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Badsanierung: Die Qualität steckt im Detail

20.11.2019

Worauf Hausverwalter und Eigentümer bei der Badsanierung achten sollten.

Sanierungsexperten wissen: Für eine umfassende Badsanierung – also nicht nur Armaturen und Badkeramik austauschen – sollte man sich an einen erfahrenen Fachplaner wenden, der womöglich auch baupraktische Erfahrungen hat. „Er sollte vor allem über seinen Tellerrand hinaussehen können und wollen und somit fachübergreifende Schnittstellen berücksichtigen“, weiß Jürgen Brenner, Geschäftsführender Gesellschafter der Gassner & Partner Baumanagement GmbH. Aus seiner Sicht ist es unerlässlich, vor Planungsbeginn eine entsprechende Bestandsanalyse durchzuführen und somit vorhandene Materialien und Bauteilstärken – Wände, Fußbodenaufbauten, Decken etc. – sowie vorhandene hausseitige Installationsleitungen zu erfassen: „Diese Grundlagen müssen in die Planung einfließen.“ Passiere das nicht, müsse in der Ausführung getrickst werden, und Ausführungsmängel seien unumgänglich. Vor allem im Mehrgeschoßigen Wohnbau müsse auch auf die bestehende Gebäudestruktur und die vorhandenen hausseitigen Installationsleitungen, hier vor allem auf die vorhandenen Abflussleitungen, eingegangen werden.
Bereits in der Grundrissplanung sollten alle Abflussanschlüsse, besonders der WC-Anlagen, in unmittelbarer Nähe von hausseitigen Abflusssammelleitungen platziert werden. Ist das nicht möglich, müssen aufgrund des begrenzten Platzbedarfs im bestehenden Fußbodenaufbau entsprechende Vorkehrungen wie Vorsatzschalen vorgesehen werden, um eine fachgerechte Verlegung von Abflussleitungen zu gewährleisten – Stichwort Mindestgefälle. Ideal wäre, wenn man hierfür die Höhe des Fußbodenaufbaues vergrößern könnte, aber das ist in der Praxis aufgrund zusammenhängender Fußbodenniveaus im Gebäude in der Regel nicht möglich. 
Der vorhandene Fußbodenaufbau bestimmt auch, ob zum Beispiel eine bodengleiche Dusche fachgerecht verwendet werden kann. „Häufig“, so Brenner, „sind im Bestand Fußbodenaufbauten mit geringer Höhe anzutreffen. Werden in diesem Fall bodengleiche Duschen ohne eine entsprechende Detailplanung und ohne eine entsprechende Koordination in der Ausführung verwendet, sind Bauschäden, insbesondere Wasserschäden und Schallprobleme, vorprogrammiert.“

