2015 – Das Jahr, in dem wir die Komfortzone verlassen haben

12.01.2016

 
Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Die Fülle der Ereignisse dieses Jahres hätte früher sicher für fünf bis zehn Jahre gereicht. Das führt uns vor Augen, wie komplex die globalisierte Welt geworden ist und wie sehr wir Lösungen nur mehr gemeinsam und über Grenzen hinweg entwickeln können.
Michael Pisecky ist Wiener Fachgruppenobmann und Berufsgruppensprecher der österreichischen Immobilienmakler.
Michael Pisecky ist Wiener Fachgruppenobmann und Berufsgruppensprecher der österreichischen Immobilienmakler.

Ein Kommentar von Michael Pisecky.

 Das Jahr begann mit fürchterlichen Terrorakten in Paris. Die neuerlichen Anschläge vor wenigen Tagen, wieder in Paris, zeigen, dass scheinbar entfernte Konflikte in unser Europa und in unseren Alltag vorgedrungen sind. Die Interventionen des Westens haben mit dazu beigetragen, dass Machtgefüge verändert wurden und Machtvakua entstanden sind, die die Entwicklung extremer Gruppen ermöglicht haben. Dies wird uns länger beschäftigen, erhöhte Ressourcen an Geld und Personen binden und unsere Aufmerksamkeit in einem hohen Maße fordern.

Kaum Lösung in Sicht
Das Jahr zeigt uns auch, dass es neben den Supermächten starke Regionalmächte gibt, die ohne Rücksicht ihre Interessen verfolgen und zu extrem komplexen Machtverhältnissen im Nahen Osten führen. Es ist wirklich schwierig, über eine Lösung im Nahen Osten und speziell in Syrien zu verhandeln, wenn man an die 20 Teilnehmer zu einem Gespräch einlädt und noch gar nicht weiß, ob nun alle Beteiligten dabei sind. Dieser Konflikt löst Flüchtlingswellen aus, wo die Entscheidungskraft und Solidarität der EU schon bei knapp einer Million Flüchtlingen wankt, weil uns das Vorhersehbare völlig unvorbereitet trifft und wir nicht mehr wissen, wer kommt, wer geht und wer noch da ist. Da wird auch das Helfen richtig schwierig.

Das Jahr hat wirtschaftlich begonnen mit einer schlagartigen Auflösung der Schweizer Frankenbindung an den Euro, hat praktisch weltweit und vor allem in Europa wenig Konjunkturerholung ermöglicht und gipfelt mit dem Betrugs­skandal des größten, weltweiten Autobauers. Es gibt immer weniger verlässliche Parameter für Planungen und Investitionen. Alte Rezepte der Konjunkturbelebung wirken kaum, die Geldschwemme der EZB verpufft, globale Einflüsse machen es immer mehr Firmen schwerer, erfolgreich zu sein. Dann kommt noch die Reglementierungswut und die Belastungspolitik der EU und der österreichischen Regierung hinzu.

Ende der Komfortzone
Dieses Jahr hat uns einfach aus der Komfortzone geworfen. Was wir jedoch beibehalten haben – regional, national und auf EU-Ebene – ist die Herangehensweise an die neuen komplexen und überregionalen Herausforderungen. Wir schaffen diese mit unserer auf Schönwetter und Wahrung der Eigeninteressen ausgerichteten Struktur ziemlich schlecht, in den Bundesländern, im Bund und in Europa. 

In Österreich hat sich auch noch wenig geändert: Die Finanzierung des Wohlfahrtstaates stößt auf Probleme. Das Wirtschaftswachstum, mit dem wir so lange die Versprechen der Regierung irgendwie gerade noch finanziert haben, fehlt. Wir stellen fest, dass die Wirtschaft zu wenig investiert, wir erinnern uns, was wir schon wussten, dass unsere Wirtschaft in Europa eine investitionsgetriebene ist und nicht eine konsumgetriebene, wie die südlichen Länder Europas im vergangenen Jahrzehnt dramatisch feststellen mussten. 
Warum investieren die Unternehmen weniger? Weil man nicht mehr berechnen kann, was nicht noch auf die Unternehmen zukommt aus umwelt-, sozial- und steuerpolitischer Sicht, ganz zu schweigen, was noch an Normen und Verfahrensweisungen neu zu beachten ist. Kurz und gut, es gibt keinen Erwartungsschutz und keine Erwartungszuversicht zu investieren und damit auch die Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg zu vergrößern. Dann kommt eine Steuerreform, die richtigerweise die Einkommensteuersätze senkt, um durch mehr Konsum auch positiv auf die wirtschaftliche Lage zu wirken, um dann in der Gegenfinanzierung die Wirtschaft zu belasten – allein die Immobilienwirtschaft mit 500 Millionen Euro – noch nicht einberechnet, was man sich durch die Registrierkassenpflicht von allen Branchen, sicher auch von unserer, darüber hinaus noch erhofft einzunehmen.

