Wiener Kongress

07.10.2015

 
Der 42. Bundestag der Österreichischen Immobilien- und Vermögenstreuhänder fand Mitte September in der Bundeshauptstadt Wien statt. Zentrale Branchenfragen, die Flüchtlingskrise und das Netzwerken standen im Vordergrund.
Die Immobilienspezialisten bei einem der zahlreichen Vorträge.
Die Immobilienspezialisten bei einem der zahlreichen Vorträge.

Drei Tage lang stand die Bundeshauptstadt im Zeichen der Immobilienwirtschaft. Weit mehr als 400 Vertreter der Immobilienbranche kamen nach Wien, um anlässlich des Bundestags der Immobilien- und Vermögenstreuhänder 2015 Aktuelles rund um das Thema Immobilien und Wohnen zu erfahren. Im Zentrum der Vorträge standen das Österreichische Mietrecht, neueste Entscheidungen der Judikatur ebenso wie der Trend der zunehmenden Verstädterung und seine Konsequenzen. Zusätzlich unternahm die Branche einen Ausblick auf die nächsten zehn Jahre und lies die städtische Planung seit 1865 Revue passieren.
Michael Pisecky, Mitorganisator und Obmann der Fachgruppe Wien Immobilientreuhänder: „Wien ist Weltstadt und wird bald wieder zu einer Zwei-Millionen-Einwohner-Stadt. Dafür sind aber umfassende Maßnahmen nötig. Diese beginnen bei einem neuen, modernen Mietrecht und enden bei einem richtungsweisenden Schwenk, um günstiger bauen zu können. Damit müssen auch eine Dereglementierung, die Schaffung neuer Anreize für mehr Investitionen und ein ausreichendes Wohnungsangebot einhergehen. Leistbares Wohnen bedeutet auch, dass wir uns Wohnen wieder leisten können. Dafür muss es zu einer spürbaren Entlastung des Faktors Arbeit kommen. Nur eine starke Immobilienwirtschaft wird zukünftig die Wohnprobleme in den Ballungsgebieten lösen können.“

Feierliche Eröffnung
Mit einem Festakt in der Akademie der Wissenschaften wurde der Bundestag 2015 durch Staatssekretärin Sonja Steßl feierlich eröffnet. In ihrer Rede thematisierte Steßl die rasanten Veränderungen auf gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Ebene, die zukunftsgerichtete Lösungen verlangen. „In Österreich haben bereits zwei Drittel der Menschen ihren Wohnsitz in einem städtischen Gebiet, und der Trend hält weiter an. Diese Entwicklung stellt uns in sämtlichen Bereichen von Gesundheit, Verkehr, Bildung bis hin zur Verwaltung und Politik vor ständig neue Herausforderungen“, so die Staatssekretärin. „Smart Cities“, also sorgfältig geplante Städte, die digitale Infrastrukturen integrieren, seien das Zukunftsbild. Ein positives Beispiel ist die Stadt Wien, die in einer aktiven und nachhaltigen Strategie die digitalen Chancen aufgreift und anhand eines partizipativen Prozesses eine digitale Agenda erarbeitete, hob Sonja Steßl hervor und verwies auch auf das von ihr vorangetriebene Regierungsprojekt Digital Roadmap. „Mit der Digital Roadmap wollen wir für Österreich ein Big Picture entwickeln, wie wir die Standortvorteile für die heimische Wirtschaft generieren und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen vorantreiben.“ 

Noch vor dem offiziellen Beginn konnten die Teilnehmer des Bundestags hinter die Kulissen einer ganzen Reihe von interessanten Wiener Immobilienprojekten blicken. Brennpunkte des Bundestags waren aber auch die Erwartungen an ein neues Mietrecht beziehungsweise an ein neues Wohnrecht und die großen Herausforderungen, die auf die österreichischen Verwalter, Bauträger und Makler in den nächsten Monaten und Jahren zukommen. Fachverbandsobmann ­Georg Edlauer: „Die Dienstleistungsqualität der Branche wird immer mehr zum Schlüssel für den Unternehmenserfolg. Gesetzliche Rahmenbedingungen und andere äußere Faktoren geben schon jetzt einen ambitionierten Rahmen vor. Der persönliche Einsatz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist ein großes Potenzial, das jedes Branchenunternehmen einzigartig macht. Mit dem Bundestag können wir eine Plattform bieten, um neue Kontakte zu knüpfen und als Branche gut für die Zukunft gerüstet zu sein.“

Eine Branche mit Verantwortung
Bereits seit vielen Wochen unterstützt die heimische Immobilienwirtschaft die Suche nach Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlinge beziehungsweise Asylsuchende in Österreich. Kurzfristig konnte zu diesem Thema auch Christian Konrad, Ex-Raiffeisen-Generalanwalt und derzeit Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung, für den Bundestag gewonnen werden. Er berichtete in seiner Rede über die ersten Tage und Wochen in seiner neuen Funktion und sieht in der aktuellen Flüchtlingssituation eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahrzehnte für Österreich und Europa. Begleitet wurde Konrad von Ferdinand „Ferry“ Maier, der ihn in seinen Aufgaben unterstützt, sowie von Mitarbeitern mehrerer NGOs wie beispielsweise Caritas, Diakonie Flüchtlingsdienst und Interface.

Im Rahmen des Bundestags wurde zur Unterstützung der Flüchtlingshilfe neben der Suche nach Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge ein Kunstwerk versteigert. Zusätzlich wurden während der Veranstaltung Spendengelder für die Flüchtlingshilfe gesammelt. Erstmalig fand beim Bundestag heuer ein World Café für die „Junge Immobilienwirtschaft“ statt. Neu ist auch, dass der Bundestag nach den Kriterien des Österreichischen Umweltzeichens für „Green Meetings“ ausgerichtet wurde, sodass alle Transfers der Teilnehmer mit den Wiener Linien erfolgten und alle Speisen und Getränke bei der Veranstaltung aus der Region kamen. Abgeschlossen wurde der Bundestag stimmungsvoll auf der Wiener Wiesn.