Fehler können zu erheblichen Wasserschäden führen

Da Bäder als im Wohnungsverband oft untergeordnete Räume in vielen Fällen keine Fenster haben, ist es bei der Badsanierung auch überlegenswert, wie man dem Bad dennoch Tageslicht verschaffen kann. Und mit ein paar simplen Maßnahmen wie etwa dem Einsatz von Glasoberlichten hin zu Aufenthaltsräumen ist das auch möglich. „Zusätzlich“, sagt Brenner, „legen wir bei unseren Planungen großen Wert auf großzügige Spiegelflächen sowie eine moderne und zeitgemäße Oberflächengestaltung.“
Unbedingt dafür zu sorgen ist im Bad, dass die dort anfallende Luftfeuchtigkeit abgeführt wird. Üblicherweise werden hier mechanische Abluftventilatoren, möglichst mit einer automatischen hygrostatischen Steuerung, verwendet. Im Idealfall kann die Abluft über den Anschluss an eine hausseitige Sammelentlüftungsleitung abgeführt werden. Ist diese nicht vorhanden, wäre eine Entlüftung über die Hoffassade denkbar – „was aber“, so Brenner, „mit einem erheblichen technischen und rechtlichen Aufwand verbunden sein könnte.“ Eine ordentliche Planung beinhalte in jedem Fall auch die genaue Definition der in Bädern zwingend vorgeschriebenen Feuchtigkeitsabdichtung – wobei die alleinige Bestimmung von Material und Lage nicht ausreichend sei: „Es sind vor allem alle Anschlüsse und Durchdringungen im Detail zu klären. Sowohl bei den bereits erwähnten bodengleichen Duschen als auch bei Bodengullys werden immer wieder Fehler gemacht, die teilweise zu erheblichen Wasserschäden führen können.“
Umso besser ist es, wenn Hausverwaltern und Eigentümern bewusst ist, dass auch bei der Badsanierung die Qualität im Detail steckt. So wird ein entsprechend erfahrener Fachplaner weiters auch ein hohes Augenmerk auf den Schallschutz legen, da beim Betrieb von haustechnischen Anlagen wie Wasser- und Abwasseranlagen Schall entsteht und in angrenzende Räume übertragen werden kann. „Demnach sind Anlagenteile wie etwa Rohrleitungen unbedingt elastisch zu entkoppeln; ebenso ist darauf zu achten, dass Rohrleitungen bei ihrer Verlegung im Fußbodenaufbau nicht in die Trittschallebene hineinragen, denn der Trittschallschutz könnte sich dadurch massiv verschlechtern“, konkretisiert Experte Brenner. Bei geringem Fußbodenaufbau, bei großen Distanzen zu Abflusssammelleitungen und bei fehlender Berücksichtigung in der Planung trete jedoch genau dieser Fall ein. „Vor allem in Gründerzeithäusern mit Holztramdecken könnte man nach Abbruch der bestehenden Fußbodenkonstruktion sein blaues Wunder erleben. Viele der bestehenden Bäder wurden ohne entsprechendes Fachwissen und oft in Eigenregie nachträglich in den typischen gründerzeitlichen Wohnungen eingebaut.“ Fehlende Abdichtungsebenen, unzureichende Gefälleausbildungen bei Abflussleitungen, undichte Wasserleitungen sowie undichte Silikonfugen könnten bei der Holzdecke in wenigen Jahren einen Totalschaden hervorrufen. Sei dieser Fall einmal eingetreten, müssten diese Holzdecken aufwendig saniert bzw. getauscht werden, und die Sanierungsmaßnahmen würden sich dann nicht mehr auf das Badezimmer beschränken. 

Trend geht klar in Richtung größerer Fliesen

„Das wichtigste Thema ist die Abdichtung im Bad, und diese wurde früher bei Sanierungen von Zinshäusern oft vernachlässigt“, schlägt Markus Brandstätter, Managing Director bei ­Rustler Immobilienentwicklung, in dieselbe Kerbe. „Wenn wir aber diese Bäder jetzt ordentlich sanieren, ist das sicherlich eine nachhaltige Maßnahme für die nächsten 20–25 Jahre.“ Eine reine Geschmacksfrage sei dagegen die Oberflächengestaltung: „Hier geht der Trend, den auch wir aufgreifen, klar in Richtung größerer Fliesen.“ Statt Badewannen würden ab einer gewissen Größe auch vermehrt Duschen eingebaut, und es werde auch mehr Platz für Abstellmöglichkeiten geschaffen. Für die Barriere­freiheit gebe es im Altbau zwar keine konkreten Vorschriften, „dennoch“, so Brandstätter, „achten wir vor allem beim Einbau von Duschen, dass diese bodenbündig sind und auch eine gewisse Breite haben, um auch mit einem Rollstuhl befahrbar zu sein.“
Die Kosten für eine umfassende Badsanierung – „wenn also konkret die Verrohrung und die Installationen neu gemacht werden, wenn auch die Elektroinstallation angepasst werden muss und wenn eine neue Abdichtung und ein neuer Estrich kommt“ – beziffert Brandstätter mit rund 1.500 Euro pro Qua­dratmeter. Aus Hausverwaltersicht müssten natürlich die anderen Hausparteien informiert werden, dass es zu entsprechenden Arbeiten im Haus komme, die bis zu sechs Wochen dauern würden – so lange sei nämlich für eine umfassende Badsanierung zu rechnen.
Weiters empfiehlt Brandstätter, selbst bei einer „kleinen“ Badsanierung sich immer eines Profis zu bedienen, der die Ausführung begleite. Das koste zwar zusätzlich Geld, nämlich etwa zehn Prozent der Sanierungskosten, dafür habe man aber eine ordentliche Vertragsbasis und eine korrekte Behördenabwicklung sichergestellt.
„Wenn man die Badsanierung nicht als Privatkunde macht, sondern als Hausverwaltung oder für institutionelle Eigentümer, ist auch zu empfehlen, das Bad relativ zeitlos und damit nachhaltig zu gestalten“, so Brandstätter. Und last but not least sollten Mieter, wenn sie das Bad umbauen möchten, auf jeden Fall mit der Hausverwaltung oder dem Eigentümer Kontakt aufnehmen und nicht ohne Rücksprache agieren.

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