Intelligent, interaktiv, sparsam

17.03.2014

 
Hoch standardisiert und dennoch möglichst flexibel im Einbau muss er sein – der moderne Aufzug nach Maß. Und natürlich leistungsstark, komfortabel, sicher, wirtschaftlich und energieeffizient im Betrieb.
Text: Hansjörg Preims  Blankes Entsetzen soll den Zuschauern im New Yorker Chrystal Palace im Gesicht gestanden haben, als der Mann in Frack und Zylinder auf dem von ihm erfundenen Vehikel, auf dem auch Kisten und Fässer standen, in schwindelerregender Höhe angelangt war und dann seinen Assistenten anwies, die Halteseile zu kappen. Ein kurzer Ruck, die Plattform wackelte, aber sonst passierte nichts. „Alles ganz sicher, meine Herren", versicherte der Mann, Elisha Otis, der mit dieser Vorführung im
Text: Hansjörg Preims Blankes Entsetzen soll den Zuschauern im New Yorker Chrystal Palace im Gesicht gestanden haben, als der Mann in Frack und Zylinder auf dem von ihm erfundenen Vehikel, auf dem auch Kisten und Fässer standen, in schwindelerregender Höhe angelangt war und dann seinen Assistenten anwies, die Halteseile zu kappen. Ein kurzer Ruck, die Plattform wackelte, aber sonst passierte nichts. „Alles ganz sicher, meine Herren", versicherte der Mann, Elisha Otis, der mit dieser Vorführung im Jahre 1854 das Zeitalter des effizienten und absturzsicheren Aufzugs einläutete und damit die Welt der Mobilität innerhalb der Gebäude so veränderte, wie es ein paar Jahrzehnte später das Automobil außerhalb tun sollte. „Sicher und effizient" sind heute immer noch die wichtigsten Grundprinzipien im Aufzugbau, wobei aber die technologischen Anforderungen im Detail und weit über diese Grundprinzipien hinausgehend natürlich nicht mehr vergleichbar sind. Hoch standardisiert und dennoch möglichst flexibel im Einbau muss
Schindler-Aufzug mit Glaskabine und schwarzem Granitboden.
Schindler-Aufzug mit Glaskabine und schwarzem Granitboden.
In diesem Wohnhaus im 22. Wiener Bezirk erzielte Otis im Zuge der Aufzugmodernisierung die Energieeffizienzklasse A.
In diesem Wohnhaus im 22. Wiener Bezirk erzielte Otis im Zuge der Aufzugmodernisierung die Energieeffizienzklasse A.

Text: Hansjörg Preims

Blankes Entsetzen soll den Zuschauern im New Yorker Chrystal Palace im Gesicht gestanden haben, als der Mann in Frack und Zylinder auf dem von ihm erfundenen Vehikel, auf dem auch Kisten und Fässer standen, in schwindelerregender Höhe angelangt war und dann seinen Assistenten anwies, die Halteseile zu kappen. Ein kurzer Ruck, die Plattform wackelte, aber sonst passierte nichts. „Alles ganz sicher, meine Herren", versicherte der Mann, Elisha Otis, der mit dieser Vorführung im Jahre 1854 das Zeitalter des effizienten und absturzsicheren Aufzugs einläutete und damit die Welt der Mobilität innerhalb der Gebäude so veränderte, wie es ein paar Jahrzehnte später das Automobil außerhalb tun sollte.

„Sicher und effizient" sind heute immer noch die wichtigsten Grundprinzipien im Aufzugbau, wobei aber die technologischen Anforderungen im Detail und weit über diese Grundprinzipien hinausgehend natürlich nicht mehr vergleichbar sind. Hoch standardisiert und dennoch möglichst flexibel im Einbau muss er sein – der moderne Aufzug nach Maß, der nicht nur leistungsstark und sicher, sondern auch wirtschaftlich und energieeffizient im Betrieb ist und die Menschen komfortabel und möglichst schnell an ihr vertikales Ziel bringt. Mit ausgeklügelter Raumnutzung, platzsparenden maschinenraumlosen Optionen und maßgeschneiderten Kabinen sorgen die Hersteller dafür, dass sich jede Logistikherausforderung lösen lässt.

Ausgeklügelte Raumnutzung

Schindler etwa hat 2013 als neues Topprodukt den Typ 5500 präsentiert, der aufgrund eines individuellen Modulsystems verschiedene Einsatzbereiche – Wohngebäude, Geschäftshäuser und öffentliche Anlagen – abdeckt. Der Hersteller spricht von „Höchstleistungen dank neuester Entwicklungen bei Tragmitteln und Steuerungssystemen", wodurch mehr Fahrgäste und Güter noch schneller, leiser und vibrationsärmer befördert werden könnten. Für das Auge lassen verschiedene Designlinien die freie Wahl für vorkonfigurierte Kabinen oder eigene Konzepte. Damit der Aufzug „immer passt", können die Standardkabinengrößen in der Breite und Tiefe bis zu 100 Millimeter um die ISO-Standards herum angepasst werden. Auch die Kabinenhöhe ist variierbar bis zu 3.000 Millimeter. Abhängig von den Schachtmaßen stehen sowohl Minimaschinenraumlösungen als auch maschinenraumlose Lösungen zur Verfügung.

