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Philipp Reisinger, Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Tirol: „Mittel- bis langfristig werden vorsichtige Umwidmungen von Agrar- und Waldflächen in den an Siedlungsraum angrenzenden Bereichen zu Bauland nicht ausbleiben können.“

Eine Frage der Mobilisierung

06.11.2019

Die in Tirol als Bauland gewidmeten, aber nicht bebauten Flächen entsprechen fast der Größe des gesamten Stadtgebietes von Kufstein. Deren Mobilisierung – bloß wie? – würde den Aufwärtstrend bei den Immobilienpreisen bremsen.

Wenn es um saftige Preissprünge innerhalb Österreichs geht, landet man meist rasch bei Tirol. Philipp Reisinger, Fachgruppenobmann der Tiroler Immobilien- und Vermögenstreuhänder, merkt dazu an: „Die Berichterstattung über exorbitant gestiegene Immobilienpreise in den Medien lassen vielfach übereilte Schlüsse zu beziehungsweise verstärken Sorgen um die Verfügbarkeit von Bauland für Einheimische in den nächsten Jahren. Richtig ist, dass sich bei näherer Betrachtung dieser zum Teil nicht vergleichbaren Zahlen und Daten einiges relativiert.“

Unbestritten ist freilich der Umstand, dass Tirol als attraktive Bergregion einem enormen Druck unterworfen ist, was die Verfügbarkeit und das Angebot von Bauland angeht. Dabei entsprechen die als Bauland gewidmeten, aber nicht bebauten Flächen beinahe der Größe des gesamten Stadtgebietes von Kufstein. Auch mit von der Landesregierung angedachten Lenkungsmaßnahmen wird jedoch eine rasche Verfügbarkeit dieser Flächen kaum gelingen. Insofern sind Grund und Boden weiterhin einer Teuerung unterworfen. Daran werden laut Reisinger auch sogenannte „Vorbehaltsflächen“ gemäß der Tiroler Raumordnung nichts ändern. Wie Beispiele aus anderen Bundesländern zeigen, gelangen diese nur zögerlich oder überhaupt nicht auf den Markt.

Ungeliebte Nachverdichtung

„Wir glauben, dass nur eine deutliche Mobilisierung von Bauland den stetigen Aufwärtstrend in der Preisstruktur bremsen kann. Die in der Tiroler Raumordnung geschaffenen Möglichkeiten der Nachverdichtung und Hochzonung stoßen bei Anrainern und Nachbarn von Bauvorhaben stets auf heftige Widerstände und bieten so keine wirkliche Entspannung auf dem Wohnungsmarkt“, meint Reisinger. Mittel- bis langfristig werden darüber hinaus vorsichtige Umwidmungen von Agrar- und Waldflächen in den an Siedlungsraum angrenzenden Bereichen zu Bauland nicht ausbleiben können.

Apropos Bauvorhaben: Die gemeinnützigen Bauträger decken gemäß Reisinger den Bedarf für soziales Wohnen gut ab. Es bleibt jedoch der Wermutstropfen, dass es den gewerblichen Bauträgern im urbanen Bereich Tirols kaum mehr gelingt, leistbares Wohnen für mittlere bis bessere Verdiener in Form von Eigentum herzustellen. Dazu sind Grund und Boden zu hochpreisig; Exklusivwohnbau drängt sich auf. Die Forderung der Tiroler Fachgruppe an die Politik lautet daher, die Förderungsmittel nicht mehr nur einseitig in den Mietwohnbau zu stecken, sondern die nachhaltige Eigentumsbildung durch verbesserte Subjektförderungspakete zu unterstützen.

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