Wie die Österreicher wohnen wollen

09.07.2015

 
Die Idylle auf dem Land beschert den Österreichern offensichtlich das größte ­Wohnglück. Aber auch pulsierende Städte stehen in der Gunst ganz oben auf der Liste, so die ­Ergebnisse einer aktuellen Befragung von s Real und Wohnnet.
Welche Art von Immobilie suchen Sie? – Wohnwunsch.

Österreicherinnen und Österreicher wollen, ginge es nur nach ihren Wünschen, auch 2015 am liebsten auf dem Land leben: 45 Prozent der Befragten wünschen sich ländliche Idylle, weitere 18 Prozent ziehen ein Leben in einer Bezirksstadt dem in der Bundeshauptstadt oder einer Landeshauptstadt vor. In einer dieser größeren Städte wollen nur 37 Prozent aller Befragungsteilnehmer wohnen.

Immobilie gesucht: Die Motive
Die Gründe dafür, warum sich jemand auf Immobiliensuche begibt, könnten vielfältiger nicht sein: Hauptmotive waren bei 18 Prozent, dass die derzeitige Immobilie zu klein ist, gefolgt von 17 Prozent, die angaben, statt einer Mietwohnung Eigentum erwerben zu wollen. Für 14 Prozent ist ein Berufs- oder Ortswechsel der ausschlaggebende Grund, und weitere elf Prozent wollen mit der neuen Immobilie die Qualität ihrer Wohnsituation verbessern. Familiengründung und -zuwachs (9 %), die erste eigene Wohnung (7 %) oder Kostensenkung (6 %) waren weitere Faktoren, die die Befragten als Gründe für ihre Immobiliensuche angaben. Bei nur drei Prozent der Wohnungssuchenden war ein auslaufender (Miet-)Vertrag das Motiv. Fazit: Die Menschen in Österreich ziehen nicht deshalb um, weil sie Kosten sparen wollen oder ein auslaufender Vertrag sie dazu zwingt (insgesamt 9 %), sondern hauptsächlich deshalb, weil sie eine Verbesserung ihrer Wohnqualität wünschen (46 %) oder sich die persönliche Lebenssituation verändert und weiterentwickelt hat (45 %).

Eigentum nach wie vor gefragt
Im Vergleich zu den Umfragen der vergangenen Jahre unverändert blieb das Verhältnis derer, die Immobilieneigentum erwerben wollen (60 %), zu denjenigen, die auf der Suche nach einer Mietimmobilie sind (40 %). Letztere werden aber nicht nur wegen der aktuellen Lebensphase bevorzugt (26 %), sondern – wenig verwunderlich – auch aufgrund aktueller finanzieller Möglichkeiten (33 %). Flexibilität und Freiheit sind für weitere 26 % ausschlaggebend dafür, dass sie einem Mietverhältnis den Vorzug vor Eigentumserwerb geben wollen.

Diejenigen, die auf der Suche nach Immobilieneigentum sind (60 % der Befragten), tun dies zum weitaus größten Teil, nämlich zu 44 %, weil sie in einem Eigenheim wohnen und nicht mehr übersiedeln wollen. Im Vergleich zum Vorjahr wollen stabile 14 Prozent eine Immobilie als Geldanlage erwerben, weitere fünf Prozent wollen dies wegen zu erwartenden Wertsteigerungen tun. Eigene Altersvorsorge und Vermögensbildung für die Nachkommen gaben insgesamt 23 Prozent der Umfrageteilnehmer als Motiv für den geplanten Erwerb einer Eigentumsimmobilie an. Für insgesamt 81 Prozent überwiegt der Eigennutzen als entscheidender Faktor den reinen Anlagegedanken (19 %) als Motiv bei der Schaffung von Immobilieneigentum bei weitem.

