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Virtuelle Besichtigungen boomen.

Virtueller Rundgang

09.09.2020

Pandemiebedingt erfährt die digitale Immobilienbesichtigung einen veritablen Schub.

Immobilienexperten stellen fest: Das Wohnungseigentum wird heute mehr denn je als sicherer Hafen angesehen, die Nachfrage riss auch in der Corona-Krise nicht ab. Wobei aber von persönlichen Immobilienbesichtigungen bis auf weiteres eher Abstand genommen wird. Eine umso stärkere Rolle soll fortan die digitalisierte Immobilienvermarktung spielen. Christian Kaltenegger von der Immacon Projektenwicklung GmbH: „Uns ist es wichtig, noch mehr Transparenz zu bieten, dementsprechend setzen wir auf Video-Exposés zu unseren Immobilien.“ Im Gegensatz zu einem 360-Grad-Rundgang handle es sich hierbei nämlich nicht um mehrere zusammengesetzte Einzelbilder, sondern um Bewegtbilder, die dem Nutzer noch mehr Einblicke in die Immobilie gäben, ganz ohne Photoshop-Bearbeitung. Dadurch erhalte man eine sehr reale Vorstellung von dem Objekt und könne sich bewusst für oder gegen eine spätere Besichtigung vor Ort entscheiden.

Kaltenegger geht davon aus, „dass dieses Zusatzangebot auch nach der Krise weiterhin gefragt sein wird.“ Immobilienvideos könnten bequem von daheim aus angeschaut werden. Und zukünftig werde das noch ausgebaut, auch Virtual Reality werde noch mehr ein Thema sein, sodass jeder bald virtuell den Balkon seiner potenziell zukünftigen Wohnung bequem von zu Hause aus betreten und die Aussicht genießen könne. „Reale Besichtigungen sind so nur mehr dann nötig, wenn auch wirklich ein hohes Interesse an dem Objekt besteht“, so der Immobilienexperte. Das bedeute eine Zeit- und Geldersparnis für beide Seiten. Aktuell arbeite Immacon auch an einer App, die den Immobilien-Markt revolutionieren solle.

Gute Vorauswahl

Da die pandemiebedingte Einschränkung des öffentlichen Lebens auch jene hart trifft, die dringend eine neue Wohnung benötigen, hat das Portal ImmobilienScout24 bereits im März eine Initiative gestartet, die Wohnungsbesichtigungen weiterhin ermöglicht, indem Makler Live-Videobesichtigungen durchführen können. Dafür gibt es auf immobilienscout24.at eine eigene Kennzeichnung für Immobilien mit Video-Besichtigung. Auch wurde der Suchfilter so adaptiert, dass man seine Suchergebnisse so filtern kann, dass jene Immobilien mit Video-Besichtigung angezeigt werden.

„Technisch ist diese Lösung kein großer Aufwand, aber als organisatorische Lösung ist sie sehr effizient“, sagt Markus Dejmek, Österreich-Geschäftsführer von ImmobilienScout24. „Den Maklern hat das denn auch sehr gut gefallen, wir hatten sehr rasch jede sechste Immobilie in diesem Modus, mittlerweile wird in unserem Portal sogar jede fünfte Immobilie nach entsprechender Makler-Zustimmung mit einem Video-Livebesichtigungs-Button ausgestattet.“

Die Wohnungssuche müsse jedenfalls auch in der Krise nicht stillstehen – „wir sollten die Möglichkeiten der digitalen Welt voll ausschöpfen und Wohnungsbesichtigungen virtuell ermöglichen, zum Beispiel über WhatsApp, Skype, Zoom und dergleichen – flexibel je nach Unternehmen“, betont Dejmek. Damit könne eine gute Vorauswahl der gewünschten Miet- oder Kaufobjekte vorab getroffen werden. Alle Immobiliensuchenden könnten mit Hilfe von Video-Besichtigungen offene Fragen im Vorfeld abklären und, wenn wieder eine reale Begehung möglich sei, auch tatsächlich rasch Miete und Kauf abwickeln.

