Eine deutliche Mehrheit von fast 70 Prozent bewertet die Auswirkungen des Bestellerprinzips als negativ oder sehr negativ. Positive Einschätzungen bleiben selten, während ein Anteil von 22 Prozent zumindest von gemischten Effekten spricht. In vielen Rückmeldungen wird deutlich, dass sich das Angebot reduziert hat und Prozesse komplexer geworden sind. Wohnungssuchende berichten von weniger Auswahl und gleichzeitig weniger Betreuung. Eigentümer agieren zurückhaltender, während sich die Vermarktung stärker auf Geschwindigkeit und Effizienz konzentriert.
Parallel dazu zeigt sich eine klare Verschiebung in der Rolle der Branche. Knapp die Hälfte der Befragten sieht einen Bedeutungsverlust für Immobilienmakler. Nur ein kleiner Teil (ca. sieben Prozent) erkennt eine steigende Relevanz. Das verweist auf eine zentrale Konsequenz des Bestellerprinzips: Wer die Leistung bezahlt, hinterfragt sie stärker. Gleichzeitig entsteht aufseiten der Wohnungssuchenden ein Spannungsfeld zwischen Erwartung und tatsächlicher Leistung.
Tiefe Einblicke
Die Auswertung der offenen Antworten liefert besonders tiefe Einblicke. Auf die Frage, welche Leistungen stärker ins Bewusstsein rücken, zeigen sich zwei gegensätzliche Entwicklungen. Ein Teil der Befragten nennt klassische Kernleistungen, die nun bewusster wahrgenommen werden. Dazu zählt vor allem die Beratung. Mehrfach wird explizit auf das Wissen rund um den Mietvertrag hingewiesen, ebenso um rechtliche Rahmenbedingungen wie das Mietrechtsgesetz, Energieausweise oder Prüfprotokolle. Diese fachliche Kompetenz wird als zentrale Stärke gesehen. Auch die Erstellung nachvollziehbarer Exposés, die strukturierte Durchführung von Besichtigungen sowie die gesamte Abwicklung des Mietvertrags werden als wichtige Leistungen genannt. Ebenso spielt die Vorauswahl von Bewerbern und deren Bonitätsprüfung eine wesentliche Rolle. Gerade in Märkten mit hoher Nachfrage wird der Einfluss der Makler auf die Entscheidungsfindung der Vermietenden als bedeutend beschrieben. Ein weiterer häufig genannter Punkt ist die Organisation. Terminabstimmungen, Erreichbarkeit und die Koordination zwischen allen Beteiligten werden als zeitintensiv, aber wertvoll wahrgenommen.
Verändertes Verhalten
Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine zweite, deutlich kritischere Perspektive. Viele Antworten machen klar, dass Leistungen aus Sicht der Wohnungssuchenden heute oft gar nicht mehr erbracht werden. Aussagen wie „keine Beratung mehr, keine Leistung“ oder „keine Betreuung mehr“ ziehen sich durch zahlreiche Rückmeldungen. Mehrfach wird darauf hingewiesen, dass ohne Provisionszahlung auch das Gefühl eines Vertragsverhältnisses fehlt. Wohnungssuchende erleben Makler nicht mehr als ihre Ansprechpartner, sondern primär als Vertreter der Vermieter. Daraus entsteht ein deutlicher Vertrauensverlust.
Ein Thema ist zudem ein verändertes Verhalten der Wohnungssuchenden. Termine werden kurzfristiger abgesagt oder gar nicht wahrgenommen, mehrere Bewerbungen parallel abgegeben und Entscheidungen revidiert. Gleichzeitig wird von einem Gratisbewusstsein gesprochen, das die Wertschätzung für Dienstleistungen sinken lässt.
Mehrwert aktiv vermitteln
Die Ergebnisse unserer Umfrage zeigen deutlich, dass das Bestellerprinzip die Branche in eine neue Phase zwingt. Die Rolle der Makler ist erklärungsbedürftiger geworden. Fachwissen, rechtliche Sicherheit, strukturierte Prozesse und Marktkenntnis bleiben zentrale Leistungen. Sie müssen sichtbar gemacht und aktiv kommuniziert werden. Das Bestellerprinzip hat damit nicht nur die Kostenverteilung verändert, sondern auch die Spielregeln. Etwas Bemerkenswertes zum Schluss: 69 Prozent der Teilnehmer sind aktuell keine Mitglieder auf
www.immomarktplatz.at, gleichzeitig kennen 13,5 Prozent die Plattform gar nicht! ■