Was beim Schindler 5500 besonders beeindruckt, ist die Weiterentwicklung der ursprünglichen Zielrufsteuerung Miconic 10: die sogenannte Port-Technologie, die mit den Nutzern lenkt und interagiert. Mit diesem Verkehrsmanagementsystem gelangen die Fahrgäste laut Hersteller „schneller als mit jeder anderen Aufzugsteuerung zu ihrem Ziel und müssen dabei weniger Zwischenstopps einlegen". Der Fahrgast muss nur seine Identität und das gewünschte Ziel angeben, den Rest übernimmt das Port-System, und zwar so, dass die optimale Route mit nahtlosen Verbindungen und der kürzesten Fahrzeit gewählt wird. Durch die Gruppierung von Personen, die auf dasselbe Stockwerk fahren wollen, wird die Anzahl der Zwischenstopps reduziert und dadurch die Effizienz des Aufzugsystems verbessert. Als hocheffizient werden auch die regenerativen Antriebe beschrieben: Laut Hersteller verbraucht der Schindler 5500 bis zu 30 Prozent weniger Energie als vergleichbare Aufzüge. Der Antrieb kann sogar selbst Energie erzeugen, die ins Stromnetz (rück-)gespeist werden kann.

Energieeffizienzklasse A  auch bei Modernisierung

Die sparsamsten Aufzugmodelle am Markt sind die der „Energieeffizienzklasse A". Otis ist es laut eigenen Angaben nun als erstem Hersteller gelungen, diese Klassifizierung auch im Zuge der Aufzugmodernisierung zu erzielen – in einem Wohnhaus im 22. Bezirk in Wien. Der Aufzug brauche um bis zu 80 Prozent weniger Strom als davor, heißt es, dafür sorgten die bewährte Otis-GeN2-Gurttechnologie, der energierückgewinnende Antrieb ReGen und die LED-Fahrkorbbeleuchtung mit der automatischen Lichtabschaltung im Stillstand. Alle GeN2-Aufzüge von Otis sind seit 2010 standardmäßig mit dem energierückgewinnenden Antrieb ReGen ausgestattet.

Prüfungsgrundlage für den TÜV Austria bei der Ermittlung der Energieeffizienzklasse ist eine internationale Norm des Vereins Deutscher Ingenieure VDI vom Jahr 2009. Dabei wird zuerst die Energiebedarfsklasse eines Aufzugs beim Fahren und im Stillstand gemessen. Dann wird auf Basis der Art des Gebäudes und der Nutzung die Nutzungskategorie festgelegt. Diese bestimmt die durchschnittliche Fahr- und Stillstandszeit pro Tag, woraus rechnerisch mit dem gemessenen Energiebedarf und den durchschnittlichen Fahr- und Stillstandszeiten pro Tag die Energieeffizienzklasse ermittelt wird.

Maximale Förderhöhe verdoppelt

Hoch, höher, am höchsten – mit dieser weltweiten Entwicklung der Gebäude wachsen naturgemäß auch die Herausforderungen für die Aufzugbereitsteller. So hat Kone im vergangenen Jahr eine neue Aufzugtechnologie für Hochhäuser präsentiert, die, so der Hersteller, „die bisher mögliche maximale Förderhöhe verdoppelt". Möglich mache dies die neue Aufzugmaschinentechnologie Kone UltraRope, welche die Nachteile herkömmlicher Stahlseile eliminiere und damit im Hochhausbau neue Möglichkeiten eröffne, heißt es.

UltraRope besteht aus einem Kohlefaserkern mit einer High-Friction-Beschichtung und ist deshalb extrem leicht. Dadurch lässt sich der Energieverbrauch von Hochhausaufzügen erheblich absenken, denn durch das geringere Seilgewicht reduziert sich die zu bewegende Gesamtmasse des Aufzugs. Diese umfasst das Gewicht aller Teile, die sich während der Auf- und Abfahrt eines Aufzugs bewegen, einschließlich Aufzugseilen, Kompensationsseilen, Gegengewicht, Aufzugkabine und Förderlast. Und da die Seile einen erheblichen Teil des Gesamtgewichts der zu bewegenden Aufzugmasse ausmachen, nehmen die Vorteile des neuen Kone-System mit zunehmender Förderhöhe exponentiell zu. Da Kohlefasern auf völlig anderen Frequenzen mitschwingen als Stahl und die meisten anderen Baumaterialien, werden außerdem die Standzeiten des Aufzugs infolge von Gebäudeschwingungen reduziert.

Die Lebensdauer von UltraRope wird vom Hersteller als „mindestens doppelt so lang wie die eines herkömmlichen Stahlseils" angegeben. Ein weiterer – umweltrelevanter – Vorteil ist, dass durch die Spezialbeschichtung keine Schmierung bei der Wartung erforderlich ist. Die Anzahl hoher Gebäude hat in den vergangenen Jahren weltweit zugenommen, und die hohen Häuser werden immer höher. Laut dem amerikanischen „Council on Tall Buildings and Urban Habitat" (CTBUH) sind rund 600 Gebäude, die 200 Meter hoch sind oder höher, derzeit im Bau oder in Planung. Drei Gebäude, welche die 500-Meter-Marke überschreiten, gibt es bereits, und es ist geplant, noch weitere 20 solcher Gebäude in den nächsten Jahren zu bauen. Hinzu kommen aktuell noch etwa 3.000 Gebäude auf der Welt, wo man sich bei Kone erwartet, von einer Modernisierung mit UltraRope profitieren zu können.