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Da Problembewusstsein, das Wasser auch gefährlich sein kann, ist trotz noch immer extrem gering.

Das Bewusstsein schärfen

17.05.2021

Trinkwasser ist ein verderbliches Lebensmittel. Die routinemäßige Überprüfung desselben aber noch nicht ins Bewusstsein von Betreibern und Hausverwaltern gerückt.

Österreich verfügt über ausreichend Wasser in hervorragender Qualität.  Das wissen hierzulande viele Menschen. Das Trinkwasser aber auch als verderbliches Lebensmittel gilt, ist allgemein schon weniger bekannt. „Wenn sie Wasser stehen lassen, egal ob in einem Glas oder in einem Leitungssystem, beginnt sich ein Biofilm auszubilden.  Bakterien und diverse Keime beginnen zu wachsen“, erklärt Thomas Fleischanderl, Geschäftsführer der Moser Wasser TÜV Austria Group. „Das bedeutet für Immobilien: Jegliche Leitung, die 72 Stunden nicht in Bewegung ist, stellt ein potentielles Risiko dar“, so der Wasserexperte. Ein Problem, dass sich in den vorangegangen Lockdowns aufgrund von Covid19 und zwischenzeitlichen Leerständen deutlich verstärkte, vor allem in öffentlichen Gebäuden. „Man sieht an den Gebäuden, die wir gerade beproben, dass die Kontamination massiv nach oben gehen“, erzählt Fleischanderl, der bei Wasser zwischen Kalt- und Warmwasser unterscheidet. Sprich: Kaltwasser sollte kalt, Warmwasser sollte heiß sein. Wobei kalt unter 25 Grad und heiß über 60 Grad bedeutet. Warum? Ideal für Bakterienwachstum ist eine Temperatur zwischen 20 und 40 Grad.

„Das größte Risiko, das wir kennen, sind Legionellen. Jene Spezies, die über die Atemwege aufgenommen wird, also über Aerosolbildung und Einatmen“, weiß Fleischanderl. Die Hauptgefahr entsteht demzufolge beim Duschen, vor allem etwa bei wenig gebrauchten Mitarbeiterduschen.

Kaum Problembewusstsein vorhanden

Da Problembewusstsein, das Wasser auch gefährlich sein kann, ist trotz dieser Fakten österreichweit noch immer extrem gering. Das hat laut Wasserhygieniker Fleischanderl auch einen Grund. „Österreich ist relativ säumig, wenn es um das Thema Trinkwasserhygiene geht. Es gibt seit Januar einen neuen Entwurf der europäischen Trinkwasserrichtlinie. Österreich wurde jetzt letztmalig aufgefordert, diese umzusetzen. Wir haben die absurde Situation, dass man gesagt hat, „Kaltwasser ist Trinkwasser, Warmwasser ist Brauchwasser“. Kurzum: Man hat das Thema Warmwasser nicht in der Trinkwasserverordnung verankert. Bislang haben wir also nur eine typisch österreichische Lösung. Es gibt zwar das entsprechende technische Regelwerk, sprich Normen, aber keine dazu passende Verordnung.“ Eine Betreiberpflicht gibt es aber allemal. Solange nichts passiert, wird niemals eine Behörde Befunde kontrollieren, ob Wasserentnahmestellen auch regelmäßig überwacht wurden und werden. Wenn aber etwas passiert, ist der Betreiber beziehungsweise die Hausverwaltung voll in der Verantwortung, was bereits der Oberste Gerichtshof bestätigte.

Regelmäßige Kontrolle notwendig

Fleischanderls selbstgestellte Aufgabe: Problembewusstsein bei Hausverwaltungen schärfen, Entnahmestellen definieren, überprüfen, warten und spülen. „Allein aufgrund der Rechtsicherheit ist eine jährliche Überprüfung absolut notwendig.“ Und auch sinnvoll. Aber was tun, wenn eine Kontamination bereits festgestellt wurde. „Ein Aspekt, der bei kleineren Kontaminationen hilft ist, dass man den Duschschlauch oder den Brausekopf wechselt. Spülungen funktionieren oft auch sehr gut. Wenn es ein zentrales Problem ist, muss man oft in Richtung chemischen Desinfektion gehen. Das ist aber immer das allerletzte Mittel der Wahl. Als Sofortmaßnahme bei sehr hohen Infektionen gibt es die Montage von bakteriendichten Filtern“ so Fleischandel. Eine Überprüfung des Leitungssystem durch Fachleute kostet bei größeren Gebäudekomplexen übrigens nur einige wenige Euro jährlich pro Entnahmestelle. Sanierungsmaßnahmen gehen hingegen oft in die Tausende.  

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