Unternehmertum ist eng mit Erfüllung und der eigenen Identität verbunden. Sich als Unternehmensgründer mit nahendem Pensionsantrittsalter von seinem beruflichen Lebenswerk zu trennen, kann herausfordernd sein. Mitunter wird das Nachfolgethema hinausgeschoben. „Die meisten fangen zu spät an“, weiß Christian Hener, Managing Partner bei EO Executives Österreich, der Unternehmer in Nachfolgeprozesses begleitet. Er betont: „Je älter man wird, desto schwieriger ist es, sich mit dem Change- und Transition-Management auseinanderzusetzen.“ Oft sei es ein plötzliches Ereignis, wie etwa eine Krankheit, die den Abschied dann zwangsweise notwendig mache. „Viele wissen nicht, wann genug ist“, sagt Margret Funk, Gründerin von Funk Immobilien: „Man muss sich darauf einstellen und möglichst uneitel sein. Mancher denkt, er sei der Einzige und Beste, der den Betrieb so gut führen kann. In der Fülle des Lebens glaubt man oft nicht, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr so fähig ist, sich an die ständigen Veränderungen anzupassen.“ Loszulassen war für Funk kein Thema: „Ich war immer selbstständig, hatte nicht das Bedürfnis, in Pension zu gehen, und dachte selbst mit 63 noch nicht daran, sie zu beantragen. Dennoch wusste ich, ich muss mich darum kümmern – zumal keines meiner beiden Kinder aufgrund gänzlich anderer Berufswege die Firma übernehmen wollte. Sie zu schließen hätte mir sehr leidgetan, unabhängig von finanziellen Überlegungen. Mein Ziel war, dass das Unternehmen weiterlebt. Also fing ich rund um den 60er an, nach einem Nachfolger Ausschau zu halten.“

Ein strategischer Prozess

Sich besser früher als später mit einem Ausstieg auseinandersetzen hat mehrere Gründe. Die Nachfolgesuche kann länger dauern als geplant – in der Immobilienbranche, in der Fachkräfte zum Teil Mangel sind, ein nicht zu unterschätzender Faktor. Außerdem lassen sich dadurch unvorhergesehene Ereignisse besser abgefangen. Und auch die Aufbereitung aller Unternehmensdaten beispielsweise für eine Due Diligence oder die Abwicklung steuerlich vorteilhafter Konstrukte sowie die gesamte Kauf- und Übergabeabwicklung nehmen oftmals mehr Zeit in Anspruch als vermutet. Mit den Vorbereitungen für eine Unternehmensübergabe sollte laut Hener idealerweise spätestens rund zwei Jahre vor dem geplanten Ausscheiden des Eigentümers begonnen werden. Empfehlenswert sei jedenfalls, wenn der Nachfolger, egal ob aus der Familie oder von außen kommend, schon drei bis fünf Jahre davor im Unternehmen mitgearbeitet habe.
Ein professionell gestaltetes Nachfolgemanagement ist schließlich weit mehr als eine juristische oder steuerliche Angelegenheit. Es ist ein strategischer Prozess, der über den langfristigen und werthaltigen Fortbestand des Unternehmens sowie die Sicherung von Arbeitsplätzen entscheidet. Die Tatsache, dass in eigentümergeführten (Immobilien-) Unternehmen Kundenbeziehungen, Mandate, die Marktstellung und das Know-how oftmals stark an den Gründer gekoppelt sind, kann diesen Prozess verkomplizieren. „Unter Berücksichtigung aller Aspekte ist eine Firmenübergabe eine komplexe Angelegenheit,“ betont Hener. Eine frühzeitige Nach-folgeplanung ermöglicht es allerdings, Abhängigkeiten schrittweise zu reduzieren und Strukturen zu schaffen, die auch ohne den bisherigen Inhaber tragfähig sind. Was es dafür allen voran braucht, ist „Klarheit seitens der Abgeber“, sagt Bernhard Kramer-Drauberg, seit November gemeinsam mit Gregor Roesler-Schmidt Geschäftsführer der von Alfons Metzger mittels eines Share Deals erworbenen Hausverwaltung. Und weiter: „Es macht einen Unterschied, ob bloß über einen möglichen Rückzug irgendwann in der Zukunft sinniert wird oder die konkrete Entscheidung gefallen ist und bereits entsprechende Vorbereitungen getroffen werden. Wenn man etwas übergeben will und nicht weiß, was man überhaupt zu bieten hat, wird es schwierig, einen Nachfolger zu finden.“ Roesler-Schmidt ergänzt: „Sich aus dem selbst aufgebauten Geschäft zurückzuziehen kostet sicher viel Selbstdisziplin. Anzuerkennen, dass es der Nachfolger anders macht, ist bestimmt eine harte Übung für einen Selfmade-Unternehmer.“

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„Man darf sich nicht so wichtig nehmen. Wenn es aus ist, ist es aus. Hätte ich nicht selbst jemanden gefunden, hätte ich mir bei der Suche Hilfe von Spezialisten geholt“, so Margret Funk, deren berufliche Ursprünge in der Personalberatung liegen.
Gregor Roesler-Schmidt, Geschäftsführer der Alfons Metzger Hausverwaltung: „Es kamen ab Tag eins viele Themen auf einmal: Kunden und Mitarbeiter vom Fortbestehen überzeugen, sich in das System einarbeiten, gleichzeitig das Tagesgeschäft abwickeln und nebenbei Modernisierungsmöglichkeiten erkennen undaufgreifen.“