Zu viele Reglementierungen und Gesetze
Die Behörden und auch die Arbeiterkammer verstärken die Belastung durch eine wachsende Zahl an Prüfungen, zuletzt die Angaben bei Mietinseraten und nun auch die Geschäftsbedingungen oder die Einhaltung der Geldwäscherichtlinien. Das hilft einem Unternehmer wirklich weiter, danke. Auch der redliche, bemühte Unternehmer kann heute nicht mehr alle Gesetze und Regelungen einhalten, denn es sind einfach zu viele! Wir überlasten die Betriebe, und da meine ich vorerst gar nicht die finanziellen Belastungen, sondern die Auflagen, die zu beachten sind, um ein Unternehmen zu führen. Die ganz großen Unternehmen und deren Verantwortliche sagen es immer lauter, und wir laufen Gefahr, dass sie Standorte ins Ausland verlagern. Im Bereich der KMUs und EPUs jedoch führt es zur (Zer-)Störung des Rückgrats unserer Wirtschaft.

Missstände und Ungleichheiten werden wir nicht mit noch mehr Regeln verhindern können, aber wir verunmöglichen es den guten Betrieben, erfolgreich zu wirtschaften. Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen dafür, dass noch mehr umverteilt werden soll und die Handlungen von Konsumenten keine nachteiligen Konsequenzen mehr haben dürfen, weil sie ohnehin von allem zurücktreten dürfen, das lesen. Warum? Weil wir die Wirtschaft entlasten müssen, bevor unsere fleißigen „Umverteiler“ draufkommen, dass es nichts mehr zum Verteilen gibt. Dann ist es einfach zu spät. Wir brauchen wieder die Initiative der Unternehmen und Leistungsträger, schaffen wir ein Innovations- und Investitionsklima.

Ich wünsche Ihnen alles Gute zum Jahreswechsel, und 2016 fangen wir neu an. 

