder (WKÖ), über die Präsentation des Wohnbaupakets. Er sieht damit eine wesentliche Forderung der Immobilienwirtschaft bestätigt.

Zusätzliche Maßnahmen ­notwendig
„Leistbares Wohnen kann langfristig nur durch ein vermehrtes Angebot realisiert werden, und diese Maßnahme geht endlich in die richtige Richtung. Die geplanten 30.000 Wohnungen sollen über einen Zeitraum von fünf bis sieben Jahren realisiert werden, somit werden aber nur zirka 6.000 Wohnungen jährlich zusätzlich entstehen“, relativiert Edlauer. Hier müssen sehr rasch zusätzliche Maßnahmen eingeleitet werden, um beispielsweise die Eigentumsbildung, aber vor allem auch die Sanierung beziehungsweise den Ausbau im Bestand zu forcieren.
„Die Analysen haben gezeigt, dass die Investitionen der Immobilienwirtschaft in Höhe von 13,4 Milliarden Euro zu Produktionseffekten von 24,6 Milliarden Euro führen und rund 150.000 Beschäftigungsverhältnisse direkt an den Investitionen der Immobilienwirtschaft hängen. Pro eine Milliarde Euro Investitionen der Immobilienwirtschaft werden rund 10.500 Arbeitsplätze geschaffen beziehungsweise gesichert“, hebt Edlauer hervor.

Investitionsfeindliche ­Maßnahmen unterlassen
„Umso wichtiger wäre es jetzt auch, die rechtlichen Rahmenbedingungen im Mietrecht zu modernisieren und statt investitionsfeindlichen starren Mietzins­obergrenzen endlich Anreize für private Investitionen zu schaffen, damit hochwertig ausgestatteter Wohnraum entsteht“, fordert Edlauer: „Wir bauen und sanieren für die Menschen, die in diesen Wohnungen leben, und jene profitieren auch in erster Linie von modernen, energieeffizienten und gut ausgestatteten Wohnräumen. Deutschland setzt mit seinem marktorientierten Mietzins und Anreizen für thermische Sanierung deutliche und richtige Zeichen. Wir haben nicht endlos Freiflächen für die Verbauung zur Verfügung.

Zudem sollte aus volkswirtschaftlichen Gründen bestehende Infrastruktur genutzt werden, was einen deutlichen Impuls für Nachverdichtungen und Neubau im städtischen Raum notwendig macht“, sagt der Branchensprecher der Immobilienwirtschaft. Die Ende Oktober von der Bundesregierung präsentierte Wohnbauoffensive soll dem heimischen Wohnbau nachhaltige Impulse verleihen. So sollen in den kommenden fünf bis sieben Jahren rund 30.000 Miet- und Eigentumswohnungen für etwa 68.000 Personen errichtet werden. Den finanziellen Kern des Konjunkturpakets bilden zinsgünstige Darlehen der EIB, die über eine neu zu gründende „Wohnbauinvestitionsbank“, kurz WBIB, an gemeinnützige oder gewerbliche Bauträger direkt zu den Nutzern in Form von langfristig leistbaren Mieten weitergeleitet werden.

Die Finanzierung
Das Wohnbaupaket beinhalte aber auch eine Reihe von Maßnahmen, die einerseits die gemeinnützige Wohnungswirtschaft in die Pflicht nehmen und andererseits zu weitreichenden Verbesserungen für die Bewohner führen würden. Mit der Verankerung des sogenannten „Generationenausgleichs“ im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz verpflichtet die Bundesregierung gemeinnützige Bauvereinigungen dazu, ihr Eigenkapital zur Sicherung einer nachhaltigen Wohnversorgung zu verwenden. 

Weiters müssen die Gemeinnützigen künftig prüfen, ob im Zuge einer umfassenden Sanierung die Möglichkeit zur Nachverdichtung gegeben ist und somit zusätzliche Grund- und Infrastrukturkosten wegfallen könnten. Um Mietwohnungen leichter thermisch-energetisch oder barrierefrei sanieren zu können, sei künftig eine Dreiviertelmehrheit der Mieter für die Erhöhung des Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrags ausreichend. Außerdem werde bei Verkauf von gemeinnützigem Wohnungseigentum eine Frist eingeführt, die das Spekulieren mit Genossenschaftswohnungen verunmöglichen wird.

Wochen bis zur ­Beschluss­fassung
„Wohnen wird nur dann leistbar bleiben, wenn wir der steigenden Nachfrage nach Wohnraum mit einem ausreichenden Angebot begegnen“, gab sich ÖVP-Wohnbausprecher Johann Singer anlässlich Präsentation des Wohnbaupakets zuversichtlich. In den kommenden Wochen bis zur Beschlussfassung sollen etwaige Nachbesserung des Impulspakets diskutiert werden.