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Gemeinsam mit IES Immobilien entwickelt die Buwog am Wiener Handelskai den Marina Tower mit rund 500 freifinanzierten Eigentumswohnungen. Mit Verwerfungen am Immobilienmarkt aufgrund der aktuellen Krise rechnet das Unternehmen nicht.

„In Krisenzeiten tauscht man Geld gegen Steine“

11.05.2020

Heimische Immobiliendienstleister verzeichnen aufgrund der Corona-Krise nur kurzfristig einen Nachfragrückgang und rechnen vor allem in Wohnsegment weiterhin mit einem stabilen Preisniveau.

Heimische Immobilienmakler blickten trotz wochenlangem Stillstand der Gesamtwirtschaft durchaus zuversichtlich auf den österreichischen Immobilienmarkt. „Wir waren gut vorbereitet, weil wir in den eigenen Prozessen und in der Vermarktung schon lange auf digitale Lösungen gesetzt haben und somit unsere Dienstleistungen auch aus dem Homeoffice rasch leisten können“, erfährt man s Real. Die Anfragen nach Immobilien sind bei s Real aufgrund der Krisensituation im März zwar stark zurückgegangen waren, haben sich im April wieder auf 80-90 Prozent des Vorkrisenniveaus erholt, so das Unternehmen. „Wir erwarten im Wohnbereich eine stabile Entwicklung. Anleger werden weiter in Immobilien investieren, wir erwarten, dass dieser Trend gerade im Wohnbereich aufgrund möglicher wirtschaftlicher Unsicherheit sogar zunimmt.“ zeigt sich Michael Pisecky, Geschäftsführer s Real Immobilien, optimistisch. Das Interesse an einem Investment im Bereich Wohnimmobilien werde schon alleine deshalb steigen, weil für ein solches im Gewerbeimmobilienbereich das Risiko steigt. In der Miete erwartet s Real eine Seitwärtsentwicklung, in Regionen mit großem Angebot an freifinanzierten Mietwohnungen wird sich der Preisdruck verstärken und da und dort werden die Mieten sinken, beispielsweise in den großen Bezirken in Wien außerhalb des Gürtels. In den inneren Bezirken erwartet der Immobiliendienstleister gleichbleibende bis moderat steigende Mieten. Damit können die Renditen etwas niederer ausfallen, aber der Fokus der Anleger liegt in Krisenzeiten auf der Sicherheit des Investments, eben in Grund und Boden sein Geld anzulegen.

Eigennutzer werden weiterhin kaufen

Im Bereich der Eigennutzer sind die Verwertungsfristen schon in den letzten Quartalen gestiegen, weil das Angebot speziell an großen Wohnungen in einigen Regionen kontinuierlich wächst. Eigennutzer, die mit Eigenmitteln gekauft haben, werden dies auch weiterhin tun, schon allein, um ihr Geld in Immobilien zu „parken“ (Eigenvorsorge). Für Interessenten, die mit hohen Fremdmitteln kaufen wollen, erwartet Pisecky eine Abschwächung aufgrund der unsicheren gesamtwirtschaftlichen Situation und der Einkommensentwicklung.

Auch Arnold Immobilien rechnet trotz Corona bedingtem Shutdown mit stabilen Entwicklungen am Immobilienmarkt. Die Gründe dafür sind die beschlossenen Hilfspakete, die Zinsen auf lange Zeit auf einem extrem niedrigen Niveau einfrieren lassen. Zudem sind die Börsenmärkte sehr volatil, was gerade Private, Stiftungen und Family Offices weiterhin stark in Richtung Immobilien-Investments tendieren lassen. „Alle Signale, die wir vom Markt erhalten deuten darauf hin, dass es in den meisten Asset Klassen wie gehabt weiter gehen wird“, erklärt Markus Arnold, Gründer und Eigentümer von Arnold Immobilien.

Zinshausmarkt krisenfest

Die Bereitschaft in ein Zinshaus zu investieren scheint ungebrochen zu sein. Kurzfristig könnte es zu etwas mehr Bewegung am Zinshausmarkt kommen, da bei einigen Eigentümern Unsicherheit herrscht, ob das hohe Preisniveau gehalten werden kann. „Wir rechnen damit, dass kurzfristig zahlreiche Eigentümer einen Verkauf in Betracht ziehen werden, um so den Rückenwind der vergangenen Jahre mitzunehmen“, meint Arnold.

Eine Auswirkung, die sich abzeichnet, ist das gesteigerte Sicherheitsbedürfnis der Investoren. „In Krisenzeiten tauscht man Geld gegen Steine“, so der Immobilien Experte. Nachsatz: „In Post-Krisenzeiten wollen die Menschen ganz bestimmt `kopfwehfrei` investieren bzw. keinesfalls zu billig verkaufen.“

„Wohnimmobilen sind, anders als andere Assetklassen, nur in sehr geringem Maße von Konjunkturschwankungen abhängig. Mit unserem Bestand von rund 22.500 Wohneinheiten in Österreich und einer Development-Pipeline, die hier derzeit rund 6.200 Wohnungen umfasst, sehen wir uns daher sicher für die aktuelle Corona-Krise aufgestellt“, erklärt auch Andreas Holler, Geschäftsführer der Buwog Group GmbH. Als Tochtergesellschaft der deutschen Vonovia SE, die ihre Liquidität erst kürzlich weiter erhöhen konnte, profitiert die BUWOG im Hinblick auf finanzielle Stabilität zusätzlich von ihrem Mutterkonzern. „Die starke Nachfrage vor allem von Seiten langfristig orientierter Anleger zeigt einen klaren Vertrauensbeweis in die Buwog als Unternehmen und in Immobilien als Anlageform“, so Andreas Holler.

Zuversicht auch bei Gewerbeimmobilien

Auch im Bereich der Produktions- und der Gewerbeimmobilien erwartet s Real eine durchwegs stabile Entwicklung, auch im Bürobereich. Mittelfristig rechnet das Maklerunternehmen aber mit einer gewissen Flächeneinschränkung der Unternehmen. „Homeoffice wird den zukünftigen Flächenbedarf und die Neubauleistung wesentlich beeinflussen“, ist Michael Pisecky überzeugt.

Für Geschäftslokale wird es hingegen stärkere Veränderungen geben. Der Trend zum online-Handel war schon vorhanden und wird durch die Krise nun verstärkt. Hier erwartet s Real eine Reduktion des Flächenbedarfs und damit Druck auf die Mieten und die Verkaufspreise. In der Gastronomie und den Beherbergungsbetrieben (Hotels, Pensionen etc.) ist mit einer längeren Zeit der Erholung zu rechnen. Damit werden viele Betriebe große Herausforderungen meistern müssen. Pisecky: „Hier ist noch abzuwarten, wie sich die staatliche Unterstützung auswirken wird und wie bald wieder mit höheren Auslastungen gerechnet werden darf.“

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