Terrasse oder Balkon auf der Wunschliste
Bei den Wünschen die Wohnqualität betreffend ergab die Umfrage 2015 eine Verschiebung der Prioritäten im Vergleich zu den Vorjahren: Während eine intelligente Raumaufteilung in den letzten Jahren noch für 50 Prozent der Befragten und mehr eine entscheidende Rolle spielte, tut sie das heuer nur noch für 34 Prozent. Eklatant zugenommen hat hingegen der Anteil derjenigen, die sich einen Balkon oder eine Terrasse wünschen, nämlich von 22 auf 31 Prozent der Wohnungssuchenden. Auch die absolute Wohnfläche ist heuer wieder wichtiger als noch in den Vorjahren: Für 23 % spielt die Fläche eine wichtige Rolle, 2012 waren es 18 %. Der Suchtrend geht also durchaus in Richtung gehobene Qualität. Neu waren heuer die Fragen bezüglich gewünschte Raumhöhe, Wohnbereich und Küche sowie der Größe des Eingangsbereichs. Bei der Auswertung war signifikant, dass sich Befragte aus dem höheren Einkommensbereich tendenziell höhere Räume und eine in den Wohnbereich integrierte Küche wünschen, während ein großes Vorzimmer nicht so wichtig scheint. In den niedrigeren Einkommensschichten hingegen ist die Raumhöhe weniger Thema, und Küche und Wohnraum sollten sich für die Mehrheit in getrennten Räumen befinden. 

In diesem Jahr wollten wir auch das Ruhebedürfnis der Österreicherinnen und Österreicher erheben, und die Ergebnisse sind doch einigermaßen erstaunlich: Nur 16 Prozent der Befragten gaben an, dass ihnen eine zentrale Lage der Immobilie wichtiger sei und sie deshalb auf Ruhelage verzichten wollten. 36 Prozent wollen, dass ihre Immobilie urban liegt, aber ruhige Schlafräume hat. Die überwältigende Mehrheit, nämlich 48 Prozent, wünscht sich, dass sich ihre Immobilie insgesamt in einer sehr ruhigen Lage befindet.

Energiekennzahlen: Die großen Unbekannten
Seit 1. Dezember 2012, also seit nunmehr zweieinhalb Jahren, gibt es nun in Österreich das neue Energieausweis-Vorlage-Gesetz (EAVG). Demnach ist die Vorlage eines Energieausweises und die Angabe von Heizwärmebedarf (HWB) und des Gesamtenergieeffizienz-Faktors (fGEE) in Immobilieninseraten bei Verkauf oder Vermietung verpflichtend. Verstöße können mit einer Verwaltungsstrafe von bis zu 1.450 Euro geahndet werden.
Leider hat sich seit der Einführung des EAVG im energetischen Bewusstsein der Immobilieninteressenten nicht viel getan. Leicht gestiegen ist der Prozentsatz jener, die eine Immobilie aufgrund von schlechten energetischen Faktoren nicht kaufen oder mieten würden, selbst wenn sie sich in der gewünschten Lage befände (von 23 % auf 26 %). Mit heuer nur 47 Prozent sank der Prozentsatz jener, die angaben, dass Energieeffizienz zwar wichtig, aber kein Muss-Kriterium sei (2014: 53 %). Mit ganzen 27 Prozent, die angaben, dass die Lage der Immobilie allemal entscheidender sei als gute Kennzahlen im Energieausweis, ist dieses Segment im Vergleich zu den Vorjahren sogar größer geworden (2014: 24 %). 

Immobilienmarkt: Ein Rückblick, ein Ausblick
Exklusiv oder relativ günstig: Vor allem diese beiden Segmente sind 2015 am Immobilienmarkt gefragt. „Exklusive Immobilien werden immer noch gut nachgefragt, aber die Interessenten in diesem Bereich sind sehr wählerisch. Es muss wirklich alles passen, damit auch gekauft wird, Kompromisse gibt es kaum“, berichtet s Real. Neben exklusiven Liegenschaften stehen vor allem günstigere Wohnungen im Fokus des Interesses: In Wien sind das zum Beispiel Durchschnittspreise bis zu 3.500 Euro/m² bzw. Gesamtkaufpreise um die 350.000 Euro für eine Eigentumswohnung. „Wenn also der Preis passt, ist noch immer viel Bewegung am Immobilienmarkt vorhanden.

Auch die nach wie vor sehr günstigen Finanzierungen ermöglichen es, sich trotz der derzeitigen Preise den Wunsch nach einer Eigentumswohnung oder einem Haus zu erfüllen, man muss aber damit rechnen, dass man solche Immobilien nicht in den zentralen Lagen finden wird“, weiß man bei Wohnnet. 
Gebrauchte Wohnungen haben durch das extrem geringe Angebot weiterhin Preispotenzial nach oben. Seit dem Sommer 2014 zeigt sich auch wieder eine größere Bereitschaft, in Immobilien zu investieren, von Institutionellen wie Immobilienfonds bis zu Privatpersonen, die Wohnungen selbst nutzen oder sie als Vorsorgewohnung erwerben.