Wertschätzung wichtig

Trotz der klaren Entscheidung führte Funk mehrere, „nicht unerfreuliche“ Gespräche mit möglichen Kandidaten. Fündig wurde die ehemalige Studiengangsleiterin „Immobilienmanagement“ der FH Wiener Neustadt dann allerdings unter ihren Studenten: „Ich habe in einer Vorlesung erzählt, dass ich jemanden suche. Daraufhin ist Georg Flödl auf mich zugekommen.“ Flödl begann, neben seinem Studium bei Funk mitzuarbeiten, und wurde von ihr unterstützt. „Nachdem das Geschäft viele Jahre gemeinsam so gut lief und ich sah, dass er nicht nur das Zeug und die Begeisterung für das Immobiliengeschäft hat, sondern auch ein Unternehmertyp ist, stellte ich ihm die entscheidende Frage“, erzählt Funk, die das Unternehmen 2013 schließlich an Flödl verkaufte und sich schrittweise zurückzog. Der Übergang sei fließend erfolgt, sagt die mittlerweile 82-Jährige: „Er hat das weitergeführt und -entwickelt, was ich aufgebaut habe. Außer meinem Namen hat das Unternehmen heute kaum noch etwas mit mir zu tun.“ Die geglückte, reibungslose Nachfolge sieht sie ebenso in der beiderseitigen Wertschätzung und in gegenseitigem Vertrauen begründet.

Absicherung vorteilhaft

Über gänzlich andere Wege und ohne Einarbeitungszeit kam es bei Roesler-Schmidt und Kramer- Drauberg zur Übernahme der Hausverwaltung des mittlerweile 84 jährigen Alfons Metzger. Durch ihr Netzwerk erfuhren sie von seiner Nachfolgesuche und traten daraufhin mit ihm in Kontakt. „Als sich zeigte, dass die fachliche Ausrichtung, die Mandatsstruktur sowie unsere Werte zusammenpassen, verfolgten wir den Ankauf weiter“, berichtet Kramer- Drauberg. „Wir kommen aus dem Maklergeschäft und sind selbst Immobilieneigentümer, kennen Hausverwaltungsthematiken bereits aus dieser Perspektive. Die Übernahme war für uns eine logische Erweiterung unserer ‚Werkbank‘ als Immobilientreuhänder“, ergänzt Roesler-Schmidt, der einen Vorteil darin sieht, „keine Vorprägung als Hausverwalter“ zu haben: „Wir gehen mit einem anderen Blickwinkel an die neue Aufgabe heran.“ Die größte Herausforderung sei gewesen, die Übernahme so aufzusetzen, dass die Kontinuität für Mandate, Eigentümer und Liegenschaften gewährleistet bleibe: „Manche Geschäftsbeziehungen reichen bis in die 1980er-Jahre zurück, und bei fast allen Kunden gibt es einen starken persönlichen Bezug zu Alfons.“ Die beiden waren zwar nicht die ersten Kaufinteressenten.
Den Unterschied machte dieses Mal: die Chemie. „Das Zwischenmenschliche ist das Allerwichtigste. Wir waren uns einig, noch bevor es ein Vertragswerk gab. Die Preisthematik war dabei zweitrangig“, sagt Roesler-Schmidt. Vom ersten Gespräch über die Klärung der Finanzierung bis hin zur Kaufvertragsunterzeichnung verging daher auch weniger als ein Dreivierteljahr. „Nachdem der Kauf feststand, erhielten wir im Rahmen einer ausführlichen Due Diligence uneingeschränkt Einblick ins Unternehmen. Alfons unterstützte uns stets und steht bei Fragen nach wie vor zur Verfügung. Das gibt Sicherheit in der Übergangsphase, insbesondere bei historisch gewachsenen Mandaten. Aus dem Geschäftlichen hält er sich vollkommen heraus“, berichtet Kramer-Drauberg. Um das Übernahmerisiko zu minimieren, wurden mit Metzger zusätzlich Haftungsübernahmen und Absicherungen vertraglich geregelt. Die beiden wollen nun auf ihre Art Metzgers Lebenswerk behutsam modernisieren, weiterentwickeln und ausbauen. Der Firmenname bleibt aufgrund der etablierten Marke erhalten, wenngleich es in Sachen Unternehmensauftritt „einen Refresh“ geben wird. Die Beispiele zeigen: Für den bestmöglichen Ablaufe einer Nachfolge gibt es keine Standardlösung. Es zeigt sich allerdings, dass sich mit der Öffnung seitens der Abgeber für den Übergabeprozess über kurz oder lang meist die geeigneten Nachfolger und das passende Ausstiegsszenario finden.

Services für erfolgreiche Nachfolgen

◼ Leitfaden zur Betriebsnachfolge: „Einfach nachfolgen. Leitfaden zur Betriebsnachfolge“, https://www.wko.at/oe/gruendung/lf-nachfolge.pdf
◼ Gründerservice sowie Bezirks- und Regionalstellen der Wirtschaftskammern
◼ Nachfolgebörse: österreichweite Online-Börse, in der Betriebe um Nachfolger werben können, www.nachfolgeboerse.at
◼ Veranstaltungen rund um das Thema Betriebsnachfolge: www.jungewirtschaft.at/veranstaltungen
◼ Weiters interessant: https://www.finanz.at/business/betriebsuebergabe/,
https://www.oerak.at/buergerservice/rechtsgebiete/betriebsuebergabe/