Vom italienischen Sparpaket betroffen

11.05.2012

 
Der Kärntner Fachgruppenobmann Michael Fohn erläutert im OIZ-Interview unter anderem, dass es in seinem Bundesland keinen richtigen Mietermarkt gibt und dass die Tendenz zur Landflucht ungebrochen ist.
Michael Fohn ist Fachgruppenobmann der Kärntner Immobilien- und Vermögenstreuhänder
Michael Fohn ist Fachgruppenobmann der Kärntner Immobilien- und Vermögenstreuhänder

OIZ: Wirkt sich das österreichische Sparpaket schon auf den Kärntner Immobilienmarkt aus?
FOHN:
 Nein, davon spüren wir noch nichts. Dafür treffen uns die Sparmaßnahmen in Italien, die der neue Ministerpräsident Mario Monti eingeführt hat. Viele Italiener besitzen Immobilien in alpenländischen Ortschaften wie etwa Turrach, Nassfeld oder Bad Kleinkirchheim, die sie jetzt ohne großes Aufheben verkaufen wollen. Dafür können sie in Ausnahmefällen Spitzenpreise in der Höhe von bis zu 4.500 Euro pro Quadratmeter verlangen. Meistens gehen diese Wohnungen jedoch günstiger über den Ladentisch.

OIZ: Was zeichnet den Immobilienmarkt Ihres Bundeslandes sonst noch aus?
FOHN:
 Als das Tor zum Süden ist und bleibt Kärnten eine Urlaubsdestination. Daher liegt ein Schwerpunkt auf Tourismusimmobilien. Und im Gegensatz zu beispielsweise Vorarlberg, wo es heißt „Schaffe, schaffe, Häusle baue“, streben meine Bundeslandsleute nach Eigentumswohnungen. 
Diese sind schließlich um durchschnittlich rund 75.000 Euro günstiger als Einfamilienhäuser. Ein richtiger Mietermarkt wie etwa in Wien existiert übrigens in Kärnten nicht. Darüber hinaus ist Kärnten keine Industrieregion, sprich: Der Markt für Gewerbeimmobilien ist sehr überschaubar.

OIZ: Wie gestalten sich Angebot und Nachfrage im privaten Bereich?
FOHN:
 Da es weiterhin eine Tendenz zur Landflucht gibt, herrscht in den Zentren Klagenfurt und Villach eine rege Nachfrage. Gerade in Villach entstehen derzeit viele Eigentumswohnungen. Dort werden hohe Preise gezahlt, was ein Blick auf den Immobilienpreisspiegel bestätigt. In Randlagen wie Hermagor oder Völkermarkt hingegen bleiben die Verkäufer beziehungsweise die Makler oft lange auf ihrem Angebot sitzen, selbst wenn es an der Ausstattung und an der Infrastruktur nichts zu bekritteln gibt.

OIZ: Welche Aktivitäten verfolgt die Kärntner Fachgruppe derzeit?
FOHN:
 Wir arbeiten auf Hochtouren am Bundesimmobilientag 2013, der Mitte September nächsten Jahres voraussichtlich in Klagenfurt über die Bühne gehen wird. Alle notwendigen Angebote liegen bereits vor. Momentan entsteht das Programm, dessen Rahmenthema wahrscheinlich „Ethik in der Immobilienbranche“ lauten wird. Vor diesem Hintergrund möchte ich erwähnen, dass wir in Kärnten zahlreiche Maßnahmen ergreifen, um das Image der Makler zu verbessern. So lancieren wir die Immobiliencard und fahren bald eine neue Werbelinie, die zur entsprechenden Bewusstseinsbildung beitragen soll. Denn obwohl es – Gott sei Dank! – nur sehr wenige schwarze Schafe gibt, wackelt deretwegen der Ruf der gesamten Branche. Wir sind zuversichtlich, dass sich das bald ändern wird.

Interview: Claudia Aigner