Enorme Vorteile für Makler

Je mehr das Leben in der Öffentlichkeit eingeschränkt war und teilweise noch ist, desto mehr verlagert es sich also in den virtuellen Raum. So sind auch für den Immobilienmakler s Real in Zeiten der Krise virtuelle Rundgänge mit 360°-Aufnahmen, animierte Renderings oder eine 3D Präsentation wie das „Puppenhaus“ essenzielle digitale Mittel der Präsentation von Immobilien.

s Real Geschäftsführer Michael Pisecky: „In den Wochen, in denen wir wegen Corona keine Kundenkontakte haben durften, waren 360°-Rundgänge DIE Möglichkeit, Besichtigungen durchzuführen. Dementsprechend hatten alle Makler, die diese Möglichkeit boten, natürlich enorme Vorteile.“ Auch so genannte Makler-Besichtigungen habe es gegeben, das heißt: „Wenn der Kunde nicht kommen kann, geht der Makler mit seinem iPhone durch die Wohnung und zeigt sie dem Kunden live. So ist es zum Beispiel auch vorgekommen, dass deutsche Kunden nicht über die Grenze kommen konnten und wir dann neben den 360°-Rundgängen auch solche Makler-Besichtigungen anbieten konnten“, so Pisecky. Daraus habe es sogar Abschlüsse gegeben: „Es gibt Wohnungen, die wir vermietet oder verkauft haben, bevor sie der Käufer beziehungsweise Mieter betreten konnte.“

Was wird von diesen Möglichkeiten bleiben? Pisecky: „Wir werden jedenfalls weiterhin unsere Immobilien mit 360°-Rundgängen ausstatten, um im Sinne des Kunden, aber auch für die eigene Effizienz die Vor-Ort-Besichtigungen zu reduzieren. Dadurch lässt sich eine viel bessere Vorauswahl treffen, sodass dann nur mehr die Immobilie vor Ort besichtigt werden muss, die wirklich ganz konkret in Frage kommt. Das wird sicher bleiben.“

Als zukünftige Erweiterung kann sich der s Real Geschäftsführer Interaktionselemente vorstellen, mit denen man – Stichwort virtuelles Staging – etwa Möbel verschieben, Wandfarben und Tapeten auswählen und somit zum Beispiel eine Wohnung in 3D einrichten kann. „Augmented Reality wird auch sehr stark zum Einsatz kommen – damit kann man sich etwa am leeren Bauplatz das fertige Haus simulieren lassen“, weist Pisecky in die Zukunft, überzeugt, „dass alle diese virtuellen Möglichkeiten einen wesentlich höheren Anteil haben werden als früher.“ Die erfreulicherweise sehr große Nachfrage in den letzten Monaten hätte man mit Vor-Ort-Besichtigungen jedenfalls nicht geschafft. Wobei es diesen Schub, virtuelle Besichtigungen betreffend, auch auf Kundenseite gegeben habe: „Weil sie viele Wochen lang MUSSTEN, haben sie diese Möglichkeiten angenommen.“

„Digital“ Kundenbringer Nr.1

Bernd Gabel Hlawa, Geschäftsführer von FindMyHome.at, belegt die starke Nachfrage nach virtuellen Besichtigungsmöglichkeiten mit Zahlen: „Wir haben 14 Tage nach dem Shutdown eine eigene Immobiliensuche für Objekte mit Videobegehungen gelauncht; hier wurden rund 3000 Immobilien mit Videos in Wien und Umgebung präsentiert. Rund zwei Drittel der Suchenden haben diese Art von Immobiliensuche bevorzugt.“ Ein weiteres Highlight seien von Beginn an die findmyhome.at Open House Days gewesen: „Via Facebook Live präsentiert der Makler punktgenau seiner erwünschten Zielgruppe das Objekt. Während der Besichtigung können Interessent und Makler miteinander interagieren.“ Bereits bei den ersten 10 Open House Days während des Corona-Peaks habe es über 20.000 Zuseher gegeben, und sieben von zehn Objekten seien erfolgreich über dieses Format vermittelt worden, berichtet Gabel Hlawa. Möglich sei die digitale Form der Immobilienvermarktung zwar schon seit vielen Jahren, und es gebe auch ein breites Angebotsspektrum. Das Meiste sei jedoch ungenutzt, obwohl seit über 15 Jahren „digital“ der Kundenbringer Nr.1 mit der höchsten Conversion sei, „erst seit Corona werden Videobegehungen in verschiedenen Formen stark genutzt.“ Die Erstbesichtigung finde somit endlich digital statt. „Das“, so Gabel Hlawa abschließend, „war bereits 2001 unser Angebot an Anbieter und Nutzer. Nun, 20 Jahre später, ist eine unserer Visionen zur Realität geworden.“

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