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Notebooks, Smartphones & Co fungieren als virtuelle Besichtigungsinstrumente.

Begutachtungen aus der Ferne

11.05.2020

Alles, was mit Distanz zu tun hat, erlebt derzeit notgedrungen einen Höhenflug. So auch virtuelle Besichtigungen von Wohnimmobilien, die jedoch tatsächliche Begehungen nicht ersetzen.

Anfang April gab ImmobilienScout24 die Ergebnisse einer Umfrage unter 500 Österreichern bekannt. Demnach würden stolze acht Prozent eine Wohnung oder ein Haus nach einer alleinigen Besichtigung über ein Live-Video mieten oder kaufen. Die Bereitschaft nimmt dabei klar mit dem Alter ab. Bei den über 50-Jährigen liegt der Prozentsatz nur noch bei vier Prozent, bei den unter 30-Jährigen bei elf Prozent. Hintergrund bilden selbstredend die auf Covid-19 zurückgehenden Ausgangsbeschränkungen beziehungsweise Sicherheitsmaßnahmen, die reale Besichtigungen erschweren. Seit 17. März kennzeichnet ImmobilienScout24 daher Objekte, die via virtuelle Live-Touren begutachtet werden können, speziell. Österreich-Geschäftsführer Markus Dejmek erklärt: „Bei Live-Video-Besichtigungen geht der Makler durch die Wohnung und streamt den Rundgang über WhatsApp, Zoom oder ein anderes Videoformat. Die Immobiliensuchenden können Fragen stellen und Details mit dem Makler klären.“ Apropos Makler: Diese griffen die Initiative laut Dejmek mit beachtlicher Geschwindigkeit auf und setzten sie um.

Doch apropos die eingangs genannten acht Prozent, die einzig auf virtueller Erkenntnis eine Liegenschaft kaufen oder mieten würden: Diese ambitionierte Zahl sieht man bei Re/Max nicht. Vielmehr betrachtet das Makler-Netzwerk virtuelle Besichtigungen als Qualifizierungstool, das Interessenten bei der Entscheidung, ob sie eine Immobilie auch in real besichtigen wollen oder nicht, unterstützt. Die einfachste Form, die Re/Max diesbezüglich bietet, sind 360-Grad-Bilder. Diese lassen sich in einem nächsten Schritt zu einer 360-Grad-Tour verknüpfen. Beides ist sowohl bei realen als auch bei Objekten in der Entwicklungsphase möglich. Darüber hinaus kommen Videos zum Einsatz – und das in verschiedenen Ausprägungsformen, auch Live-Führungen.

Ohne Photoshop-Bearbeitung

Auf die Frage nach dem damit verbundenen Aufwand antwortet Wolfgang Spitz, Head of IT bei Re/Max: „360-Grad-Bilder online zu stellen ist in wenigen Augenblicken geschehen. Aus diesen einen Rundgang anzufertigen und somit diese Bilder zu einer Tour zu verknüpfen, nimmt eine Viertelstunde in Anspruch. Die Dauer steigt freilich mit der Größe der Immobilie und den Details, die man vermitteln möchte. Seit 2016 merken wir, dass die breite Öffentlichkeit auf virtuelle Besichtigungen anspricht. Seither forcieren wir den Einsatz dementsprechend. Alle Standorte verfügen zum einen über die notwendige Ausrüstung und zum anderen haben wir qualifizierte Kooperationspartner.“ Nahezu alle virtuellen Besichtigungen von Re/Max sind frei zugänglich. Bei einigen, etwa wenn es um den Schutz des Abgebers geht, wird der detaillierte Zugriff hingegen erst auf Anfrage ermöglicht.

Auch die Developer reagieren auf die krisenbedingten Herausforderungen punkto Besichtigungsmöglichkeiten. Denn das Interesse, in Wohnimmobilien zu investieren, bleibt bestehen. „Wir erhalten nach wie vor laufend Anfragen zu unseren Objekten“, berichtet Christian Kaltenegger, Generalbevollmächtigter der Immacon Projektenwicklung GmbH. Das Unternehmen mit Sitz in Wien forciert daher sogenannte Video-Exposés, also Bewegtbilder – im Übrigen ohne Photoshop-Bearbeitung. Kaltenegger geht davon aus, dass dieses Zusatzangebot auch nach der Krise gefragt sein wird. „Zukünftig wird das ausgebaut. Virtual Reality wird noch mehr ein Thema sein, sodass jeder bald virtuell den Balkon seiner potenziell zukünftigen Wohnung bequem von zu Hause aus betreten und die Aussicht genießen kann.“

Exposés unverändert relevant

Bei welchen Wohnobjekten machen virtuelle Begutachten besonders Sinn?Es eignen sich beinahe alle Typen“, weiß Wolfgang Spitz, Head of IT bei Re/Max, und fährt fort: „Die Art der Immobilie entscheidet oftmals über die Details einer virtuellen Besichtigung. Beginnend bei kleinen Wohnungen bis hin zu größeren Einfamilien- und Mehrfamilienhäusern. Man kann sich mit Sicherheit gut vorstellen, je großzügiger Immobilien an sich sind, desto beeindruckender können virtuelle Besichtigungen gestaltet werden. Das gipfelt natürlich im Luxus-Segment – und, ja, auch hier oder gerade hier besichtigen viele Interessenten mittlerweile virtuell.“

Vor einem Kardinalfehler sei angesichts der Zunahme virtueller Besichtigungen gewarnt, nämlich vor jenem, die Relevanz (schriftlicher) Exposés geringer zu schätzen. Denn keinesfalls dürfen jetzt die Immobilie beschreibende Texte vernachlässigt werden. Auch Pläne und Dokumente müssen unverändert passen. Daran kann nicht einmal Corona rütteln.

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