Studien-Update: Wohnbauprojekten in Niederösterreich und Wien

Niederösterreich
07.12.2021

 
WKÖ, GBV und Exploreal informierten kürzlich über niederösterreichische Neubausituation im Vergleich zu Wien.
Bezüglich der Zimmeranzahl ist in Wien eine klare Tendenz zu kleineren Wohnungen erkennbar.

Auffällig an den aktuellen Ergebnissen aktualisierten Studie: die Projekte werden - sowohl in Wien als auch in Niederösterreich - kleiner. Dies betrifft die Anzahl der Wohneinheiten pro Projekt, wie auch Wohnnutzfläche und Freiflächen der einzelnen Wohneinheiten. „Diese Entwicklung hat definitiv mit den gestiegenen Grundpreisen und Baukosten zu tun, ebenso wie mit der Investitionsbereitschaft zukünftiger Bewohner und Anleger“, erklärt Michael Pisecky, stellvertretender Fachverbandsobmann und Obmann der Wiener Fachgruppe der Immobilien- und Vermögenstreuhänder. Der Preis einer durchschnittlichen Bauträgerwohnung ist in Wien gegenüber Anfang 2021 um fast zehn Prozent gestiegen, bei annähernd gleicher Flächengröße. Durchschnittlich sind für eine Wohnung 399.000 Euro zu zahlen, in Niederösterreich sind es um 120.000 weniger. Alexander Bosak, Mitbegründer und Geschäftsführer von Exploreal erklärt: „Der durchschnittliche Preis von 279.800 Euro in Niederösterreich ist im Vergleich zu 2020 um vier Prozent leicht gesunken, bei allerdings deutlich geringerer Fläche.“

Klarer Trend zu kleineren Wohnungen

Bezüglich der Zimmeranzahl ist in Wien eine klare Tendenz zu kleineren Wohnungen erkennbar. Die Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen nahmen in Wien um sieben Prozent zu und machen jetzt bereits 60 Prozent der Wohneinheiten bei einem durchschnittlichen Projekt aus. Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich in Niederösterreich. Die Ein- bis Zwei-Zimmerwohnungen nahmen bei Wohnprojekten um vier Prozent zu, die 4+Zimmer-Wohnungen um vier Prozent ab, wobei es keinen Überhang von großen oder kleinen Wohnungen gibt. Johannes Wild, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder Niederösterreich konkretisiert: „In unserem Bundesland ist die Verteilung der Wohnungen bei der Zimmeranzahl zu je einem Drittel relativ gleichmäßig.“

Wohnfläche wird kleiner

Auch die Wohnungsgrößen zeigen eine auffällige Veränderung. „In Wien ist die Wohnnutzfläche bei Neubauwohnungen um 6,2 Quadratmeter auf durchschnittlich 58 Quadratmeter gesunken, in Niederösterreich sind es 3,9 Quadratmeter weniger als 2020. „Mit 75,6 Quadratmeter durchschnittlicher Wohnfläche kommt Niederösterreich noch ganz gut weg“, kommentiert Wild.

Fertigstellungen 2022 am Höhepunkt

In Wien ist dieses Jahr mit rund 17.400 fertiggestellten Wohneinheiten zu rechnen. Damit werden ähnlich viele Wohneinheiten fertiggestellt wie schon 2020. Dieses Jahr werden besonders viele Einheiten im Segment der freifinanzierten Mietwohnungen errichtet, was mit dem Erwerb ganzer Wohnblöcke durch institutionelle Investoren zu tun hat. Pisecky: „Der Höhepunkt der Fertigstellungen wird - mit rund 19.700 Wohneinheiten - nächstes Jahr erreicht.“ In Wien ist der Anteil der Gemeinnützigen an der Gesamtwohnungsproduktion gegenüber den Gewerblichen leicht gestiegen, insbesondere im Mietsektor. Bernd Rießland, Verband Gemeinnütziger Bauvereinigungen (GBV), unterstreicht die Bedeutung der Errichtung größerer Wohnungen: „Durch Corona ist den Menschen die Bedeutung von Freiräumen und ausreichender Raumanzahl bewusst geworden. Die GBV versuchen daher, dem an den Bedürfnissen der Bewohner vorbeigehenden Angebot kleinerer Wohnungen entgegenzuwirken.“

Auch Niederösterreich wird 2022 einen Wohnbaurekord erreichen. „Konkret sind es in diesem Jahr 6900 Einheiten, 2022 rechnen wir mit 7400 fertiggestellten Einheiten“, berichtet Wild. „Ausschlaggebend für diese hohe Wohnungsproduktion ist der Anteil geförderter Mietwohnungen,“ ergänzt Rießland.