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In keiner anderen Landeshauptstadt ist Baugrund für Wohnimmobilien so teuer wie in Salzburg.

Weniger Normen, schnellere Verfahren etc.

10.09.2019

Kürzlich wurde in Salzburg ein – in der Theorie sehr gut klingendes – Maßnahmenpaket für leistbares Bauen und Wohnen präsentiert.

Eine „starke“ Zahl: Laut dem aktuellen Immobilienpreisspiegel des Fachverbands der Immobilien- und Vermögenstreuhänder kostet der Quadratmeter Baugrund für Wohngebäude in Salzburg-Stadt heuer durchschnittlich 913,03 Euro. Das ist einerseits um 4,78 Prozent mehr als im Vorjahr, andererseits der höchste Wert in einer Landeshauptstadt Österreichs. Gerald Hubner, der Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in Salzburg, bringt dazu auf den Punkt: „Auf dem hiesigen Markt gibt es zwei Preistreiber. Nämlich der rar vorhandene Grund und Boden in der Stadt Salzburg sowie die das gesamte Bundesland betreffenden, mittlerweile überbordenden Bau- und Herstellungskosten.“

Ein ressort- und parteiübergreifendes Maßnahmenpaket, das Landesrat Josef Schwaiger und Landesrätin Andrea Klambauer am 1. August präsentierten, soll Wohnen für die Salzburger (wieder) leistbar machen. „Wir wollen dazu die politischen Rahmenbedingungen schaffen. Punkt Nummer 1 ist ein neues Maßnahmengesetz, das noch heuer fertig sein wird“, so die beiden Politiker. Das Gesetz ist auf fünf Jahre befristet. Was gut funktioniert und sich bewährt, kann langfristig in den jeweiligen Gesetzen verankert werden. Andere Paragraphen können angepasst oder auch nicht weiter angewendet werden.

Wohnungen auf Supermärkten

Zu den umzusetzenden Punkten gehört als zentrale Maßnahme ein Pilotgesetz, das die Rahmenbedingungen schafft, mit Vereinbarungen und gezielter Normreduktion die Bau- und Mietpreise zu senken. Das Maßnahmengesetz wird darüber hinaus ermöglichen, auf widmungsfähigen Grundstücken im Anschluss an Bauland Wohnungen zu errichten. So sollen lange Vorlaufzeiten vermieden werden. Die Genehmigung erfolgt hier im vereinfachten Verfahren durch die Baubehörde. Das bedeutet eine große Vereinfachung für die Gemeinde. Bisher war das nur für Bauvorhaben bis zu 4.000 Kubikmeter möglich, dann auch für größere Einheiten.

Weiters sollen in Zukunft die Dachflächen von Supermärkten für Wohnungen genutzt werden. „Das finde ich grundsätzlich sehr gut. Der Flächenverbrauch für Verbrauchermärkte ist schließlich sehr hoch und die Kompatibilität mit einer Wohnnutzung ist durchaus gegeben“, meint dazu Hubner.

Neuer Bautyp

Ein Beispiel, wie das neue Maßnahmenpaket ressortübergreifend wirkt, bildet der neue geplante Bautyp. Er ist von vielen baurechtlichen Anforderungen befreit. So werden nicht alle bereits als „Standard“ wahrgenommenen Ausstattungselemente wie Lift, Keller, Waschküche oder Kinderspielplatz verbindlich vorgeschrieben sein. Zudem darf dichter und höher gebaut werden, was weniger Flächen versiegelt. Wohnungen werden so errichtet, dass sie auf Barrierefreiheit nachrüstbar sind. Außerhalb der Wohnungen gilt Barrierefreiheit; ein Lift muss zumindest nachrüstbar sein. Zwar soll das Bauen und Wohnen durch das Maßnahmenpaket leistbar und in Sachen Genehmigungen, Verfahren und Bürokratie einfacher werden. Doch es gibt Punkte, bei denen keine Kompromisse anstehen: Brandschutz, Sicherheit, Barrierefreiheit, Klima und Energieziele.

Hubner resümiert: „Das Paket wirkt auf dem Papier gut, vor allem der Eingriff bei den Bautechnikgesetzen. Ich würde mich freuen, so wir aufgrund dieser Maßnahmen eine Entspannung am Salzburger Wohnungsmarkt erleben können.“

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