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So wird die Mikro-Apartment-Anlage, die in Graz Reininghaus entsteht, von außen aussehen.

Mikrowohnungen im Kommen

23.11.2016

Das Interesse der heimischen Immobilienbranche an dem lediglich fünfundzwanzig bis ­dreißig Quadrat­meter Wohnfläche zählenden Nischen­produkt erwacht.

Mikrowohnungen sind eine der Antworten auf unsere schnelllebige Zeit", meint Thomas Hayde von HD Architekten. Und – aus der Sicht seines Berufsstandes – weiter: „Die architektonische Herausforderung besteht darin, trotz sehr kleiner Einheiten eine gewisse Großzügigkeit entstehen zu lassen. Damit man ‚die Enge‘, die sich zwangsläufig durch die reduzierte Quadratmeteranzahl ergibt, nicht fühlt. Die Einhaltung aller Baustandards muss dabei selbstverständlich sein."

Entsprechend plant und realisiert die i Live-Gruppe derzeit auf den ehemaligen Reininghausgründen in Graz eine Anlage mit 325 Mikro-Apartments. Die kleinsten zählen lediglich 24 Quadratmeter Wohnfläche. Das deutsche Unternehmen will mit diesem Projekt Studenten, Assistenzärzte, Wissenschaftler, Nachwuchsführungskräfte sowie Pendler ansprechen. „An einem boomenden Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort wie Graz suchen viele junge Menschen nach zentrumsnahem und bezahlbarem Wohnraum, der gleichzeitig ihre Bedürfnisse nach Komfort und Flexibilität erfüllt. Für sie ist diese Anlage gedacht", erklärt Amos Engelhardt, Geschäftsführer der i Live-Gruppe.

 

„Absolut" niedriger Preis

Auch in Wien sind Mikrowohnungen im Kommen. J&P entwickelt im dritten Bezirk eine Anlage mit rund vierzig, zwischen zwanzig und achtundzwanzig Quadratmeter großen, voll möblierten Micro-Lofts. Die Fertigstellung ist für Sommer 2019 geplant. Martin Müller, Geschäftsführer der J&P Immobilienmakler GmbH, erläutert das Alleinstellungsmerkmal des Projekts: „Es befindet sich fußläufig zum ersten Bezirk. Sie werden in der Bundeshauptstadt zu diesem ‚absolut‘ niedrigen Preis keine anderen Wohnungen finden, die so nah an der City liegen."

Weitere Mikrowohnungen werden gerade unter dem Namen „Studio Zwei" im sogenannten Viertel Zwei in Wien-Leopoldstadt errichtet. Mit durchschnittlich 31 Quadratmetern sind sie relativ groß. Dank der Innenraumgestaltung sollen sich die Bewohner laut dem Projektentwickler IC Development wie auf 55 Quadratmetern fühlen.

 

Mini Format – maximaler Komfort

Man kann es also drehen und wenden wie man will. Immer mehr Player der heimischen Immobilienbranche entdecken ihr Interesse an Mikrowohnungen. Schließlich benötigt eine mobile Gesellschaft mobile Wohnformen. Ob reisende Manager, junge Fachkräfte, Pendler oder Studenten – oft leben sie nur mehrere Monate oder wenige Jahre an einem Ort. Dann jedoch am liebsten in City-Lage mit optimaler Versorgung und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Weiters zwingen natürlich die stolzen Immobilienpreise in guten Stadtlagen die Menschen langfristig in kleine Bleiben.

Mit einer Wohnfläche von etwa fünfundzwanzig bis dreißig Quadratmetern folgen die Bonsai-Apartments dem Motto „Mini Format – maximaler Komfort". Die Mieter beziehungsweise Käufer sind bereit, für Ausstattung und Lage überdurchschnittliche Quadratmeterpreise zu bezahlen. Für Anleger spiegelt sich dieses Faktum in höheren Renditen wider. Gemäß der auf Immobilienberatung spezialisierten Bulwiengesa AG liegen sie bei vergleichbaren Risiken bei Mikrowohnungen mit zwischen vier und 6,5 Prozent über den bei klassischen Mietwohnungen üblichen Spannen von zwischen zwei und fünf Prozent.

Stets voll möbliert

Ob sich ein Käufer oder Mieter dauerhaft auf derartig kleinem Raum wohl fühlt, steht freilich auf einem anderen Blatt. Diverse Expertenmeinungen besagen, dass hierzulande alleinstehenden Menschen rund vierzig Quadratmeter Wohnfläche „gebühren" sollten. Klar ist jedoch auch, dass die Größe kaum etwas über die Qualität von vier Wänden aussagt. Bei den stets voll möblierten Mikro-Apartments wird jede Nische genutzt. Wird darüber hinaus eine gewisse Farbdisziplin eingehalten, gewinnen sie atmosphärisch den ein oder anderen Quadratmeter hinzu. Fakt ist: Vor allem Privatanleger werden sich über den derzeit noch zart blühenden Boom von Mikro-Apartments – primär in Universitätsstädten – freuen können. Stellen sie doch im Gegensatz zu größeren Wohnungen ein durchaus leistbares Investment dar. Ob sich der Trend zur diesen Kleinstwohnungen langfristig durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

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