Das Jahr neigt sich dem Ende zu. Die Fülle der Ereignisse dieses Jahres hätte früher sicher für fünf bis zehn Jahre gereicht. Das führt uns vor Augen, wie komplex die globalisierte Welt geworden ist und wie sehr wir Lösungen nur mehr gemeinsam und über Grenzen hinweg entwickeln können. Das Jahr begann mit fürchterlichen Terrorakten in Paris. Die neuerlichen Anschläge vor wenigen Tagen, wieder in Paris, zeigen, dass scheinbar entfernte Konflikte in unser Europa und in unseren Alltag vorgedrungen sind. Die Interventionen des Westens haben mit dazu beigetragen, dass Machtgefüge verändert wurden und Machtvakua entstanden sind, die die Entwicklung extremer Gruppen ermöglicht haben. Dies wird uns länger beschäftigen, erhöhte Ressourcen an Geld und Personen binden und unsere Aufmerksamkeit in einem hohen Maße fordern.
Kaum Lösung in SichtDas Jahr zeigt uns auch, dass es neben den Supermächten starke Regionalmächte gibt, die ohne Rücksicht ihre Interessen verfolgen und zu extrem komplexen Machtverhältnissen im Nahen Osten führen. Es ist wirklich schwierig, über eine Lösung im Nahen Osten und speziell in Syrien zu verhandeln, wenn man an die 20 Teilnehmer zu einem Gespräch einlädt und noch gar nicht weiß, ob nun alle Beteiligten dabei sind. Dieser Konflikt löst Flüchtlingswellen aus, wo die Entscheidungskraft und Solidarität der EU schon bei knapp einer Million Flüchtlingen wankt, weil uns das Vorhersehbare völlig unvorbereitet trifft und wir nicht mehr wissen, wer kommt, wer geht und wer noch da ist. Da wird auch das Helfen richtig schwierig.Das Jahr hat wirtschaftlich begonnen mit einer schlagartigen Auflösung der Schweizer Frankenbindung an den Euro, hat praktisch weltweit und vor allem in Europa wenig Konjunkturerholung ermöglicht und gipfelt mit dem Betrugs­skandal des größten, weltweiten Autobauers. Es gibt immer weniger verlässliche Parameter für Planungen und Investitionen. Alte Rezepte der Konjunkturbelebung wirken kaum, die Geldschwemme der EZB verpufft, globale Einflüsse machen es immer mehr Firmen schwerer, erfolgreich zu sein. Dann kommt noch die Reglementierungswut und die Belastungspolitik der EU und der österreichischen Regierung hinzu.
Ende der KomfortzoneDieses Jahr hat uns einfach aus der Komfortzone geworfen. Was wir jedoch beibehalten haben – regional, national und auf EU-Ebene – ist die Herangehensweise an die neuen komplexen und überregionalen Herausforderungen. Wir schaffen diese mit unserer auf Schönwetter und Wahrung der Eigeninteressen ausgerichteten Struktur ziemlich schlecht, in den Bundesländern, im Bund und in Europa. In Österreich hat sich auch noch wenig geändert: Die Finanzierung des Wohlfahrtstaates stößt auf Probleme. Das Wirtschaftswachstum, mit dem wir so lange die Versprechen der Regierung irgendwie gerade noch finanziert haben, fehlt. Wir stellen fest, dass die Wirtschaft zu wenig investiert, wir erinnern uns, was wir schon wussten, dass unsere Wirtschaft in Europa eine investitionsgetriebene ist und nicht eine konsumgetriebene, wie die südlichen Länder Europas im vergangenen Jahrzehnt dramatisch feststellen mussten. Warum investieren die Unternehmen weniger? Weil man nicht mehr berechnen kann, was nicht noch auf die Unternehmen zukommt aus umwelt-, sozial- und steuerpolitischer Sicht, ganz zu schweigen, was noch an Normen und Verfahrensweisungen neu zu beachten ist. Kurz und gut, es gibt keinen Erwartungsschutz und keine Erwartungszuversicht zu investieren und damit auch die Chancen auf wirtschaftlichen Erfolg zu vergrößern. Dann kommt eine Steuerreform, die richtigerweise die Einkommensteuersätze senkt, um durch mehr Konsum auch positiv auf die wirtschaftliche Lage zu wirken, um dann in der Gegenfinanzierung die Wirtschaft zu belasten – allein die Immobilienwirtschaft mit 500 Millionen Euro – noch nicht einberechnet, was man sich durch die Registrierkassenpflicht von allen Branchen, sicher auch von unserer, darüber hinaus noch erhofft einzunehmen. 
Zu viele Reglementierungen und GesetzeDie Behörden und auch die Arbeiterkammer verstärken die Belastung durch eine wachsende Zahl an Prüfungen, zuletzt die Angaben bei Mietinseraten und nun auch die Geschäftsbedingungen oder die Einhaltung der Geldwäscherichtlinien. Das hilft einem Unternehmer wirklich weiter, danke. Auch der redliche, bemühte Unternehmer kann heute nicht mehr alle Gesetze und Regelungen einhalten, denn es sind einfach zu viele! Wir überlasten die Betriebe, und da meine ich vorerst gar nicht die finanziellen Belastungen, sondern die Auflagen, die zu beachten sind, um ein Unternehmen zu führen. Die ganz großen Unternehmen und deren Verantwortliche sagen es immer lauter, und wir laufen Gefahr, dass sie Standorte ins Ausland verlagern. Im Bereich der KMUs und EPUs jedoch führt es zur (Zer-)Störung des Rückgrats unserer Wirtschaft.Missstände und Ungleichheiten werden wir nicht mit noch mehr Regeln verhindern können, aber wir verunmöglichen es den guten Betrieben, erfolgreich zu wirtschaften. Ich wünsche mir, dass die Verantwortlichen dafür, dass noch mehr umverteilt werden soll und die Handlungen von Konsumenten keine nachteiligen Konsequenzen mehr haben dürfen, weil sie ohnehin von allem zurücktreten dürfen, das lesen. Warum? Weil wir die Wirtschaft entlasten müssen, bevor unsere fleißigen „Umverteiler“ draufkommen, dass es nichts mehr zum Verteilen gibt. Dann ist es einfach zu spät. Wir brauchen wieder die Initiative der Unternehmen und Leistungsträger, schaffen wir ein Innovations- und Investitionsklima.Ich wünsche Ihnen alles Gute zum Jahreswechsel, und 2016 fangen wir neu an.