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Aus Amtsstube mach Wohnhaus

06.07.2018

Wegen der Gemeindefusionen wird in der Steiermark kommunale Infrastruktur frei. Fachgruppenobmann Gerald Gollenz plädiert für sinnvolle Umnutzungen.

Gerald Gollenz, Fachgruppenobmann der steirischen Immobilien- und Vermögenstreuhänder: „Aufgrund der kaum mehr vorhandenen Baugrundstücke in der Bundeshauptstadt werden Wiener Unternehmen verstärkt in Graz tätig.“

Die C&P Immobilien AG gab kürzlich bekannt, dass sie ein weiteres Großprojekt in der steirischen Landeshauptstadt realisiert: Das Quartier4 in Straßgang mit rund 650 Wohnungen. Vertriebsstart war im April. Gegründet wurde das Unternehmen 2006 in Unterpremstätten im Bezirk Graz-Umgebung. Mittlerweile ist es neben in Deutschland und Kroatien österreichweit aktiv. Wien inklusive. Dabei schlagen Branchen-Player wie Strauss & Partner, die frisch unter UBM Development Österreich GmbH firmiert, meist den umgekehrten Weg ein. Sie beackern zuerst den Wiener Markt, danach jenen der Mur-Metropole. Gerald Gollenz, Fachgruppenobmann der steirischen Immobilien- und Vermögenstreuhänder, erklärt:

„Aufgrund der kaum mehr vorhandenen Baugrundstücke in der Bundeshauptstadt werden Wiener Unternehmen verstärkt in Graz tätig. Denn hier gibt es in gewissen Lagen noch Grundstücke zu moderaten Preisen.“

Insgesamt herrscht auf dem steirischen Wohnimmobilienmarkt eine gute Stimmung. Preislich liegt die Grüne Mark innerhalb Österreichs im hinteren Drittel. Das Angebot an neuen Eigentumsobjekten ist vorhanden. In Graz reicht es jedoch nicht ganz aus, obwohl sehr große Projekte – wie das erwähnte Quartier4 der C&P Immobilien AG – aus dem Boden sprießen. Schließlich ist der Zuzug ungebrochen. Das wird durch die Tatsache verschärft, dass in der Landeshauptstadt kaum Gebrauchtimmobilien zu haben sind.

Bundestag 2019 in Graz

Ernüchternd ist laut Gollenz, dass sich die Situation in der Umgebung Graz‘ nicht so rosig darstellt. Hier wird weniger als in der Landeshauptstadt gebaut. „Ich wünsche mir diesbezüglich ein Umdenken, weshalb ich mit der Fachgruppe die Regionalentwicklung forciere. Schließlich ist im Umland die Lebensqualität gleich gut, wenn nicht sogar besser als in der Stadt“, so der Fachgruppenobmann. Es gelte, über den Ballungsraum Graz hinaus Immobilienprojekte in den steirischen Regionen voranzutreiben. Das Problem besteht dabei darin, dass die technische und die soziale Infrastruktur dort teilweise nicht ausgebaut ist. Diese muss von politischer Seite bereitgestellt werden. Vor allem angesichts von Gemeindefusionen, die kommunale Infrastruktur freispielen, plädiert Gollenz: „Wir sind in allen Bezirken bereit – ob Bauträger, Makler oder Verwalter. Jeder Bürgermeister weiß, dass er einen Immobilientreuhänder seines Vertrauens vor Ort hat, der den Markt kennt. Es macht keinen Sinn, diesen Prozess von Graz aus zu steuern.“ So könnten ehemalige Gemeindeämter in Wohnhäuser umgenutzt werden.

Möglicherweise wird diese Thematik auf dem Programm des nächsten Bundestags der Immobilien- und Vermögenstreuhänder stehen. Das Branchen-Event findet am 13. und 14. Juni 2019 in Graz statt. Die Planung am neuen Veranstaltungskonzept läuft. Es soll von den anderen Bundesländern – allen voran Niederösterreich 2020 – übernommen werden. Man darf gespannt sein.

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