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Das geplante Einkaufszentrum in der Seestadt Bregenz wird nicht realisiert.

Projekt Seestadt Bregenz gestoppt

14.02.2017

Hohe Baukosten und Widerstand von Anrainern und Architekten beenden das Projekt in der derzeitigen Form. Das geplante Einkaufszentrum mit Büro- und Wohnflächen an der Bahn­hofstraße wird nicht gebaut.

Die Seestadt in Bregenz mit Geschäften, Büros, über 65 Wohnungen und Innenstadt-Parkplätzen wird so nicht errichtet werden. Das Projekt ist aufgrund der bautechnischen Situation in Kombination mit dem laufend steigenden Anspruchsdenken von diversen Bürgerinitiativen nicht mehr finanzierbar, erklären die Projekt-Betreiber, Bernhard Ölz (Vorstand der Prisma Unternehmensgruppe), Guntram Drexel (Geschäftsführer der JDL Leasinggesellschaft mbH) und Marcus Wild (CEO der SES Spar European Shopping Centers GmbH), Mitte Jänner dieses Jahres. „Wir bedauern diese Entwicklung, aber weitere nicht planbare Erhöhungen des Investitionsvolumens, das wir in den letzten acht Jahren bereits von ursprünglich ca. 100 Millionen Euro auf jetzt über 140 Millionen Euro aufgestockt haben, kann wirtschaftlich nicht verantwortet werden.“ Unter den aktuellen Rahmenbedingungen gibt es kein Alternativprojekt für die Seestadt Bregenz.

Das Ende einer Vision

Die Vision eines urbanen Stadtquartiers, das mit den Bereichen Einkaufen, Wohnen, Arbeiten und Gastronomie eine attraktive Ergänzung zum innerstädtischen Angebot bringen soll, geht auf das Jahr 2007 zurück. 

Im Mai 2008 ist die Prisma Unternehmensgruppe in die Projektentwicklung eingestiegen, 2012 sind mit der JDL und der SES zwei Partner als Gesellschafter dazugekommen. Ein langjähriger kooperativer Entwicklungsprozess unter intensiver Einbindung der Bregenzer Bürger, Städteplaner und Architekten begleitete das Projekt Seestadt von Anfang an.
 

Wirtschaftlichkeit nicht gegeben

Letztendlich hat die Wirtschaftlichkeit zu der Entscheidung geführt, das Projekt Seestadt unter diesen Voraussetzungen nicht errichten zu können, erklärt Prisma-Vorstand Bernhard Ölz: „Die zweigeschoßige Tiefgarage, die Unterbauung der Bahnhofstraße und der Landesstraße sowie die Zu- und Abfahrten gestalteten sich sehr aufwendig, die Einsprüche der Nachbarn waren zeitraubend und Kosten steigernd, und die Ergebnisse der Ausschreibungen im Sommer 2016 lagen deutlich höher als die Schätzungen der Experten. Dazu kamen Zusatzleistungen, die im Projekt berücksichtigt wurden, und wir müssen damit rechnen, dass von verschiedenen Initiativen weitere Ansprüche an das Projekt Seestadt gestellt werden“, so Bernhard Ölz: „Im Hinblick auf die öffentliche Diskussion der letzten Wochen und auch auf Drängen des Bürgermeisters war es uns daher ein Anliegen, rasch Klarheit über die Zukunft der Seestadt Bregenz zu schaffen.“ 
Nachdem alle Möglichkeiten geprüft wurden, haben sich die Betreiber nun geeinigt, dass das Projekt Seestadt unter diesen Voraussetzungen nicht realisiert werden kann.

Kaufkraftabwanderung nach Deutschland befürchtet

Wie attraktiv das Projekt Seestadt war, zeigt das Interesse an den Handelsflächen. Marcus Wild, Vorsitzender der Geschäftsführung von SES, hat bereits zum jetzigen Zeitpunkt die Vermietung von 80 Prozent der Handelsflächen sichergestellt. „Wir haben die Seestadt so konzipiert, dass wir auch internationale Topmarken für den Standort Bregenz gewinnen konnten. Es waren inte­ressante und innovative Konzepte für den Handel und die Gastronomie dabei, die für Bregenz eine Vorreiterrolle und eine Belebung der gesamten Innenstadt gebracht hätten“, erklärt Wild. Allein im Handel, in der Gastronomie, bei Dienstleistungen und in den Büros waren in der Seestadt ca. 550 neue Arbeitsplätze vorgesehen. 

Im Gegensatz zu Bregenz entwickeln sich die Einkaufszentren in der deutschen Nachbarschaft ständig weiter und bauen ihre Flächen und Angebote aus. Es muss laut Wild daher damit gerechnet werden, dass ein Stillstand in Bregenz eher zu einer Kaufkraftabwanderung in das schon jetzt stark besuchte Deutschland führen wird. Vergleichbare Flächen wie in der Seestadt, die den Ansprüchen von internationalen Marken genügen, können in Bregenz in innerstädtischen Lagen derzeit nicht angeboten werden.

Die Absage an die Seestadt in dieser Form war eine schwere Entscheidung, weil es nicht nur Bregenz, sondern das gesamte Einzugsgebiet Vorarlberg betrifft, beschreibt Guntram Drexel die Situation. Die gesamte Region verfügt über eine erstklassige Lage und ein Einzugsgebiet, in dem 1,5 Millionen Menschen in nur einer Autostunde Entfernung leben. 

„Die Seestadt hätte eine Bereicherung für Bregenz und die gesamte Region gebracht. Jetzt wird eine große Chance für Bregenz genauso wie für das Rheintal nicht genützt, aber unter den aktuellen Bedingungen gab es keine wirtschaftlich machbare alternative Lösung“, so die Projektentwickler. In den vergangenen acht Jahren haben die Betreiber insgesamt sechs Millionen Euro in Projektierungs- und Planungsarbeiten investiert.

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